OCHSENFURT

Protest gegen AfD-Wähler: Rentner reagiert gelassen auf Kommentare

Der Bericht über die Protestaktion gegen die Ochsenfurter AfD-Wähler hat viele Reaktionen ausgelöst. Jürgen Schuhmann glaubt, dass der kommende Montag spannend wird.
Ein Rentner schämt sich für die AfD-Wähler in seiner Stadt       -  Seit dem Montag nach der Bundestagswahl 2017 kommt Jürgen Schuhmann (Mitte) jeden Montag um 17 Uhr zum Rathausplatz und protestiert mit einem Schild gegen die AfD-Wähler aus Ochsenfurt. Links Unterstützer Leander Sukov mit Hund Fiete, rechts Peter Honecker.
Seit dem Montag nach der Bundestagswahl 2017 kommt Jürgen Schuhmann (Mitte) jeden Montag um 17 Uhr zum Rathausplatz und protestiert mit einem Schild gegen die AfD-Wähler aus Ochsenfurt. Links Unterstützer Leander Sukov mit Hund Fiete, rechts Peter Honecker. Foto: Claudia Schuhmann

Jürgen Schuhmann hat bekommen, was er wollte. Nachdem diese Redaktion über seinen allwöchentlich stattfindenden Protest vor dem Ochsenfurter Rathaus berichtet hatte, sind sowohl bei mainpost.de als auch bei Facebook zahlreiche Nutzerkommentare zu der Aktion eingegangen. Schuhmann steht seit dem Bekanntwerden der Ergebnisse der Bundestagswahl immer montags von 17 bis 18 Uhr vor dem Rathaus und hält ein Schild hoch, auf dem er kundtut, dass er sich für die 694 Ochsenfurter AfD-Wähler schämt.

Dabei legt er es durchaus darauf an, Reaktionen hervorzurufen. Auch und gerade von denjenigen, die für sein Handeln vermutlich nur wenig Sympathie aufbringen: den AfD-Wählern. Während er bei seinen bisher drei Mahnwachen vor dem Rathaus ausschließlich Zustimmung erfuhr, habe sich am Dienstagvormittag tatsächlich ein Anhänger der AfD telefonisch mit ihm in Verbindung gesetzt, sagte Schuhmann auf Nachfrage der Redaktion.

Ein Anruf von einem AfD-Wähler

Zwar kein Ochsenfurter, aber ein Mann aus dem Landkreis Würzburg, wie Schuhmann erklärt. Der Anrufer habe klarstellen wollen, dass AfD-Wähler keine Nazis seien und AfD-Fraktionschef Alexander Gauland ein distinguierter älterer Herr. Er könne nicht verstehen, dass die Partei als Wolf im Schafspelz dargestellt und Schuhmanns Aktion medial so aufgeblasen werde, habe der Mann gesagt.

„Ich hatte mir ja gewünscht, dass AfD-Wähler das Gespräch mit mir suchen“, sagt Schuhmann. Der Anrufer aber habe an einer konstruktiven Diskussion offenbar kein Interesse gehabt, sondern gleich „losgeballert“. „Ich habe dann auch aufgelegt“, sagt Schuhmann. Trotzdem steht nach wie vor sein Gesprächsangebot, wenn er und sein Schild am kommenden Montag wieder vor dem Rathaus Stellung beziehen werden. Der 71-Jährige rechnet dann, bedingt durch die Berichterstattung, mit deutlich mehr Andrang. Den meisten Zulauf hatte er am Montag vor einer Woche erhalten, als ungefähr 15 Menschen mit ihm auf dem Marktplatz standen.

Die Stadt muss nichts unternehmen

Bekannt wurde sein Vorhaben durch die Ankündigung auf Schuhmanns Facebook-Seite, die dann geteilt wurde. Zur Teilnahme aufgerufen hat Schuhmann aber nie. „Ich stehe da mit meinem Schild, und wer sich bemüßigt fühlt, sich dazu zu stellen, kann das tun.“ Eine Versammlung ist das nicht, weshalb auch der Ochsenfurter Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher gelassen reagiert. „Im Moment ist es so, dass da ein Mann auf dem Marktplatz steht“, so Duscher. Die Aktion habe damit noch lange keine Dimension erreicht, wegen der die Stadt handeln müsse.

Duscher will allerdings die Kommentare im Internet im Auge behalten. Sollte er dort Hinweise auf eine geplante Zusammenkunft einer größeren Gruppierung finden, müsse die Lage möglicherweise neu bewertet werden, unter Umständen auch in Zusammenarbeit mit der Polizei. Jürgen Schuhmann indessen rechnet am kommenden Montag mit Unterstützern anstatt mit Gegnern und glaubt nicht, dass infolge seiner Aktion auf dem Marktplatz Konflikte zu erwarten sein werden.

Konflikte werden in Internet-Foren ausgetragen

Die werden derzeit vielmehr schriftlich in verschiedenen Internet-Foren ausgetragen. Dort finden sich sowohl zahlreiche Kommentare von AfD-Sympathisanten, als auch von Unterstützern Schuhmanns. „Als ob die AfD eine Bedrohung für die Demokratie wäre!“, schreibt ein Nutzer auf mainpost.de. „Und der Vergleich mit dem Dritten Reich entbehrt jeder Grundlage.“ Ein anderer kommentiert so: „Ohne die AfD und Pegida wären wir schon lange überrollt worden von Flüchtlingen.“

Ein Kommentator der Facebook-Seite der Main-Post hält Aktionen wie die von Jürgen Schuhmann für Hetze gegen die AfD und für einen Versuch, den Menschen vorzuschreiben, was sie zu wählen hätten. Das wiederum geht einem anderen gegen den Strich, der schreibt: „Immer wieder schön, wenn friedlicher Protest beziehungsweise die Äußerung der persönlichen Meinung als Hetze betitelt wird.“ „Hat der Mann sonst nichts zu tun?“ fragt sich ein weiterer Kommentator.

Jürgen Schuhmann protestiert weiter

Ebenfalls auf Facebook schreibt ein Nutzer, dass durch solche Aktionen die AfD doch gerade wieder in die Medien käme. „Respekt, ein aufrichtiger Demokrat“, lautet ein anderer Kommentar, und ein weiterer spricht Jürgen Schuhmann seine „größte Hochachtung“ aus. Jürgen Schuhmann jedenfalls will seine Botschaft weiterhin aussenden – jeden Montag bis Weihnachten.

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