Würzburg

Rampen: Wie Straßenbahnen für jeden zugänglich werden sollen

Ab Mitte Oktober werden Zug um Zug in den Straßenbahnen spezielle Rollstuhl-Rampen eingebaut, die den Einstieg für mobilitätseingeschränkte Menschen erleichtern sollen. Foto: Thomas Obermeier

Es ist ein großer Schritt für Menschen mit Gehbehinderung in Würzburg und ein großer Schritt zu einer barrierefreien Stadt. Bis Ende des Jahres sollen alle Straßenbahnen mit speziellen Rollstuhl-Rampen ausgestattet werden, die den Einstieg auch für mobilitätseingeschränkte Menschen möglich machen sollen. Die erste Straßenbahn mit Rampe ist bereits in Betrieb.

Ein großer blauer Sticker mit einem weißen Rollstuhl auf der Windschutzscheibe markiert sie deutlich: die erste Straßenbahn mit Rollstuhl-Rampe in Würzburg. Seit Dienstagmorgen ist sie nun in Betrieb - und bleibt selbstverständlich nicht die einzige. 850 000 Euro investiert die Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) für die Ausstattung der Fahrzeuge, Informationsmedien und den Umbau der Haltestellen. Innerhalb von drei Jahren sollen alle die Chance haben, uneingeschränkt mit der Straßenbahn von Ort zu Ort zu kommen.

Das Kostenintensive ist der Umbau der Haltestellen

"Die Rampen kosten nicht viel. Das Kostenintensive ist der Umbau der Haltestellen", erklärt Paul Lehmann, Geschäftsführer der WSB, bei einem Vorstellungstermin am Dienstagnachmittag an der Haltestelle Fechenbachstraße, zu dem unter anderem auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt, zweiter Bürgermeister Adolf Bauer, einige Stadträte und Vertreter des Behindertenbeirates gekommen waren.

Viele Haltestellen erfordern einen erhöhten Umbauaufwand, da die notwendigen Freiflächen für den Rangierraum vor der Rampe auf der Haltestelle nicht gegeben sind. "Wir müssen an der Stelle, an der die Rampe ausgeklappt wird, im Hintergrund der Haltestelle aufräumen." Zum einen müssen Automaten, Fahrkartenschilder oder Bänke versetzt werden, zum anderen müssen die Haltestellen ausreichend breit ausgebaut sein. "Sonst kann die Rampe nicht ausgeklappt werden." 1,50 Meter Raum müsse mindestens hinter der Rampe vorhanden sein. Und: Befindet sich die Haltestelle direkt an der Straße, muss die gesamte Haltestellenlänge eingegittert werden, "damit nicht die Gefahr besteht, dass der Rollstuhl in den Verkehr rollt."

Das Wort „Rollstuhl-Rampe“ mit einem entsprechenden Symbol finden Fahrgäste im oberen Bereich der Tür. Foto: Thomas Obermeier

Der Zugang zu Mobilität für jeden ist seit Jahren erklärtes Ziel der Stadt Würzburg und der Würzburger Straßenbahn. "Gerade bei der Nutzung des ÖPNV ist es wichtig, dass sich ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung sicher fühlen können und ihnen die Fahrt so einfach wie möglich gemacht wird", heißt es von Seiten der Würzburger Versorgungs-und Verkehrs GmbH (WVV).

23 Straßenbahn-Haltestellen sind bereits für den Einsatz der Rampen geeignet

Die Rampen sind in einer Halterung gleich neben der Tür angebracht und werden bei Bedarf von der Fahrerin oder dem Fahrer der Straßenbahn an geeigneten Haltestellen ausgelegt. Wer die Rampe benötigt, positioniert sich im vorderen Bereich der Haltestelle und gibt dem Fahrer ein deutliches Zeichen. Dieser bedient dann die Rollstuhl-Rampe und unterstützt auch beim Ein- oder Ausstieg. Möchte der Rollstuhlfahrer aussteigen, muss er den blauen Knopf an der Sondernutzungsfläche drücken. So weiß der Fahrer Bescheid, kann nach hinten kommen und die Rampe händisch ausfahren.

