WÜRZBURG

Pro familia: Sexuelle Bildungsangebote für junge Flüchtlinge

Was bedeutet es, wenn Frauen einen kurzen Rock tragen? Was, wenn ihr T-Shirt weit ausgeschnitten ist? Über solche Fragen diskutiert Hans-Peter Breuner von Pro familia in Würzburg seit einem Jahr mit Flüchtlingen. Mit ihrem Bildungsangebot für junge Männer aus arabischen und afrikanischen Ländern betrat die für Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen zuständige Organisation 2015 Neuland. Wobei die Herausforderungen vor allem sprachlicher, nicht inhaltlicher Art waren.

Unbegleitete Flüchtlinge, die an Angeboten zur sexuellen Bildung teilnehmen, unterscheiden sich Breuner zufolge kaum von einheimischen Jugendlichen: „Ich sehe im Gegenteil große Gemeinsamkeiten.“ Damit widerlegt der Sexualpädagoge Klischees, denen zufolge Jugendliche aus Ländern des globalen Südens kaum sexuell gebildet oder stark von archaischen Rollenbildern geprägt wären.

Die Jugendlichen, die an der von ihm konzipierten Basisschulung teilnehmen, sind aufgeklärt, interessiert und offen für gleichberechtigte Partnerschaften: „Die Vorfälle in Köln an Sylvester werden von ihnen vehement abgelehnt.“

Rat für fast 600 junge Menschen

Insgesamt nahmen 2015 fast 2500 Menschen aus der Region an Angeboten der sexuellen Bildung von Pro familia teil. Darunter waren fast 600 Kinder und Jugendliche. In den Workshops lernten sie, wie ihr Körper funktioniert, was Sexualität ist, wie man richtig verhütet, auf welche Weise man sich vor sexuellen Übergriffen schützen kann und was man tut, wenn man über das Handy Nacktfotos erhält. Außerdem wird über das Sexualstrafrecht in Deutschland aufgeklärt.

Auch wenn sich die Angebote oft an Schulklassen richten, ist die Teilnahme stets freiwillig. So bitten gerade junge Flüchtlinge häufiger darum, dass sie sich ausklinken dürfen. Aufklärung, so Breuner, dürfe niemals erzwungen werden: „Bei den jungen Flüchtlingen, die nicht teilnehmen möchten, steht zu vermuten, dass sie in ihrem Herkunftsland oder auf der Flucht sexuell missbraucht wurden.“ Solange sie dieses Erlebnis nicht verarbeitet haben, tun sie auch gut daran, auf Distanz zu gehen.

Insgesamt hatte Pro familia 2015 Kontakt zu rund 3500 Menschen in der Region. Fast jede dritte Ratsuchende kam wegen Problemen in der Schwangerschaft oder wegen eines Schwangerschaftskonflikts in die Beratungsstelle. Schwangere, die über eine Abtreibung nachdenken, haben laut Pro-familia-Konfliktberaterin Ursula Schwesinger stets vielfältige Probleme: „Es handelt sich immer um ein Bündel von Gründen, weshalb sich Frauen gegen ein Kind entscheiden.“

Die meisten Frauen haben finanzielle Probleme. Teilweise sind die Eltern gegen den Partner und gegen das Kind. Viele Frauen leiden darunter, dass das Verhältnis zu ihrem Partner sehr instabil ist. Eine große Zahl der Ratsuchenden hat aber auch weder Partner noch sonst Menschen, von denen sie unterstützt würden.

Beratung für Paare

In der Beratung werden Wege aufgezeigt, die das Ja zum Kind erleichtern. Brechen immer wieder Streitigkeiten mit dem Partner aus, wäre beispielsweise eine Paartherapie eine gute Möglichkeit, die Lebenssituation zu verbessern. 28 Männer und Frauen ließen sich 2015 auf eine Paarberatung bei Pro familia ein. Finanzielle Hilfen gibt es von der „Landesstiftung für Mutter und Kind“ sowie von der Stiftung „Miteinander für das Leben“ der Diözese Würzburg.

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