Würzburg/München

Personalnot: Lehrer sollen in Gesundheitsämtern aushelfen

Mit jedem Corona-Infizierten wächst der Druck auf die Gesundheitsbehörden. Weil dort das Personal fehlt, kratzt die Staatsregierung jetzt Ressourcen zusammen.
Bayerns Schulen sind geschlossen und viele Klassen werden digital unterrichtet. Jetzt sollen einige Lehrer in den Gesundheitsbehörden aushelfen, wo gerade dringend Personal gebraucht wird.
Bayerns Schulen sind geschlossen und viele Klassen werden digital unterrichtet. Jetzt sollen einige Lehrer in den Gesundheitsbehörden aushelfen, wo gerade dringend Personal gebraucht wird. Foto: Sven Hoppe, dpa

Weil sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren, wird die Arbeit in den Gesundheitsämtern von Tag zu Tag mehr. Jetzt sollen unter anderem Lehrer aushelfen. "Die öffentliche Gesundheitsversorgung zu unterstützen, hat derzeit höchste Priorität", sagt der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gegenüber dieser Redaktion. "Ab sofort suchen wir auch unter den Lehrkräften Freiwillige, um an den Gesundheitsämtern die dort dringend benötigte Unterstützung zu leisten."

Große Hilfsbereitschaft

Insgesamt sollen bayernweit rund 200 Lehrkräfte abgeordnet werden – ersatzweise auch Personal aus den Schulämtern. Das geht aus einem Schreiben des Ministeriums hervor, das dieser Redaktion vorliegt. Wegen des Klassenlehrer-Prinzips in Grund-, Mittel- und Förderschulen richtet sich der Aufruf vor allem an Gymnasien, Realschulen und die beruflichen Schulen. Piazolo setzt dabei zunächst auf freiwilliges Engagement. Das heißt, jeder Lehrer kann selbst entscheiden, ob er im öffentlichen Gesundheitsdienst aushelfen will.

In der Region ist die Bereitschaft dazu groß. Das ergab eine Abfrage bei den Dienststellen der Ministerialbeauftragten. In Unterfranken werden aktuell 20 Lehrer gesucht. Doch schon jetzt haben sich über 70 Freiwillige gemeldet.

Neuigkeiten zum Coronavirus

Aus der Staatsregierung ist zu hören, dass die Lehrer zunächst vor allem für Verwaltungsaufgaben eingesetzt werden sollen. Da gehe es vor allem um die digitale Erfassung von Meldedaten und Labor-Ergebnissen. Im Schreiben des Kultusministeriums werden derweil noch weitere Aufgaben genannt, darunter die Ermittlung von Kontaktpersonen, die telefonische Quarantäne-Überwachung und die Entnahme von Test-Abstrichen. Medizinische Vorkenntnisse seien nicht erforderlich.

Lehrerwechsel und Stundenverschiebungen

Der digitale Unterricht soll unter der Notmaßnahme nicht leiden. Da könnten Eltern und Schüler beruhigt sein, betont Karlheinz Lamprecht, Ministerialbeauftragter der Realschulen in Unterfranken. "Wir nehmen niemanden, der in einer Abschlussklasse unterrichtet, und natürlich auch keine Schulleiter oder Systembetreuer." Wer im Einzelfall abkömmlich ist, müssten in erster Linie die Schulleiter vor Ort entscheiden.

Wer als Lehrer in den kommenden Wochen in den Gesundheitsbehörden eingesetzt wird, muss in dieser Zeit keinen Unterricht halten. Den Ausfall haben die Schulen mit eigenen Ressourcen aufzufangen. Bislang wurde seitens des Ministeriums kein zusätzliches Personal in Aussicht gestellt, weshalb es gut möglich ist, dass es in einigen Klassen zu Lehrerwechseln und Stundenverschiebungen kommt. Gleichzeitig wird laut Lamprecht derzeit nach Aushilfen und Lehrkräften in Teilzeit, die ihre Stunden aufstocken wollen, gesucht.

Keine zusätzliche Belastung

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stehen hinter der Notmaßnahme. Obwohl eine Verpflichtung der Lehrer beamtenrechtlich möglich wäre, sei Freiwilligkeit der richtige Weg. 

Jörg Nellen, stellvertretende GEW-Vorsitzender, betont jedoch: "Der Dienst in den Gesundheitsämtern darf nicht zu einer Doppelbelastung führen." Schließlich würden viele Lehrer neben dem digitalen Unterricht auch noch ihre eigenen Kinder betreuen. Hier beruhigt Lamprecht: "Wir werden niemanden zwangsweise abordnen, der in Nöten steht."

Mitarbeit: Andreas Jungbauer

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