Möchte der Rollstuhlfahrer aussteigen, muss er den blauen Knopf an der Sondernutzungsfläche drücken. Foto: Thomas Obermeier

Gestartet wird mit den Zügen der GT-N-Reihe. Alle weiteren Fahrzeuge der GT-E Baureihe werden im Anschluss nachgerüstet. 23 der insgesamt 86 Straßenbahn-Haltestellen in Würzburg sind bereits für den Einsatz der Rampen geeignet. Bis 2023 sollen dann alle Haltestellen dementsprechend umgebaut sein, "wobei es einige Haltestellen gibt, an denen dies nicht möglich sein wird", erklärt Lehmann. An der Haltestelle Sanderring stadteinwährts beispielsweise sei der Platz auf dem Gehsteig zu gering, um hier eine Rampe ausfahren zu können. 

Viele Haltestellen erfordern einen erhöhten Umbauaufwand

Im Oktober vergangenes Jahres wurde zwischen Vertretern des Behindertenbeirates, den Fachdienststellen der Stadt und der WSB eine Prioritätenliste zur Erweiterung der rampengeeigneten Haltestellen erarbeitet. Der Umbauprozess richtet sich dabei nach dieser Prioritätenliste. 

So wurden beispielsweise in den Sommerferien bereits die Straßenbahnhaltestellen DJK Sportzentrum stadtein- und stadtauswärts umgebaut. Unter der Reduzierung der rückwärtigen Fahrspur wurden die Haltestellen verbreitert und mit Blindenleitsystemen sowie Wetterschutzeinrichtungen versehen. Das Investitionsvolumen lag hier bei rund 200 000 Euro. 

Julian Wendel (im Rollstuhl) freut sich sehr, dass bis Ende des Jahres alle Straßenbahnen mit Rollstuhl-Rampen versehen sein sollen. Im Hintergrund (von links) zweiter Bürgermeister Adolf Bauer, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Stadtratsmitglied Christiane Kerner. Foto: Thomas Obermeier

"Das ist ein ganz wichtiger Schritt für uns alle", weiß Julian Wendel. Der 35-Jährige ist Mitglied des Behindertenbeirates der Stadt und ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. "Für mich ist Barrierefreiheit einzig und allein der Zustand, wo wirklich keine Barriere ist." Dass nun bis Ende des Jahres alle Straßenbahnen mit einer Rampe versehen werden sollen, freut ihn sehr. "Ich kann dann alleine in die Stadt fahren. Dieser enorme Zuwachs an Mobilität lässt mich besser teilhaben am gesellschaftlichen Leben."

"Dieser enorme Zuwachs an Mobilität lässt mich besser teilhaben am gesellschaftlichen Leben."
Julian Wendel, Mitglied im Behindertenbeirat

Im Liniennetzplan und im Fahrplan der Straßenbahnen werden alle Haltestellen mit einem blau-weißen Symbol gekennzeichnet, die für den Einsatz von Rollstuhl-Rampen geeignet sind. Darüber hinaus wird das bestehende Haltestellen-Schild durch ein neues Haltestellenschild mit blauen Balken und Rampensymbol ergänzt. Das Wort „Rollstuhl-Rampe“ im oberen Bereich der Straßenbahn-Tür kennzeichnet den Zugang, an dem sich die Rampe befindet.

Bis Ende des Jahres Rampen in allen Fahrzeugen

"Wir bauen jedes Jahr rund 20 bis 30 Haltestellen um, sodass ich davon ausgehe, dass wir bis 2023 Barrierefreiheit an allen möglichen Haltestellen gewährleisten können", verspricht Lehmann. Warum bislang nur eine Straßenbahn mit einer Rampe ausgerüstet werden konnte, liege an Lieferschwierigkeiten von Seiten des Herstellers, erklärt er. Aber: "Bis Ende des Jahres möchten wir in jedem Fall in allen Straßenbahnen eine Rollstuhlrampe anbieten können." 

Auf der WVV-Homepage gibt es unter www.wvv.de/barrierefrei einen eigenen Bereich mit allen Infos und Hinweisen zur Barrierefreiheit. Auch die Termine für die regelmäßig stattfindenden Schulungen zum sicheren Ein- und Aussteigen sind dort aufgelistet. Ebenfalls steht der Liniennetzplan online zur Verfügung.

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