WÜRZBURG

„Panthers“-Spieler Madiama Diop muss gehen

„Panthers“-Spieler Madiama Diop muss gehen       -  Zwei, die sich sehr vermissen werden: Madiama Diop mit seinem Freund und Sportkameraden Johannes Brandt.
Zwei, die sich sehr vermissen werden: Madiama Diop mit seinem Freund und Sportkameraden Johannes Brandt. Foto: Pat Christ

In gut zwei Wochen wird Madiama Diop seine „Mum“ wieder in die Arme schließen können. Zehn Jahre hat er sie nun nicht mehr gesehen. „Sie zählt die Tage“, schmunzelt der 31-Jährige vom Football-Verein „Würzburg Panthers“, der voraussichtlich am 7. Februar zurück in seine senegalesische Heimat fliegen wird.

Viele Menschen hatten sich dafür eingesetzt, dass Diop in Deutschland bleiben darf. Doch alle Bemühungen waren vergeblich. Kurz vor Silvester entschied er sich, freiwillig auszureisen, kündigte seinen festen Job in einer Gärtnerei.

Natürlich freue er sich sehr darauf, seine Mutter, die Brüder und die anderen Verwandten wieder zu sehen, sagt der Sportler vom American Football Club „Würzburg Panthers“. Doch die Frage, wie er sich im Senegal über Wasser halten soll, bereitet ihm große Sorgen.

Belastender Schwebezustand

Die letzten Monate waren für den afrikanischen Flüchtling psychisch extrem belastend gewesen. Diop wollte unbedingt in Würzburg bleiben, blitzte aber mit seinem Begehren behördlicherseits überall ab. „Irgendwann hielt er den Schwebezustand nicht mehr aus und entschied sich, freiwillig zurückzukehren“, erzählt Johannes Brandt, Center bei den „Würzburg Panthers“ und Diops engster Freund. Auch die „Panthers“ hatten dafür gekämpft, dass Madiama Diop bleiben kann.

„Sein Engagement bei uns im Verein ist einfach großartig“, schwärmt Brandt. Diop habe sich für die Jugendspieler eingesetzt, sei mit auf Turniere gefahren und habe dort für die Verpflegung der Jungs gesorgt: „Das alles ist keineswegs selbstverständlich, wir erleben vielmehr, dass die Bereitschaft, sich zu engagieren, sinkt.“ Für die Footballmannschaft bedeutet Diops Rückkehr in jeder Hinsicht einen herben Verlust. Brandt selbst verliert einen Freund, den er in den letzten Jahren jede Woche mindestens einmal gesehen hat – und der ihm ans Herz gewachsen ist.

„So einen Freund hatte auch ich noch nie gehabt“, sagt Madiama Diop. Er kenne überhaupt kein Wort für das, was Joannes Brandt ihm bedeute. Brandt, der dank eines Kubaaufenthalts Spanisch spricht, brachte Diop, der Spanisch ebenfalls sehr gut beherrscht, in der Anfangszeit in Würzburg die deutsche Sprache bei. Brandt fuhr im September 2014 mit ihm nach München zur Anhörung. Und er stand ihm vor einem Jahr zur Seite, als Madiama Diop in eine tiefe Krise geriet: Seine Frau und seine beiden Töchter starben bei einem Unfall.

Diop ist gelernter Fischer. Vielleicht kann er im Senegal wieder versuchen, vom Fischfang zu leben. Das ist nicht leicht, denn wie in vielen anderen afrikanischen Ländern sind auch westafrikanische Gewässer überfischt: „Vor allem weiß ich nicht, wie ich ein Boot und die Ausrüstung finanzieren soll.“

Die „Panthers“ wollen Madiama Diop weiter unterstützen. Im Moment sind sie dabei, eine Benefizparty für ihn zu organisieren. Am 10. März soll sie in der Würzburger Szenekneipe „Zauberberg“ stattfinden. Die Eintrittsgelder und Spenden werden an Diop überwiesen, damit er sich im Senegal eine neue Existenz aufbauen kann. „Noch in diesem Jahr will unsere Mannschaft in den Senegal fliegen, um Madiama zu besuchen“, sagt Brandt.

Auch Flüchtlingshelferin Lindi Weinberger, die Madiama Diop seit drei Jahren unterstützt, plant einen Senegal-Aufenthalt, um ihren Schützling wiederzusehen. Außerdem will auch sie Spenden sammeln, damit es Diop gelingt, in seiner neuen alten Heimat Fuß zu fassen. Der Start, befürchtet auch Weinberger, wird nicht leicht werden. Überhaupt bleibt es für sie sehr schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch, der in Würzburg ganz und gar integriert war, der Arbeit hatte, einer Sportmannschaft angehörte und sich sozial engagierte, gezwungen wird, das Land zu verlassen.

„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte Ende März vergangenen Jahres den Antrag auf Asylanerkennung als offensichtlich unbegründet ab“, erinnert Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken. Die Zentrale Ausländerbehörde in Schweinfurt sei an die Entscheidung des Bundesamts gebunden. Ein Anspruch auf ein Bleiberecht unabhängig vom Asyl liege nicht vor. Auch aus den vorgebrachten sozialen Aspekten, zum Beispiel Diops Integrationsbemühungen durch sein sportliches Engagement in der Footballmannschaft, ergibt sich laut Hardenacke kein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis.

Abschied mit Rückkehroption

Madiama Diop entschloss sich zu einer freiwilligen Rückkehr, um nicht abgeschoben zu werden. Eine Rückkehrberaterin der Caritas organisierte für ihn die Reise in den Senegal. Wenn nichts dazwischen kommt, wird der Afrikaner am Abend des 7. Februar vom Frankfurter Flughafen abfliegen. „Der Flug dauert 16 Stunden, denn es geht über Äthiopien“, sagt er. Am 8. Februar wird er in Saint-Louis bei seiner Mutter eintreffen.

Seine Freunde rieten ihm zur freiwilligen Rückkehr, weil dadurch nicht alle Türen nach Deutschland zugeschlagen werden. „Kann Madiama gar nicht Fuß fassen, ist es ihm vielleicht möglich, in einigen Jahren mit einem Arbeitsvisum zurück nach Deutschland zu kommen“, sagt Lindi Weinberger. Mit dieser Hoffnung im Gepäck ist es für den afrikanischen Sportler zumindest ein bisschen leichter, sich von all den Menschen, die ihm, wie Lindi Weinberger, „Mutter“ oder, wie Johannes Brandt, „Bruder“ geworden sind, zu verabschieden.

Spenden sammeln ab sofort die „Würzburg Panthers“, um Madiama Diop einen Neustart im Senegal zu ermöglichen. Wer helfen will, kann sich unter info@wuerzburg-panthers.com an die Footballer wenden.

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