WÜRZBURG

Prozess: Versuchter Mord mit Thallium?

Aus Eifersucht und verletzter Eitelkeit soll er versucht haben, seine Ex-Freundin mit Thallium zu vergiften. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Würzburg bestreitet der 46-jährige ehemalige Bordellbetreiber alle Vorwürfe.

Die Anklage wiegt schwer. Versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft dem athletischen Mann aus dem Raum Kitzingen vor. Seine Ex-Freundin, einst Prostituierte, dann Hundetrainerin, hat laut Anklage massive Gesundheitsprobleme.

29 Monate lang soll der Mann der Frau heimlich Thallium verabreicht, mindestens ein Mal das Gift in das Kokain gemischt haben, das die Hundetrainerin schnupfte. Auch ihre Hunde habe er vergiftet, heißt es in der Anklage.

Ab Ende Juli 2014 hat die heute 39-Jährige, so Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, unter schweren Schmerzen gelitten. Im August 2014 wurde in der Uniklinik Lübeck eine Thallium-Vergiftung festgestellt.

Nach Informationen der Redaktion war ein norddeutscher Landarzt der Erste, der den Verdacht auf Thallium geäußert und die Frau in diese Klinik geschickt hatte. Im Rollstuhl soll die Frau im Sommer 2014 zu dem Mediziner gebracht worden sein – und ihm erzählt haben, dass sie schon bei einigen Ärzten war. Niemand habe ihre Beschwerden ernst genommen.

In der Beziehung zwischen dem Angeklagten und der attraktiven Frau gab es laut Anklage viel Hin und Her. Kennengelernt hätten sich die beiden 1996, 2009 habe sich die Frau mit einem anderen verlobt, 2010 sei sie zum Angeklagten zurückgekehrt. Anfang 2014 habe es die nächste Trennung gegeben.

Während der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer ein Paar waren, betrieb der Mann laut Anklage Bordelle, die Frau soll an den Häusern beteiligt gewesen sein und dort als Prostituierte und Wirtschafterin gearbeitet haben. Ab 2005 soll sie Hundetrainerin gewesen sein, später eine Hundeschule übernommen haben.

„Das Thallium kam nicht von mir.“

Angeklagter im Prozess wegen versuchten Mordes

Vor dem Prozess gegen den 46-Jährigen wurde die 39-Jährige in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Sie gilt als gefährdet, weil sie gegen den Angeklagten ausgesagt hat. Wo sie jetzt lebt, wie sie jetzt heißt, ist streng geheim. Wenn sie demnächst als Zeugin aussagt, wird sie unter Polizeischutz zum Strafjustizzentrum gebracht.

So weit ist es aber noch nicht. Zunächst hat der Angeklagte über seinen Verteidiger eine Erklärung abgegeben: Weder habe er versucht, die Frau zu vergiften, noch habe er ihren Hunden etwas angetan, heißt es darin. Ein solches Vorgehen sei ihm „wesensfremd“. Er bestreitet auch, die 39-Jährige mit Kokain beliefert zu haben. Der Prozess wird an diesem Freitag fortgesetzt.

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