Würzburg

Rassismus-Affäre: Gilde Giemaul lobt Aufklärerin

Im Fall um fremdenfeindliche WhatsApp-Nachrichten im Umfeld des Faschingsklubs, soll die Ex-Vizepräsidentin offenbar rehabilitiert werden. Die gibt sich noch zurückhaltend.
Anfang des Jahres geriet die Gilde Giemaul in eine WhatsApp-Affäre: Ein hochrangiges Mitglied hatte fremdenfeindliche Bilder versandt. Foto: Johannes Kiefer

Neue Töne bei der Gilde Giemaul: Monatelang galt bei den Würzburger Karnevalisten aus dem Stadtteil Heidingsfeld die Ex-Vizepräsidentin Heike Bader als Verräterin, weil sie rechtsextreme Bilder in einer WhatsApp-Gruppe, der zahlreiche Giemaul-Funktionäre angehörten, nicht tolerierte. Monatelang sahen sich Bader und ihre Familie Attacken ausgesetzt, die sie und ihre Tochter dazu gebracht hatten, den Verein zu verlassen. Nun die Kehrtwende: In einem jüngst verschickten Brief an die Mitglieder rehabilitiert Präsident Christian Reusch seine ehemalige Stellvertreterin.

"Wir erkennen an, dass die Gruppe um die damalige 2. Gesellschaftspräsidentin sich mit Zivilcourage um Aufklärung der diskriminierenden Vorgänge in einer WhatsApp-Gruppe bemüht hat", heißt es in dem Schreiben. "Wir haben uns, unterstützt vom Würzburger Ombudsrat, erneut gründlich mit den Fakten auseinandergesetzt und bedauern die Entwicklung, die dazu geführt hat, dass die damalige 2. Gesellschaftspräsidentin den Verein verlassen hat."

"Bisher sind das alles nicht mehr als Lippenbekenntnisse."
Heike Bader, ehemalige Vizepräsidentin der Gilde Giemaul

"Diese Arbeit ist noch nicht zu Ende", stellt die Antidiskriminierungsbeauftragte der Gilde, Ina Göpfert, zudem fest. Sie will im Verein weiterhin aufklärend tätig sein, um die Fähigkeit zum Erkennen von diskriminierendem oder extremistischem Verhalten zu stärken. Die Verantwortlichen des geschäftsführenden Präsidiums hätten dazu zahlreiche Ideen und Aktionen entwickelt und umgesetzt.

Ehemaliger Gilde-Funktionär zu 7200 Euro verurteilt

Der Druck des Ombudsrates und des Würzburger Oberbürgermeisters Christian Schuchardt hatten zu dem Richtungswechsel beigetragen. Der ehemalige dritte Gesellschaftspräsident muss sich für das Versenden fremdenfeindlicher WhatsApp-Nachrichten vor Gericht verantworten. Das Amtsgericht Würzburg hatte ihn im Juni zu einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt. Gegen das Urteil haben sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. 

Der Fall war öffentlich geworden, nachdem sich Mitglieder der WhatsApp-Gruppe vertraulich an Heike Bader gewandt hatten. Anzeige wegen Volksverhetzung hatte das "Bündnis für Zivilcourage" in Würzburg erstattet. Heike Bader sieht sich mit dem Richtungswechsel der Gilde nicht am Ziel. "Von echter Aufklärung kann bisher keine Rede sein", sagte sie auf Anfrage. "Bisher sind das alles nicht mehr als Lippenbekenntnisse."

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