Würzburg

Platz eins: Grüne fahren in Würzburg den nächsten Erfolg ein

Die Europawahl bestätigt den Trend der Landtagswahl, nur dass CSU und Grüne bei den Listenstimmen die Plätze tauschen. Was lokale Parteichefs zum Wahlausgang sagen.
Gut sieben Monate nach der Landtagswahl freuen sich die Würzburger Grünen über ihren erneuten Erfolg, darunter die Kreisvorsitzenden Martin Heilig (links) und Christa Grötsch (3. v. r.), die Landtagsabgeordneten Patrick Friedl (rechts) und Kerstin Celina (4. v. r.) sowie Stadtrats-Fraktionschef Matthias Pilz (Mitte).
Gut sieben Monate nach der Landtagswahl freuen sich die Würzburger Grünen über ihren erneuten Erfolg, darunter die Kreisvorsitzenden Martin Heilig (links) und Christa Grötsch (3. v. r.), die Landtagsabgeordneten Patrick Friedl (rechts) und Kerstin Celina (4. v. r.) sowie Stadtrats-Fraktionschef Matthias Pilz (Mitte). Foto: Kerstin Celina

Als am Sonntagabend die ersten Schnellmeldungen aus den Würzburger Wahllokalen im Rathaus eintrafen, dürfte es für viele Beobachter ein Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein: In praktisch allen Stimmbezirken konkurrierten CSU und Grüne um den ersten Platz. Nur das Ergebnis war dann umgekehrt: Fuhr die CSU bei der Landtagswahl noch die meisten Zweitstimmen ein, muss sie sich bei der Europawahl mit Platz zwei begnügen. Die Grünen liegen mit mehr als zwei Prozent vorn.

Grünen-Kreisvorsitzender Martin Heilig führt den Wahlsieg auf die „jahrelange gute Arbeit in der Stadt“ und auf eine engagierte und zahlenmäßig gewachsene Basis zurück. Außerdem hätten die Grünen starke Themen: „Der Klimaschutz war für viele Wähler wahlentscheidend.“ Ob sich der Trend bis zur Kommunalwahl 2020 fortsetzt? „Ich bin da vorsichtig optimistisch, aber wir dürfen jetzt nicht abheben“, so Heilig, der fürs Amt des Würzburger Oberbürgermeisters kandidiert.

Freude auf der grünen Wahlparty am Talaveraschlösschen.
Freude auf der grünen Wahlparty am Talaveraschlösschen. Foto: Kerstin Celina

CSU will als Volkspartei alle Themen besetzen

Für die neu gewählte CSU-Kreisvorsitzende Christine Bötsch gab es am Sonntag indes wenig zu feiern. Seit der Landtagswahl habe die Zeit gefehlt, den Trend in der Stadt zu drehen, sagt sie. „Aber als Volkspartei haben wir nach wie vor den Auftrag, alle Themen zu besetzen“, so Bötsch. Dazu gehörten auch ökologische Themen. „Jetzt müssen wir ganz solide Arbeit machen und mit den Menschen sprechen.“

Ein Problem sei, dass die CSU auch bei den Erstwählern verloren habe, wo sie bisher traditionell stärkste Kraft gewesen sei. „Mit Blick auf nächstes Jahr bin ich aber zuversichtlich, denn Kommunalwahlen sind etwas anderes als eine Europawahl.“

Kurz nach 18 Uhr sind im Ratskeller die Mienen noch fröhlich bei der CSU (von links): Listenkandidatin Ulrike Langhans, OB Christian Schuchardt, Kreisvorsitzende Christine Bötsch und MdB Paul Lehrieder.
Kurz nach 18 Uhr sind im Ratskeller die Mienen noch fröhlich bei der CSU (von links): Listenkandidatin Ulrike Langhans, OB Christian Schuchardt, Kreisvorsitzende Christine Bötsch und MdB Paul Lehrieder. Foto: Fabian Gebert

SPD hat von Großer Koalition nicht profitieren können

Eher zu den kleineren Parteien muss man mit knapp über zehn Prozent derzeit die Würzburger SPD zählen. Vorsitzende Freya Altenhöner sprach von einem „insgesamt herben Schlag“. Die SPD habe von der Großen Koalition nicht profitieren können. Dennoch verliere man nicht den Anspruch, in Wahlen stärkste Kraft zu werden. Warum man in Würzburg so schwach abgeschnitten hat? „Die Grünen sind in der Stadt sehr stark“, so Altenhöner, dagegen sei man nicht angekommen.

Die Stärke der Grünen und ihrer Themen führt auch Würzburgs Linken-Vorsitzender Viktor Grauberger als einen Grund fürs magere Abschneiden seiner Partei ins Feld: „Es war schwer, gegen den grünen Trend anzukommen.“

Wenngleich sich die FDP marginal verbessert hat, ist Kreisvorsitzender Andrew Ullmann nicht zufrieden: „Wir müssen jetzt selbstkritisch an unserem Profil feilen.“ Auch für Würzburgs Freie Wähler gab es diesmal nicht wirklich viel zu gewinnen, was FWG-Vorsitzender Josef Hofmann auch auf den verhaltenen Wahlkampf zurückführt, der nur eine „Light-Version“ gewesen sei. Das Ergebnis sei für Würzburg „kein Maßstab“.

Von der AfD gab es auf eine Anfrage dieser Redaktion für ein Nachwahl-Interview keine Antwort.

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