WÜRZBURG

Prof. Hans Franke: Forscher der Hundertjährigen

Der demografische Wandel als Thema ist allgegenwärtig und beschäftigt lautstark die Politik. Weniger laut, gleichwohl intensiv, auch Wissenschaft und Forschung. Dass die Medizinische Universitätsklinik in Würzburg hier schon vor 60 Jahren eine besondere Rolle gespielt hat, wird dabei manchmal übersehen.
Vor 60 Jahren begann in Würzburg der Medizinprofessor Hans Franke mit seiner Forschung über die Lebensweise von Hundertjährigen. Foto: ARCHIVFOTO GEORG HEUSSNER

Es war mitten im Wirtschaftswunder des vorigen Jahrhunderts, als in Würzburg der junge Medizinprofessor Hans Franke mit seiner Forschung über die Lebensweise von Hundertjährigen begann.

1948 war er als Oberarzt und außerplanmäßiger Professor an die Medizinische Universität gekommen; 1954 wurde er zum Vorstand der Poliklinik ernannt, drei Jahre später zum Ordinarius für Innere Medizin.

Von Anfang an interessierte er sich für die gesundheitliche Situation hochbetagter Männer und Frauen. In langen Gesprächen erfragte er deren Lebensweise und betrachtete sie dabei mit den Augen eines Arztes, der Körper und Seele Ganzes sah.

Hohes Alter ist erblich


Eine erste Studie über Hundertjähriger, die er 1964 gemeinsam mit seinen Mitarbeitern startete, um Erkenntnisse über die maximale Lebensdauer zu sammeln, wurde 1970 veröffentlicht.

Wichtigstes Ergebnis: Hohes Alter ist erblich und eher weiblich.

Alle Betagten hatten Elternteile, die ebenfalls biblisches Alter erreicht hatten, und die Anzahl der Frauen im Kreis der Hochbetagten war größer als die der Männer.

Diese Veröffentlichungen sowie das viel beachtete Buch „Hundertjährige, Altwerden und Altsein“ mit Porträtzeichnungen von Ignatz Schmitt machten Franke zum Mitbegründer der sich damals etablierenden Forschung über das Altwerden (Geriatrie).

Er interessierte sich aber auch für den Alltag der alten Menschen und dafür, wie sie selbst ihr Leben im Rückblick sahen.

1984, drei Jahre nach seiner Emeritierung, erschien sein Buch „Auf den Spuren der Langlebigkeit“, worin er die Ergebnisse der Befragung von inzwischen 575 Männern und Frauen vorstellte, und so das spannende Thema Langlebigkeit erneut in die Öffentlichkeit schickte.

Ab da wurde er in den Medien als Experte für ein langes Leben befragt.

Sein Rezept liest sich einfach: Wer alte Vorfahren hat, kann sich auf viele Lebensjahre einstellen.

Dabei helfen nach Franke eine gleichmäßige und bescheidene Lebensweise, keine besondere Ernährung, regelmäßige, durchaus auch schwere Arbeit, allerdings ohne dauernde Überanstrengung, und mit Erholungspausen. Ganz wichtig nach Franke auch eine positive Einstellung zu sich selbst, Kontakte zu anderen und Freude am Dasein.

„Nicht der ist zu beneiden, der die meisten Jahre lebt, sondern der, der sie am tiefsten empfunden hat“, sagte er 1995 anlässlich einer Geriatrie-Tagung in Würzburg, fünf Jahre bevor er im Alter von 88 Jahren starb.

Dieses Zitat haben bis heute zahlreiche Experten in ihre Veröffentlichungen zum Thema „gelungenes Altwerden“ einbezogen.
 
In Frankes gesamter wissenschaftlichen Arbeit sind zudem immer wieder medizinische, humanistische und soziologische Erkenntnisse zu finden, die sehr viel von dem voraussagen, was uns heute beschäftigt.

Einiges davon ist in die Konzepte der Gesundheitsförderung im Alter eingegangen.

Rehabilitationsklinik


Inzwischen hat sich die Geriatrie als Altersheilkunde etabliert und weiterentwickelt. Die ältesten Franke-Schüler sind im Ruhestand, jüngere in ganz Deutschland als Wissenschaftler und Ärzte tätig. In Würzburg, wo Franke vor 60 Jahren mit seiner Forschung begann, kam es im Bürgerspital zum Heiligen Geist 1994 zur Gründung einer „Geriatrischen Rehabilitationsklinik“ als erster Einrichtung dieser Art in der Region.

Später wurde eine Station nach Professor Dr. Hans Franke benannt, dessen Erkenntnisse mit den heute aktuellen Konzepten der Prävention übereinstimmen.

So hat der Internist und Klinikleiter, der auch ein beliebter Hochschullehrer war – zweimal dankten ihm die Studierenden mit Fackelzügen als er einen Ruf nach Innsbruck und einen nach Frankfurt ablehnte –, dazu beigetragen, dass der Name Würzburg im Zusammenhang mit der Altersforschung einen guten Klang hat.

Daten & Fakten

Stiftung „FUTURA“ Zum Andenken an den „Nestor der Geriatrie“ wurde auf Initiative des Bürgerspitals die Stiftung „FUTURA“ ins Leben gerufen, die Projekte unterstützen will, die in Theorie und Praxis zur Förderung der Gesundheit älterer Menschen beitragen.

Erststifter war Alfred Mahn, dessen Ehefrau viele Male in der Geriatrischen Reha Klinik des Bürgerspitals behandelt wurde.

Zustifter können sich in ein goldenes Buch eintragen.
 
Kontakt über Dr. Michael Schwab, Reha-Klinik Bürgerspital, Semmelstr. 1-4, Tel. (09 31) 35 03-1 31,E-Mail schwab@buergerspital.de

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