ROM/WÜRZBURG

Papst ehrt den „Engel von Dachau“

Seligsprechung Pater Engelmar Unzeitig starb im KZ Dachau für seinen Glauben. Nun wurde er mit einer feierlichen Zeremonie im Würzburger Dom für seine Haltung gewürdigt.
Papst ehrt den „Engel von Dachau“       -  Papst Franziskus.
Papst Franziskus. Foto: dpa

Am Sonntag lenkte Papst Franziskus in Rom die Blicke der Katholiken in Richtung Würzburg. Dort war am Samstag Pater Engelmar Unzeitig selig gesprochen worden. Der im KZ Dachau gestorbene Mariannhiller Pater sei „Vorbild“ für Nächstenliebe und Hoffnung, sagte der Papst den Gläubigen auf dem Petersplatz vor dem Angelus-Gebet.

„Ermordet im Hass auf den Glauben im Konzentrationslager Dachau, hat er dem Hass die Liebe entgegengesetzt, hat mit Milde auf Grausamkeit geantwortet“, teilte das katholische Kirchenoberhaupt mit. „Sein Vorbild hilft uns, auch inmitten von Leid Zeugen der Nächstenliebe und der Hoffnung zu sein.“

Tags zuvor hatte in seinem Auftrag Angelo Kardinal Amato bei einer Feier im Würzburger Dom die Seligsprechung bestätigt. Der Kardinal ist päpstlicher Präfekt der Selig- und Heiligsprechungs-Kongregation. Amato verlas das Schreiben des Papstes zur Seligsprechung in lateinischer Sprache: „Wir gewähren aufgrund unserer Apostolischen Autorität, dass Engelmar Unzeitig künftig als Seliger bezeichnet wird“, heißt es darin. Pater Damian Weber, Generalsuperior der Mariannhiller Missionare trug das Schreiben in Deutsch vor.

Nach der Verlesung wurde ein Bild des Paters von der Nördlinger Künstlerin Gertraud Christ enthüllt. Die Gemeinde sang ein von Domvikar Paul Weismantel getextetes Lied „Sel?ger Engelmar“. Bei der Gabenbereitung wurden Gegenstände und Symbole mitgetragen, die an den selig gesprochenen erinnern.

Sein russisches Wörterbuch steht für sein Engagement für die russischen Gefangenen in Dachau, seine Bibel für seine Überzeugung im Glauben. Taschenuhr und Professmedaille stehen für den Menschen und seine Zugehörigkeit zur Ordensgemeinschaft der Mariannhiller Missionare. Der Primizkelch ist Zeichen seines priesterlichen Dienstes.

Der Provinzial der Mariannhiller in Würzburg, Pater Michael Maß, betonte: In der Hölle des Konzentrationslagers Dachau sei Unzeitig zu einem „begnadeten Seelsorger“ gereift. In seinen Briefen spüre man sein tiefes Gottvertrauen und seine schlichte Frömmigkeit. „Seine Liebe zu Gott und zum Nächsten war der tragende Grund seines unermüdlichen seelsorglichen Einsatzes auch im Konzentrationslager“, sagte Maß.

Gäste aus Tschechien

Neben einheimischen Gläubigen waren der tschechische Kulturminister Daniel Herman und Dr. Milan Èoupek, Generalkonsul der Tschechischen Republik in München mit einer 200-köpfigen Delegation gekommen. Aus Österreich kam Bischof Dr. Manfred Scheuer (Linz), in dessen Bistum Unzeitig als Priester tätig gewesen war. Aus allen Teilen der Welt kamen Mariannhiller Missionare, um die erste Seligsprechung eines Mitbruders zu erleben. Viele Gläubige verfolgten die Feier als Übertragung im Neumünster. „Bibel TV“ und Radio Horeb übertrugen die Seligsprechung live, auch als Internet-Stream konnte sie mitverfolgt werden.

Engelmar Unzeitig sei auch heute ein Vorbild für eine christliche Grundhaltung gegenüber Menschen, die Hilfe nötig hätten, sagte Bischof Friedhelm Hofmann beim Festgottesdienst. „Da, wo Gottes Gegenwart am wenigsten vermutet wird, im Konzentrationslager Dachau, leuchtet sie auf einmal in einem Menschen auf, der in der größten Erniedrigung, in Hunger und Schmach Gottes Güte und wehrlose Hingabe lebt.

“ Der Bischof hob am Beispiel Pater Engelmars die hohe Motivation der Mariannhiller hervor: „Wenn keiner geht, dann gehe ich.“

Mit herzlichen Worten beschloss Pater Damian Weber den zweistündigen Gottesdienst: „Was die Diözese getan hat, ist nicht selbstverständlich“, sagte er. „Vergelt?s Gott euch allen!“ Vor allem dankte er Bischof Scheele dafür, dass er die Seligsprechung „ins Rollen“ gebracht habe: „Mit Vertrauen und Interesse hast Du mitgehofft, mitgebangt und mitgelitten.“ Da brandete Beifall auf.

Pater Unzeitig war vier Jahre lang im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Freiwillig meldete er sich zur Pflege von Flecktyphus-Kranken – obwohl er sich des Risikos bewusst war, infiziert zu werden. Er rettete Mitgefangene vor dem Hungertod, indem er ihnen von seinem Essen abgab. Todkranken spendete er die Sakramente. Der Missionar (eingekerkert, weil er sich gegen die Judenverfolgung ausgesprochen hatte) starb am 2. März 1945 an Typhus. Seine Asche wurde aus dem KZ geschmuggelt. Die Urne ist heute in der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche in Würzburg.

Begleitend zur Seligsprechung ist im Würzburger Rathaus die Ausstellung „Zeugen für die Menschlichkeit – christlicher sudetendeutscher Widerstand 1938 - 1945“ der Ackermann-Gemeinde zu sehen. Unzeitig ist einer von zehn Männern und Frauen, deren Widerstand gegen die NS-Diktatur in der Ausstellung gewürdigt wird. Die Ausstellung ist bis 29. September im Foyer vor dem Ratssaal des Würzburger Rathauses zu sehen.

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