Würzburg

Patrick Friedl: Vom Privileg, Abgeordneter sein zu dürfen

Patrick Friedl war der grüne Sensationssieger bei der Landtagswahl. Seit hundert Tagen ist der Würzburger im Parlament. Zu seiner ersten Rede kam der Ministerpräsident.
Patrick Friedl ist der erste und bislang einzige direkt gewählte Grünen-Abgeordnete in Unterfranken.
Patrick Friedl ist der erste und bislang einzige direkt gewählte Grünen-Abgeordnete in Unterfranken. Foto: Patty Varasano

Seine erste Rede im Bayerischen Landtag hat Patrick Friedl in der vergangenen Woche gehalten. Das Thema? Welche Frage. Artenschutz und Klimawandel natürlich. Selbst Markus Söder war kurz zuvor ins Plenum gekommen. Um dem Neuling aus Würzburg zuzuhören? Eher nicht. Gleichwohl verstand  es der Grüne, Söder spontan anzusprechen – und erntete prompt einen Zwischenruf des Ministerpräsidenten. Mutig, so ein Einstieg ins Abgeordneten-Dasein.

Wahl sorgte bundesweit für Schlagzeilen

Hundert Tage sitzt Patrick Friedl jetzt im Landtag. Die Wahl des 48-jährigen Juristen und Familienberaters hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt, war es ihm doch gelungen, bei der Landtagswahl das einzige Direktmandat der Grünen außerhalb von München zu gewinnen. Vom "Spiegel" bis zur "FAZ", viele Medien hatten Reporter nach Würzburg geschickt, um den Mann vorzustellen, der ausgerechnet im tiefschwarzen Unterfranken der CSU eine schmerzliche Niederlage bescherte.

Friedl hat all diese Interviews souverän bestritten. Ohne Triumphgeheul. Sachlich. Fast emotionslos. Er hat erklärt, wie die Zivilgesellschaft in Würzburg tickt, wie die Grünen weit ins bürgerliche Lager hinein Vertrauen gewonnen haben - mit einer menschlichen Flüchtlingspolitik zum Beispiel, mit klarem Profil in Verkehrs- und Umweltfragen. Der 48-Jährige ist seit vielen Jahren das Gesicht dieser Politik. Seit 1996 ist er Mitglied bei den Grünen, sieben Mal ist er seitdem als Direktkandidat in Würzburg für Bundestag und Landtag angetreten. Seit 2008 sitzt er im Stadtrat. Eine Erfahrung, so sagt er, die ihm jetzt im Landtag zugute komme.  

Ergriffen von einer der "heiligen Hallen der Demokratie"

Der Einzug ins Parlament kam für Friedl nicht überraschend. "Nach der Nominierung auf Platz zwei der Unterfranken-Liste konnte ich mich vorbereiten." Gleichwohl sei er die ersten Tage "sehr ergriffen" gewesen. Zum einen vom Maximilianeum selbst, eine der "heiligen Hallen der Demokratie", wie er betont. Zum zweiten von der "hohen Verantwortung", die er gespürt habe und spüre. Er, so sagt er ganz demütig, empfinde es als Privileg, vom "normalen Arbeitsleben" befreit zu sein, um als Abgeordneter Politik zu machen. Der Gewinn des Direktmandats, mit dem er nicht rechnen konnte, erhöhe dieses Verantwortungsgefühl nur noch.

Bei aller Getragenheit, die Atmosphäre der ersten Tage habe es den neuen Abgeordneten leicht gemacht, in München anzukommen, erzählt Friedl. Gut die Hälfte der Parlamentarier ist neu, bei den Grünen sind es sogar zwei Drittel. "Toll, dass die ständigen Mitarbeiter des Landtags einen sofort mit Namen ansprechen." Staunen musste Friedl auch, als der Vertreter einer anderen Fraktion ein Selfie mit ihm, dem grünen Sensationssieger, aufnehmen wollte. "Für seine Tochter." Den Namen des Abgeordneten verrät er lieber nicht. Lustig auch die Begegnung gleich am ersten Tag mit einem anderen Kollegen im Fahrstuhl: "Grüß Dich, Friedl", habe der gesagt - und sich dann als Hans Friedl geoutet, Landtags-Neuling von den Freien Wählern in Oberbayern und ebenfalls Umweltpolitiker.

