Kleinrinderfeld

Proteste: Kleinrinderfelder kämpfen gegen Pfarrvikar-Versetzung

Der Kleinrinderfelder Pfarrvikar Zacharias Nitunga muss nach Ebern wechseln. Einige engagierte Bürger möchten dies nun verhindern und wehren sich gegen die Versetzung.
Der Kleinrinderfelder Pfarrer Zacharias Nitunga wurde zum Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Ebern ernannt und muss die Gemeinde verlassen. Kleinrinderfelder Katholiken möchten nun gegen die Versetzung kämpfen. Auf dem Foto sieht man die Kirche in Kleinrinderfeld bei Sonnenuntergang. Foto: Karl-Heinz Leukert
Kleinrinderfelds Pfarrer Zacharias Nitunga. Foto: Markus Hauck

In der Pfarrei Kleinrinderfeld herrscht große Ratlosigkeit.  Pfarrvikar Zacharia Nitunga wurde von Bischof Franz Jung zum Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft Ebern in den Haßbergen ernannt und soll Kleinrinderfeld verlassen. Viele Bürgerinnen und Bürger verstehen die Gründe nicht und sind empört. Sogar so empört, dass sie darum kämpfen möchten, dass Nitunga in der Gemeinde bleiben kann.

"Wir werden darum kämpfen, dass Zacharias in seiner neuen Heimat bleiben kann!" - so endet der erste Beitrag der Seite "Kleinrinderfeld steht zu Pfarrer Zacharias" auf dem Sozialen Netzwerk Facebook. Die Kleinrinderfelder sind sauer. Sogar Demonstrationen waren geplant, die jedoch auf Wunsch Nitungas abgesagt wurden. Ab 1. November sollte es für ihn in Ebern losgehen, nun ist der Pfarrvikar nach Informationen dieser Redaktion seit einiger Zeit krank und befindet sich nach wie vor in Kleinrinderfeld.

Versetzung soll Neustart in der Gemeinde ermöglichen

Ein Stellenwechsel nach der zweiten Dienstprüfung sei bei Priestern im Bistum Würzburg üblich, so begründet die Diözese die Entscheidung des Bischofs. "Mit Pfarrvikar Nitunga fanden bereits 2014 mehrere Gespräche zu einem Stellenwechsel statt", sagt Pressesprecher Bernhard Schweßinger. Jedoch: "Bisher hatte er sich einem Stellenwechsel entzogen." Bischof Jung bestehe auf den geordneten Stellenwechsel, dieser soll "einen Neustart in Kleinrinderfeld ermöglichen".

Dies möchten einige Katholiken der Gemeinde so nicht akzeptieren, sie sind zufrieden mit ihrem Pfarrvikar. So haben sie auch zu einem Gespräch zwischen vier Vertretern der Pfarrei und Bischof Franz Jung gebeten. Die Bürger kritisieren jedoch, dass bei diesem Gespräch "keinerlei Verständnis zu erkennen gewesen sei", dass bei dem "besonders schweren Schicksal von Zacharias" ein Härtefall vorliege. Ein Rückblick: Nitunga wurde in Burundi geboren. Während des Krieges dort wurde im Dezember 1995 ein Attentat auf ihn verübt, bei dem er schwere Verletzungen an Beinen und Oberkiefer erlitt. Wenige Tage danach wurde er nach Würzburg gebracht und in der Missionsärztlichen Klinik und in der Kieferklinik behandelt.

Zacharias Nitunga als Mobbingopfer?

Bereits 2011 gab es Streit um Nitunga. In einem Brief von Kleinrinderfelder Katholiken an den Bischof wurden massive Vorwürfe gegen den damaligen Pfarrer Hans Thurn und seinen Diakon Rainer Boivin erhoben. Sie sollen den Pfarrvikar „missachtet, übergangen, ihn brüskiert und schikaniert und wiederholt als recht- und würdelosen Menschen behandelt haben“. Bereits damals setzten sich Kleinrinderfelder für Nitunga ein: In dem Brief forderten die Katholiken, dass der damalige Bischof Friedhelm Hofmann dem ein Ende setzen sollte.

