WÜRZBURG

Priester gesteht sexuelle Handlungen in Polen

Vier neue Vorwürfe sexuellen Missbrauchs hat der Ansprechpartner der Diözese Würzburg im vergangenen Jahr untersucht. Sie richten sich auch gegen weibliche Ordensangehörige.
Priester gesteht sexuelle Handlungen in Polen       -  Insgesamt untersuchte der Missbrauchsbeauftragte der Diözese Würzburg vier neue Fälle. (Symbolfoto)
Insgesamt untersuchte der Missbrauchsbeauftragte der Diözese Würzburg vier neue Fälle. (Symbolfoto) Foto: dpa

Auch in den vergangenen zwölf Monaten haben sich Menschen an den Ansprechpartner für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Diözese Würzburg gewandt. Klaus Laubenthal, Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Würzburg, hat vier neue Vorwürfe untersucht.

Auf Nachfrage bestätigt der Missbrauchsbeauftragte den Fall einer Frau, die einen Priester im Ruhestand im Raum Bad Kissingen beschuldigt. Im März 2015 habe sie Klaus Laubenthal einen Brief geschrieben. Das erste Treffen habe erst im September stattgefunden, so Laubenthal, da die Frau zwischenzeitlich krank geworden sei.

Sie schilderte Laubenthal, dass sie von Oktober 1968 bis Frühjahr 1973 von dem Priester sexuell missbraucht worden sei. Die Vorfälle hätten sich in einer polnischen Gemeinde im Kreis Oppeln ereignet, wo der Geistliche eine Pfarrstelle innehatte. Laut Klaus Laubenthal sei die Frau damals „zum Teil minderjährig“ gewesen. Kurz nach den Vorfällen wurde der Seelsorger in die Diözese Würzburg versetzt.

Klaus Laubenthal hat den Priester Ende September 2015 vernommen. „Er hat weitgehend alles eingeräumt.“ Die sexuellen Handlungen sollen seinen Angaben zufolge aber einvernehmlich gewesen sein. Der Pfarrer habe angegeben, dass es nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen sei.

Der Missbrauchbeauftragte hat der Bistumsleitung angeraten, eine kirchliche Voruntersuchung gemäß den kirchenrechtlichen Vorgaben, einzuleiten. Dies sei am 11. November geschehen, bestätigt Bistumssprecher Bernhard Schweßinger auf Nachfrage. Laut Pressemitteilung werde das Verfahren in Kürze abgeschlossen sein und das Ergebnis danach an die römische Glaubenskongregation weitergegeben. „Nach weltlichem Recht ist der Fall verjährt“, so Laubenthal, der seine Jahresbilanz 2015/16 kürzlich an Bischof Friedhelm Hoffmann und Generalvikar Thomas Keßler überreicht hat.

Nachdem die kirchliche Voruntersuchung eingeleitet war, nahm der Generalvikar gemeinsam mit dem Priester und anderen Personen an einer Ehrung teil und ließ sich mit ihm zusammen fotografieren. Dazu gibt das Bistum folgendes Statement ab: „Die Stadt (...) hat Generalvikar Thomas Keßler zu der Ehrung eingeladen. Welche weiteren Personen zusammen mit ihm geehrt werden sollten, war ihm vorab nicht bekannt.“

Ein weiterer Vorwurf sexuellen Missbrauchs richtet sich laut Laubenthal gegen einen männlichen, bereits gestorbenen Ordensangehörigen. „Auch dieser Fall liegt weit zurück.“ Es soll sich dabei um einen Pater handeln, der bei Anneliese Michel den großen Exorzismus vollzogen hätte. Der Fall sorgte Mitte der 1970er Jahre weltweit für Schlagzeilen.

Selten hat es Klaus Laubenthal mit Vorwürfen gegen weibliche Ordensangehörige zu tun. Im vergangenen Jahr wurde er jedoch damit konfrontiert, dass mehrere Frauen „sexualbezogene Missbrauchshandlungen“ in einem Heim vorgenommen hätten. Er prüfe noch, ob es sich um eine Ordensangelegenheit handelt. Die Fälle liegen den Angaben zufolge ebenfalls weit zurück.

Der vierte Vorwurf bezieht sich auf einen weiteren Pfarrer im Bistum Würzburg. Laut Professor Laubenthal müsse noch geklärt werden, ob es sich um einen sexuellen Übergriff oder einen sexuellen Missbrauch handelt.


Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs

Der Ansprechpartner für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Diözese Würzburg, Professor Klaus Laubenthal, ist erreichbar unter der Adresse: Domerschulstraße 16, 97070 Würzburg, sowie Tel. (09 31) 318-23 72 und per E-Mail: kls.lbnthl@googlemail.com.

Von 2010 bis März 2016 untersuchte der Missbrauchsbeauftragte 99 Vorwürfe. Zwölf Personen, die als Minderjährige durch Priester oder andere kirchliche Mitarbeiter sexuell missbraucht worden sind, haben eine finanzielle Leistung erhalten. Insgesamt zahlte die Diözese Würzburg bislang 55 000 Euro.

Antragsformulare können angefordert werden im Generalvikariat, Bischöfliches Ordinariat Würzburg, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg. Die ausgefüllten Formulare nimmt der Missbrauchsbeauftragte Klaus Laubenthal entgegen.

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