WÜRZBURG

Ostermarschierer bieten Stadt Würzburg die Stirn

Keine Bundeswehr-Propaganda an Schulen: Der Ostermarsch am Samstag in Würzburg ging über die üblichen Parolen hinaus.

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Ostermarsch

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„Kein Werben fürs Sterben! Schulfrei für die Bundeswehr!“, forderte DGB-Sekretär Norbert Zirnsak als Ostermarsch-Redner am Samstagmittag auf dem Würzburger Barbarossa-Platz. Die Parole formulierte eine Forderung schlagkräftig um: Die Stadt möge an ihren Schulen keine „Propaganda“ für die Bundeswehr dulden.

Hintergrund sind Job-Börsen oder ähnliche Veranstaltungen in Bildungseinrichtungen, bei denen die Bundeswehr für sich wirbt. Das hatte in der Vergangenheit in Mainfranken für Diskussionen gesorgt.

Räumlich und zeitlich war der Weg zu diesem klaren Programmpunkt kurz. Er hatte die Friedensbewegten vom Theaterplatz in 25 Minuten durch die Fußgängerzone zur Bus-Umsteige geführt. Inhaltlich hingegen hatte der Ostermarsch bis hin zu dieser konkreten Forderung einen dramatischen Aufschwung genommen.

Gestartet war er nämlich mit den eher blassen Aussagen „Frieden kommt in Zivil“ und – diese Aufforderung funktioniert für jegliches Ziel: „Mehr Frieden wagen“.

Bevor Zirnsak der Kommune eindeutig die Stirn bot, argumentierte er weicher gegen die „Einseitigkeit“, dass nur die Bundeswehr, nicht aber die Friedensbewegung an Schulen Reklame machen dürften, und dass die Jugendoffiziere des Militärs ausschließlich von positiven Seiten des Soldatenlebens wie Karriereaussichten sprächen, nicht jedoch zum Beispiel von traumatisierten Afghanistan-Heimkehrern.

Nach dem heimischen Zirnsak sprach die Münchner Ex-Stadträtin Dagmar Henn. Die war früher in der Linkspartei tätig und nun von attac und Deutscher Friedens-Gesellschaft nach Würzburg eingeladen worden. Weitere Veranstalter des Ostermarschs: Ökopax, Pax Christi und DGB.

Dagmar Henn warnte mit eindringlichen, teils überraschenden Beispielen vor der „anrollenden Kriegsmaschinerie“ am Beispiel des Ukraine-Konflikts. Sie könne sich „an keine Propagandawelle erinnern, die so massiv wie die laufende ist“. Den Deutschen Herbst mit seinen bundesweiten Terror-Sympathisanten-Verdächtigungen mochte sie hier ausdrücklich nicht ausnehmen.

Sie beschrieb den Abbau von De-Eskalations- und Vermittlungsinstanzen beim Internationalen Roten Kreuz und bei der OSZE als Anzeichen von Kriegstreiberei und verurteilte aufs Schärfste die deutsche Teilnahme an der „Vorbereitung eines Angriffskriegs“. Dies sei verfassungswidrig.

Bei der Abschlusskundgebung bekamen die rund 100 Marschteilnehmer Zuwachs von etwa 50 weiteren Zuhörern. Mit diesem Ergebnis war Dr. Armin Meisterernst zufrieden. Der Schweinfurter Oberarzt hat Vergleiche, er organisierte den Würzburger Ostermarsch bereits zum 32. Mal, seit dem allerersten, mit.

Die Teilnahme liege im Schnitt, lediglich während der Kriege in Ex-Jugoslawien sei die Zahl schon mal auf 300 gestiegen. Von einem „Auf und Ab in all den Jahren“ sprach Meisterernst bei seiner Begrüßung und fragte, ob das ein Grund fürs Aufhören sei: „Nein!“, so sein eindeutiges Fazit.

Für junge Ostermarschierer sorgten Mitveranstalter wie attac und Die Linke, die sich dem Meinungsspaziergang mit eigener Fahne angeschlossen hatte. Es überwogen allerdings graue Haare, wenn auch bisweilen unter schwarzer Schirmkappe mit rotem Stern.

Auf dem Theatervorplatz wurden viele Hände geschüttelt, Grüße ausgerichtet, während des Marschs breitete sich behaglicher Pfeifenrauch über der hinteren Kolonnenhälfte aus. Auch eine DKP-Fahne flatterte.

Am Start hatten drei „Aschaffenburger Friedenstrommler“ für eine Klangkulisse gesorgt, die zwei Straßen weit zwischen den Häusern hallte. Eine perkussive Begleitung des Marschs selbst hatte die Stadt allerdings nicht zugelassen. Auch die Parole „Frieden schaffen ohne Waffen“ wurde eher verhalten und erst beim Einlauf in die Zielgerade Juliuspromenade skandiert.

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