WÜRZBURG

Radler in China zahlt für Würzburger Bus

Fahrrad statt Straßenbahn: Obwohl der 22-jährige Jonas Ebert das WVV-Semesterticket nachweislich nicht nutzen kann, weil er noch bis Ende August in Peking studiert, muss er die 55 Euro dafür trotzdem zahlen. Foto: Christine Ebert

Jonas Ebert ist zurzeit täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Wie so viele in Peking, wo der 22-jährige Würzburger gerade für ein halbes Jahr studiert. Obwohl er tausende Kilometer entfernt in China radelt, muss er in Würzburg weiter sein Semesterticket für Bus und Straba bezahlen. Ein Witz? Mitnichten.

„Alles ruht“, sagt Christine Ebert, „Krankenkasse, Autoversicherung, Studiengebühren. Nur das Semesterticket nicht.“ Ihr Sohn studiert an der Universität Würzburg am Lehrstuhl für Sinologie den Bachelor-Studiengang „Modern China“. „Das vierte Semester ist für alle Studenten seines Studienganges ein Pflichtsemester in Peking“, berichtet Ebert, „mit ihm sind derzeit insgesamt 30 Würzburger Studenten von Ende Februar bis Ende August dort an der Uni eingeschrieben und zahlen dort auch ihre Studiengebühren.“

Was sie nicht versteht: Weil ihr Sohn Jonas in dieser Zeit keine Vorlesungen an der Würzburger Uni Vorlesungen besucht, muss er dafür hier auch keine Studiengebühren zahlen. Ebenso ruht für die diese Zeit die „normale“ Krankenkasse, weil er auslandsversichert ist, und auch das Auto ist abgemeldet, um die Versicherung zu sparen. „Was er aber zahlen muss, obwohl er es in China definitiv nicht nutzt, sind die 55 Euro für das Semesterticket der WVV“, sagt sie am Telefon.

Ein Schriftwechsel per Mail mit dem Studentenwerk habe die Auskunft ergeben, dass es sich dabei um einen Solidarbeitrag handele, der gezahlt werden müsse, egal ob das Ticket genutzt werden könne, oder nicht, berichtet sie. Auf der Webseite des Studentenwerkes Würzburg finde sich auch eine dementsprechender Erläuterung mit dem Eingeständnis, dies sei ein Wermutstropfen.

Dass dem so ist, weiß auch Michael Ullrich, Geschäftsführer des Studentenwerkes. „Das müssen wir in die Verhandlungen mit der WVV noch einmal mit einbringen“, sagt er, befürchtet aber auch: „Die Umsetzung könnte problematisch und arbeitsaufwändig werden, weil die Fachhochschüler ständig Praktikumssemester haben, wie sollen wir da überprüfen, wo die gerade sind?“ Seines Wissens gebe es nirgendwo in Bayern oder Baden–Württemberg diese Rückerstattungsmöglichkeit.

An vielen Unis anderer Bundesländer, das erbringt die Recherche im Internet, ist sie bei derartig gelegenen Fällen hingegen durchaus gang und gäbe. Der Student weist nach, dass er zeitlich befristet nicht am Studienort ist, stellt einen Antrag auf Befreiung, bekommt einen Stempel „Ungültig“ auf das Ticket gedrückt und sein Geld zurück. Allerdings wird dort die Erstattung fast immer durch den Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) geregelt und finanziert. Dort fallen auch die Verhandlungen um das Semesterticket in der Regel in die Zuständigkeit des AStA. Der AStA wurde in Bayern allerdings 1973 abgeschafft, in Baden-Württemberg gibt es ihn – mit allerdings eingeschränkten Wirkungsmöglichkeiten.

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