Würzburg

Plakate, Podcast, Post: Wie die Parteien Wahlkampf machen

Zum Ende des Würzburger Wahlkampfs eine Analyse: Wer besuchte Wähler im Wohnzimmer und wer war auf Facebook präsent? Und warum hängen so viele Plakate in der Stadt?       
Sebastian Roth, OB-Kandidat der Linken, konnte man für einen Besuch in seinem Wohnzimmer buchen.
Sebastian Roth, OB-Kandidat der Linken, konnte man für einen Besuch in seinem Wohnzimmer buchen. Foto: Facebook/Screenshot MP

Wie hart es im Wahlkampf zugehen kann, zeigt eine Aktion von Raimund Binder. Der ÖDP-Fraktionsvorsitzende hängte eigene Plakate über die der SPD, hinter denen er seinen Infostand aufgebaut hatte . "Ich habe sie aber nach drei Stunden wieder abgenommen", entschuldigt sich Binder, der bei dieser Aktion auf frischer Tat ertappt wurde. Welche Mittel setzten die Wahlkämpfer 2020 ein?

Plakate sind immer noch ein beliebtes Wahlkampf-Instrument. In den zwei Sekunden, die sie jeder Passant im Schnitt betrachtet, sollen sie diesem ein positives Grundgefühl über die beworbene Partei vermitteln. In der Realität klappt das nicht immer: In einer Umfrage dieser Redaktion ärgern sich von 600 Teilnehmern über 400 über die vielen Wahlplakate.

"Es ist einer Art Wettrüsten geworden"
SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Kolbow 

Die Parteien selbst ärgern sich aber auch: Über die Grünen, die besonders früh plakatierten. Über die CSU, die einige Großplakate ohne Genehmigung aufstellte. Über Würzburger Liste und Bürgerforum, deren Werbung gefühlt an jedem Mast der Innenstadt hing. "Es ist eine Art Wettrüsten geworden", erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Kolbow die Entstehung der Plakatflut in der Stadt.     

Oberbürgermeister Christian Schuchardt zeigte sich im Wahlkampf gerne bei Spatenstichen.
Oberbürgermeister Christian Schuchardt zeigte sich im Wahlkampf gerne bei Spatenstichen. Foto: Patty Varasano

In den klassischen Medien nutzen Wahlkämpfer sowohl die Reichweite von Tageszeitungen und Wochenblättern als auch die der digitalen Angebote für ihre Werbung. So werden zum Beispiel bei der Mediengruppe Main-Post laut Matthias Faller, Mitglied der Geschäftsleitung, alle angebotenen Produkte und Dienstleistungen nachgefragt. Im Vergleich zu 2014 seien digitale Kampagnen 2020 deutlich gestiegen.

Ausführliche Inhalte versuchten Parteien über soziale Medien zu verbreiten. So stellten sich fast alle Stadtratskandidaten der CSU in kurzen Videos auf Facebook vor. Zum Ende des Wahlkampfs sendete Ministerpräsident Markus Söder noch eine Botschaft. Die Freien Wähler erstellten mehrere Videos, die ihre Bewerber und OB-Kandidaten Volker Omert präsentierten. Die SPD ließ ein professionelles Video produzieren, in dem OB-Kandidatin Kerstin Westphal und Genossen in roter Farbe ihre Vorstellungen und Ziele auf Leinwände zeigten.

OB-Kandidat macht Podcast

Martin Heilig erklärt seine Ziele in sechs Podcast-Folgen.
Martin Heilig erklärt seine Ziele in sechs Podcast-Folgen. Foto: Spotify/Screenshot MP

Mit Grünen OB-Kandidat Martin Heilig nutzte zum ersten Mal ein Würzburger OB-Kandidat das Medium Podcast. Heilig spricht in sechs Folgen mit einer Interviewerin über seine Politik. Thematisch sind die im Internet abrufbaren Hörbeiträge an eine Veranstaltungsreihe angelehnt, die bereits im Dezember begonnen hat. Mehrere Infos-Veranstaltungen haben beispielsweise auch CSU, FWG und SPD organisiert. Die FPD organisierte eine Party für junge Wähler.

Zurück gegangen ist 2020 die Anzahl an Pressemitteilungen. Lediglich die ÖPD verschickte diese fleißig. Der Vorteil von modernen, direkten Kommunikationswegen wie Facebook oder Podcasts für die Politiker: Hier können sie ihre Botschaften ungestört verbreiten. Beim Umweg über die Medien werden diese dagegen gekürzt oder durch Nachfragen beziehungsweise Recherche inhaltlich eingeordnet.

Haustür-Wahlkampf weiterhin wichtig

Trotz aller digitalen Möglichkeiten: Auch der direkte Kontakt auf der Straße oder an der Haustür blieb wichtig. Das sah man an den vielen Wahlständen in der Fußgängerzone, dort war zum Beispiel das Bürgerforum stets präsent. Linken-Kandidat Sebastian Roth hat hier ein neues Format ausprobiert: Auf Einladung von mehr als fünf Würzburgern, ist er zu diesen ins Wohnzimmer gekommen, um seine Ziele vorzustellen. "Das hat viel Spaß gemacht, aber nach drei Besuchen habe ich wegen Corona die Aktion abgebrochen", berichtet Roth.

Ein altbekanntes Wahlkampfmittel ist auch die Einladung von Promis. Besonders viele kamen dieses Mal zu den Grünen. Martin Heilig sammelte Fotos mit Robert Habeck, Toni Hofreiter und Katharina Schulze. Zur CSU kam nur Markus Söder. Stattdessen nutzte OB Schuchardt die letzten Tage, um noch bei einigen Spatenstichen fotografiert zu werden.  

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