Glosse

Pilzzeit: Warum Unkundige nur im Supermarkt sammeln sollten

Schön, aber giftig: der Fliegenpilz. Foto: Oliver Berg, DPA

Da habe ich mich im Verlauf der Sonntagswanderung kurz mal in die Büsche geschlagen, um einem dringenden Bedürfnis nachzugehen, und als ich den Wanderweg wieder erreiche, steht da ein erwartungsvoll lächelndes Paar vor mir. "Und?" fragt die Frau freundlich. "Haben Sie welche gefunden?" Gefunden? Was? Wer? Ich?

Mein Blick fällt auf die großen Körbe, die die beiden dabei haben. Aha. Natürlich. Es geht um Pilze. "Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich gar keine gesucht." sage ich. "Wir haben letzte Woche an einem Tag drei Kilo gefunden", sagt die Frau stolz. "Alles Steinpilze." Der Mann nickt eifrig. Die Körbe der beiden sind auch diesmal schon wieder halb voll.

Die Verwechslungsgefahr wirkt abschreckend

"Ein fantastisches Jahr für Pilze", schwärmt die Frau weiter. "Wir sammeln derzeit alle paar Tage welche." In der Tat: Pilze, wohin man blickt. Im Laub, im Gras, am Waldrand. Nur in meinem Kochtopf nicht. "Ich kenne mich leider nicht gut genug aus mit Pilzen", rechtfertige ich meinen mangelnden Enthusiasmus. "Aber Steinpilze", erwidert die Frau fassungslos, "Steinpilze erkennt man doch!" Ich nicht. Ich glaube eisern an den Merksatz, dass so ziemlich jeder genießbare Pilz einen giftigen Doppelgänger hat. Das erkläre ich auch dem freundlichen Pilzsammler-Paar.

Bei vielen Waldpilzen, die auf den ersten Blick recht lecker aussehen, ist es letztendlich die Verwechslungsgefahr, die dann doch, und vernünftigerweise, abschreckend wirkt. Denn irgendwie haben sie alle einen mehr oder weniger braunen Hut und einen mehr oder weniger hellen Stiel. Immerhin sind zumindest einige der Doppelgänger, von denen man tunlichst die Finger lassen sollte, angeblich "nur" giftig und nicht zwingend auch tödlich. Na, so richtig Mut macht das aber auch nicht.

Richtig ernst wird es dann beim vermutlich bekanntesten essbar/giftig-Duo: Champignon und Knollenblätterpilz - letzterer unbestreitbar mega-giftig. So interessant die Pilzkunde als Wissenschaft auch sein mag, die Vokabel "giftig" kommt hier entschieden zu häufig vor. Als Speisepilz ist daher für den Unkundigen nur der gemeine Supermarkt-Champignon akzeptabel, auch als Gemüsetheken-Röhrling bekannt. Und wer unbedingt in der Natur was pflücken will, der sollte sich vielleicht auf Gänseblümchen spezialisieren.

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