Würzburg

Radverkehr: Verkehrswende-Bündnis startet Bürgerbegehren

Ab sofort sammelt das Würzburger Bündnis "Verkehrswende jetzt" Unterschriften für einen geplanten Radentscheid. Inzwischen nennt das Bündnis auch die Ziele der Aktion.
Roter Teppich für den Fahrradverkehr? Auf jeden Fall will das Bündnis "Verkehrswende jetzt" mit einem geplanten Bürgerentscheid deutliche Verbesserungen für Radfahrer in Würzburg erreichen – auch auf Kosten des motorisierten Verkehrs. Foto: Daniel Peter

Es geht ihnen um "angstfreies Radfahren für alle", und jetzt machen sie Ernst: Die Aktivisten vom Würzburger Bündnis "Verkehrswende jetzt" haben begonnen, Unterschriften für einen geplanten "Radentscheid" zu sammeln. Unter dem Motto "Würzburg tritt in die Pedale" will "Verkehrswende jetzt" Druck auf die Stadt Würzburg ausüben, die nach Meinung des Bündnisses zu wenig für die Sicherheit und Förderung des Radverkehrs unternimmt. Dem Bündnis gehören 23 Organisationen an, darunter Bürgerinitiativen, Naturschutz- und Verkehrsverbände sowie Parteien.

"Wir wollen eine konsequente Verkehrswende, bei der nicht der Autoverkehr, sondern die Würzburgerinnen und Würzburger im Mittelpunkt stehen", so Bündnis-Sprecherin Karolin Zientarski in einer am Montag verbreiteten Presseerklärung. Von gefährlichen Kreuzungen, zu schmalen oder nicht vorhandenen Radwegen und der Suche nach geeigneten Fahrradabstellplätzen hätten "die vielen Radaktiven im Bündnis genug" und forderten deshalb die Stadt Würzburg zum Handeln auf.

Stellten am Montag die Ziele des geplanten Radentscheids vor (von links): Karolin Zientarski, Bas Bergervoet und Marie Büchner vom Bündnis "Verkehrswendee jetzt".  Foto: Johannes Kiefer

Bündnis formuliert vier Ziele

Inzwischen nennt das Bündnis auch die konkreten Ziele des angestrebten Radentscheids. Demnach werden vier Hauptziele verfolgt: 

  • Qualität von Radwegen: An Gemeindestraßen, die für den Radverkehr gewidmet sind und auf denen schneller als 30 Stundenkilometer gefahren werden darf, sollen pro Fahrtrichtung Radwege mit einer Mindestbreite von 2,30 Metern entstehen.
  • Rad-Vorrangnetz: Ein lückenloses Netz aus optisch hervorgehobenen Rad-Vorrangrouten verbindet alle Stadtbezirke, Radschnellwege und wichtige Orte des öffentlichen Lebens. Unter Rad-Vorrangrouten versteht das Bündnis "zusammenhängende Radverkehrsanlagen mit ebenen Oberflächen".
  • Kreuzungen und Einmündungen: Gemeindestraßen sind an Kreuzungen und Einmündungen so gestaltet, dass freie Sicht für und auf den Radverkehr gegeben ist. Ferner sollen Fahrradampeln mit Gelbphase und ausreichend große Radaufstellflächen eingerichtet sein.
  • Abstellmöglichkeiten: Im gesamten Stadtgebiet sollen gut zugängliche Fahrradabstellmöglichkeiten vorhanden sein, die auch Platz für Lastenräder und Kinderanhänger bieten. An wichtigen Orten des öffentlichen Lebens und des Nahverkehrs sollen die Abstellanlagen die Räder vor Diebstahl, Vandalismus und Witterung schützen, außerdem soll es dort Reparatur-  und Lademöglichkeiten sowie eine Gepäckaufbewahrung geben. 

Wer beim Bürgerbegehren unterschreibt, unterstützt nicht nur diese vier Ziele, sondern auch einen Zeitplan. Bis 2025 sollen die Ziele nach dem Willen des Bündnisses entweder umgesetzt oder bei Planfeststellungsverfahren zumindest die Antragsunterlagen eingereicht sein – so die Forderung an die Stadt

KfZ-Flächen sollen umgewidmet werden

Ein Kernpunkt des Bürgerbegehrens: Die Initiatoren kalkulieren ganz bewusst ein, dass die Umsetzung der Ziele vor allem zu Lasten der KfZ-Verkehrs geht. "Prioritär" sollen deshalb KfZ-Fahrspuren und Parkplätze umgewidmet werden, um mehr Platz für den Radverkehr zu schaffen. Im Gegensatz dazu sollen  Flächen für den Fußverkehr, des ÖPNV und des Stadtgrüns "in der Regel" nicht beansprucht werden. 

"Wir fordern nicht einfach mehr, sondern ausreichend Platz für den Radverkehr."
Bas Bergervoet, Sprecher Bündnis "Verkehrswende jetzt"

Allerdings: Eine Vorfahrt des Radverkehrs ist nicht das Ziel des Radentscheids. Das zumindest versicherten "Verkehrswende jetzt"-Sprecher auf einer Pressekonferenz am Montag. "Wir fordern nicht einfach mehr, sondern ausreichend Platz für den Radverkehr", sagte Bas Bergervoet, einer der beiden für das Bürgerbegehren zuständigen Bündnis-Sprecher. Jedem Verkehrsteilnehmer solle der Platz zukommen, den er benötigt. Mit dem Radentscheid wolle man zudem nicht nur Verbesserungen für die Menschen erreichen, die jetzt schon mit dem Rad unterwegs sind: "Wir wollen, dass viele von den Leuten, die noch nicht mit dem Rad fahren, aufs Fahrrad umsteigen."

Das Motto des Radentscheids: "Würzburg tritt in die Pedale".   Foto: Johannes Kiefer

Seine Kollegin Marie Büchner stammt aus Norddeutschland. Nach ihrem Umzug nach Würzburg musste sie sich erst einmal an die aus ihrer Sicht unkomfortablen Radwege in Würzburg gewöhnen. "Die Menschen müssen mit dem Rad schnell und bequem ans Ziel kommen können", sagte sie. Das gelte insbesondere für Kinder und alte Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind.

Bündnis will politischen Druck aufbauen

Einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem bereits angelaufenen Bürgerbegehren und der im März 2020 anstehenden Kommunalwahl wollten die Sprecher nicht bestätigen. Allerdings sei es natürlich die Aufgabe des Bündnisses, "politischen Druck" aufzubauen, so Büchner. 

Damit es zu einem Bürgerentscheid über die Forderungen des Bündnisses kommt, braucht das Bündnis die Unterstützung von mindestens fünf Prozent der Würzburger, das sind etwa 6500. Das Unterschriftensammeln stellen sich die Initiatoren als Netzwerk vor: Zum einen soll es feste Auslegestellen der Unterschriftenlisten geben, zum anderen kann, wer will, sich als "Radbotschafter" in den Dienst der Aktion stellen und sammeln. 

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