EIBELSTADT

Polizei hebt Wanderlager aus

Kaffeefahrt statt Gewinn: Oft werden die Teilnehmer mit dubiosen Gewinnversprechen angelockt. Foto: Benjamin Stahl

Mit unterschiedlichen Tarnungen, aber immer gleicher Masche lockte ein Veranstalter von Kaffeefahrten in Unterfranken: Man versprach 5000 Euro Gewinn aus einem Kreuzworträtsel. Merkwürdig war, dass sich kaum ein „Gewinner“ an seine Teilnahme daran erinnern konnte. In einem Fall war eine angeschriebene Person schon seit mehreren Jahren tot. Und wenn es am Treffpunkt (diesmal in Eibelstadt) ums Auszahlen dieses Gewinns ging, wurden stattdessen die „Gewinner“ zur Kasse gebeten.

Seit Jahren sind die Veranstalter zwischen Bodensee und Oldenburg unterwegs, in Verbraucherschutz-Foren im Internet wird haufenweise gewarnt: Mal tarnten sie sich als angeblicher „Förderverein Historisches Würzburg“, vor dem die Stadt aber warnte: Völlig unbekannt, Vorsicht: Kaffeefahrt!

Mal trat man als „Förderverein Elsaß“ auf, ein anderes mal als „1a-strom“ oder „Kaiserplus Reisen“ – mit der immer gleichen Masche: Vor allem ältere und arglose Menschen zu Verkaufsveranstaltungen zu locken. Um ihnen überteuerte Pfannen oder Reisen anzudrehen. Oder, um ihnen Magnetfeldtherapie-Decken für fast tausend Euro zu verkaufen.

Zuletzt karrten sie ihre Kunden (diesmal vorwiegend aus dem Raum Aschaffenburg und Südhessen) ins schöne Eibelstadt, wie Hauptkommissar Fuchs von der Polizeiinspektion Ochsenfurt weiß. Drei Tage schaute sich die Polizei das Treiben in einer Gaststätte an, das sich häufig in einem rechtlichen Graubereich bewegt. Dann griff sie ein.

Bei der Überprüfung stellte die Polizei laut Fuchs Verstöße gegen die Gewerbeordnung fest. Die angeblichen Gewinner reagierten richtig: „Mehrere Reiseteilnehmer erstatteten zwischenzeitlich Strafanzeige wegen Betrug und Verstoß gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb.“

Der Hauptkommissar aus Ochsenfurt weiß: „Die Masche ist uralt und findet doch immer wieder ihre Opfer.“ Bei den Briefen handelt es sich letztendlich meist nur um Lockmittel für Verkaufsveranstaltungen. Ein tatsächlicher Gewinnanspruch besteht in den meisten Fällen überhaupt nicht.

Oft geben die Veranstalter als Adresse nur Postfächer an, über die sie nicht zurückzuverfolgen sind. Mieter dieser Postfächer sind private Dienstleistungs-Firmen, die Postfächer wieder weitervermieten – und die Adressen ihrer Kunden nicht weitergeben, wissen Rechtsanwälte, die für ihre Mandanten solche Fälle schon verfolgt haben.

Meist stehen Ermittler einer Gemengelage aus Firmen gegenüber: In dem Fall mit einer Firma, die Magnetmatten verkauft (Delta Vital AG), einer Firma, die Reisen verkauft (Arriva Reisen AG), beide mit Sitz im schweizerischen Oetwil. Und schließlich der deutschen Firma, die eingeladen und die Gewinnbenachrichtigungen verschickt hat (Kaiserplus Reisen UG oder Superplus Reisen UG, in der Steinfeldstraße 3 in 39179 Barleben (Sachsen-Anhalt).

Rein rechtlich stellt eine solche Veranstaltung ein „Wanderlager“ dar, das dem zuständigen Gewerbeamt vorher angezeigt werden muss. Fuchs weiß: „In Eibelstadt unterblieb dies, so dass die Polizei erst durch die Mitteilung eines besorgten Bürgers auf die Veranstaltungen einer einschlägig bekannten Firma aus der Schweiz aufmerksam wurde.“

Bei der Überprüfung stellte sich schließlich auch heraus, dass eine Mitarbeiterin überhaupt nicht über die erforderliche Reisegewerbekarte zum Vertrieb von Urlaubsreisen verfügte. Ob durch den Verkauf von überteuerten Waren ein Betrugshandlung vorliegt und bei der verschleierten Verkaufsveranstaltung gegen das Gesetz über den Unlauteren Wettbewerb verstoßen wurde, muss jetzt die Staatsanwaltschaft entscheiden.

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