Der Würzburger Friedl hat derweil in München ein Appartement gemietet. "Komplett möbliert und funktional,  direkt gegenüber dem Landtag". Zwei-, dreimal die Woche übernachtet er dort, die anderen Tage pendelt er abends im Zug zurück nach Würzburg. Da bleibt keine Zeit, das kulturelle Angebot der Landeshauptstadt zu nutzen. Wichtiger ist dem 48-Jährigen die Familie daheim. Die sechsjährige Tochter soll den Vater nicht komplett aus den Augen verlieren. Freitagnachmittag und Sonntag wolle er sich deshalb frei von Terminen halten, sagt Friedl, gesteht aber ein, dass das "leider" schon in den ersten Wochen nicht immer klappte. Unterstützung bei der politischen Arbeit erfährt er durch seine Mitarbeiter. Drei sind es in Würzburg, im Landtag ist Maria Kammüller aus dem Büro von Thomas Mütze  (Aschaffenburg) , der nicht mehr kandidiert hat, zu Friedl gewechselt. 

Klimaschutz ist Friedls Leib- und Magenthema

Inhaltlich ist der Würzburger dort angekommen, wo ihn alle erwartet haben: Im Umweltausschuss ist er Grünen-Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung. Dort will er weiter für den Klimaschutz, sein Leib- und Magenthema, streiten. Dass das Volksbegehren "Rettet die Bienen" so erfolgreich gelaufen ist, freut ihn. Ebenso, dass Markus Söder sich die Forderung eines anderen Begehrens, das Friedl mit eingeleitet hat, zu eigen gemacht hat: Klimaschutz soll als Staatsziel in die Bayerische Verfassung aufgenommen werden. Allerdings wollen die Grünen mehr als "nur Symbol-Politik". Dazu gehöre, neben dem Staatsziel die Umstellung der Energieversorgung auf hundert Prozent erneuerbare Ressourcen festzuschreiben. Hier vielleicht sogar gemeinsam mit der CSU etwas zu bewegen, das würde Friedl gefallen. Auch wenn er weiß, dass runde Tische und parteiübergreifende Arbeitskreise, wie er sie aus der Würzburger Stadtpolitik kennt, im Landtag (noch) Neuland sind. 

Weil er aktuell der einzige Abgeordnete aus Würzburg ist, ist Patrick Friedl weit über den Klimaschutz hinaus Ansprechpartner für Entscheidungsträger in den Kommunen, den Behörden, den Hochschulen und der Wirtschaft. Vorbehalte gegen ihn als Grünen spüre er nicht. "Man kennt sich aus der Stadtpolitik." Und auch in München begegne man ihm "sehr offen". Das gelte selbst für die Minister, so die Erfahrung der ersten 100 Tage. "Da verweigert keiner das Gespräch, nur weil ich das Direktmandat gegen die CSU gewonnen habe."

Kandidat für den OB-Sessel in Würzburg?

In Würzburg stellt sich nach dem Erfolg bei der Landtagswahl derweil die Frage, ob Friedl nicht auch ein Grünen-Kandidat für den Oberbürgermeister-Sessel wäre. Das Thema ist ihm unangenehm, noch gebe es keine Entscheidung über Bewerber in den lokalen Parteigremien, versichert der 48-Jährige. Grüne, die ihn gut kennen, sagen: "Der Patrick ist keiner, der sich in den Landtag wählen lässt und dann kurz darauf von der Fahne geht. Dass passt nicht zu ihm." Eine Einschätzung, der der Sensationssieger vom 14. Oktober nicht widerspricht. 

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