Die Pfarrei Kleinrinderfeld gehört zur Pfarreiengemeinschaft "St. Petrus - der Fels", zu der auch die Pfarreien Gaubüttelbrunn, Kirchheim, Moos und Geroldshausen zählen. 

"Jetzt, wo er endlich Ruhe hat, soll er gegen seinen Willen gehen."
Facebook-Seite "Kleinrinderfeld steht zu Pfarrer Zacharias"

Vor wenigen Monaten erst verließ Thurn die Kleinrinderfelder Pfarrei. Und nun soll auch Nitunga die Gemeinde verlassen."Jetzt, wo er endlich Ruhe hat, soll auch er, das Opfer, gegen seinen Willen gehen", heißt es auf der extra für den Pfarrvikar angelegten Facebook-Seite. Ob es wirklich gegen seinen Willen ist, ist jedoch nicht bekannt, denn Zacharias Nitunga möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den Umständen äußern. "Alles was ich sagen kann, ist dass ich mich momentan in ärztlicher Behandlung und somit auch noch in Kleinrinderfeld befinde", sagt er im kurzen Gespräch mit dieser Redaktion.

Und auch Kleinrinderfelds Bürgermeisterin Eva Linsenbreder fühle sich momentan "nicht befugt" zu der Versetzung Nitungas etwas zu sagen, zudem sie privat auch mit dem Pfarrvikar befreundet sei. "Den Wunsch, dass Zacharias derzeit nichts sagen möchte, müssen wir respektieren", sagt sie. Und sie teilt somit auch die Meinung der Ersteller der Facebook-Seite sowie Kleinrinderfelds Kirchenpfleger Herbert Kratzer. "Solange Zacharias nichts sagen möchte, werden auch wir nichts sagen", so Kratzer.

Diözese: Keine Sonderregelungen für Nitunga

Fakt ist jedoch, dass Nitunga wegen des Verstoßes gegen die Gehorsamspflicht von Generalvikar Thomas Keßler verwarnt worden ist. Mehrfach sei er aufgefordert worden, sich mit seinem neuen Dienstvorgesetzten in Ebern in Verbindung zu setzen. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen. Und auch seine neue Stelle als Pfarrvikar hat er am 1. November nicht angetreten. 

Bei einem Gespräch mit Generalvikar Thomas Keßler vor einigen Monaten habe Nitunga der Versetzung zugestimmt, so Schweßinger. Bischof Franz Jung erwarte nun, dass Nitunga dem Stellenwechsel nachkommt und sich an die Regeln des priesterlichen Dienstes hält. "Es gibt keine Sonderregelungen für einen Kleriker", sagt er. "Auch dann nicht, wenn dieser Gemeindemitglieder mobilisiert, gegen Bischof und Bistum zu agieren." Das weitere Vorgehen hänge nun davon ab, ob Zacharias Nitunga nach seiner Genesung der Weisung des Generalvikars nachkommt oder seinen Gehorsamsverstoß fortsetzt.

Über den Pfarrvikar Zacharias Nitunga
Zacharias Nitunga wurde 1961 in Makamba im Ostafrikanischen Burundi geboren. Nach dem Studium in Bujumbura und Burasira weihte ihn Papst Johannes Paul II. 1990 in Bujumbura zum Priester. Anschließend wirkte Nitunga im Bistum Bubanza.
Von 1997 bis 2000 bildete sich Nitunga als Krankenhausseelsorger in Heidelberg und Straßburg fort. Von 2001 bis 2009 wirkte er als Flüchtlingsseelsorger sowie als Krankenhaus- und Aushilfspriester im Erzbistum Freiburg. Zugleich studierte er an der Pädagogischen Hochschule Freiburg Diplom-Pädagogik und Social Engineering. Seit 2009 ist Nitunga als Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft "St. Petrus - der Fels" tätig.

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