Würzburg

Rassistische Bilder in WhatsApp: "War nicht ernst gemeint"

Rassistische Nachrichten in einer WhatsApp-Gruppe bringen einen Würzburger Faschings-Funktionär auf die Anklagebank. Seine Verteidigung: War doch alles nur Spaß.
Faschingsnarr wegen Volksverhetzung vor Gericht: Der Angeklagte soll fremdenfeindliche Bilder in einer Whatsapp-Gruppe verbereitet haben, im Umfeld der Gilde Giemaul. Foto: Johannes Kiefer

Wo hört der Spaß auf? Mit der Frage sieht sich ein ehemaliger Funktionär des Fastnachtsvereins Gilde Giemaul in Würzburg-Heidingsfeld konfrontiert. Bereits 2018 wurde bekannt, dass  unter einigen Giemaul-Funktionären menschenverachtende Bilder kursierten. Die brachten den 52-jährigen Versender jetzt wegen des Verdachts der Volksverhetzung vor Gericht.

Zack-zack-zack auf Weiterleiten gedrückt

"Ich habe keine rassistische Weltanschauung", betont er. "Ich habe einfach zack-zack-zack auf Weiterleiten gedrückt und das war es." Für die "naive Handlung bitte ich um Verzeihung." Dabei sei alles ganz harmlos gewesen: "Bei uns wurden doch auch Politiker-Witze gemacht, obwohl Politiker bei der Gilde sind, und Polizisten-Witze, obwohl Polizisten Mitglieder sind."

Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach  fragte: "Was soll das denn sonst sein, wenn nicht menschenverachtend?" Die Antwort des ehemaligen Fasching-Funktionärs: "Mir war nicht klar, dass es Menschen gibt, die diesen Nonsens Ernst nehmen."

Maschinengewehr gegen Asylanträge und der "Führer"

Auf einem Bild zielt ein Wehrmachtssoldat mit dem Maschinengewehr auf den Betrachter, darunter steht: "Das schnellste deutsche Asylverfahren. Lehnt bis zu 1400 Anträge in der Minute ab." Ausländern wird Sex mit Tieren unterstellen, es gibt "Negerwitze" und den Kommentar zum Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Moskau: "Hätte der Führer das noch erleben dürfen."

Nachrichte waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt

Die Bilder wurden per Whatsapp in eine 20-köpfige Gruppe von Elferräten gepostet. Das sei  eine "reinen Satire-Gruppe", in die"nichts ernst Gemeintes" eingestellt worden sei. Es gab dort "Kalauer", zum "Schmunzeln", "derbe Späße", die "manchmal auch eklig" waren, befand der 52-Jährige jetzt - aber auch, dass die dort zirkulierenden Bilder und Sprüche "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt" waren.

"Wie kann man denn von Vertraulichkeit ausgehen?", fragt Verteidiger Benjamin Hirsch, um vom Vorwurf der Verbreitung zweifelhafter Inhalte in der Öffentlichkeit wegzukommen. Sein Mandant antwortet: In der geschlossenen Gruppe ging man "natürlich nicht davon aus", dass etwas von den Inhalten öffentlich wurde. Denn unter den Elferräten herrsche ein Korpsgeist, bei dem man füreinander einstehe. Man trage die gleiche Uniform, pflege ein enges Miteinander, "bei dem kein Blatt Papier dazwischen passt".

2. Gesellschaftspräsidentin Heike Bader: "Aufgefordert, mich rauszuhalten"

Aber mindestens einem müssen die Bilder Bauchschmerze bereitet haben. Aus dieser Runde will die  2. Gesellschaftspräsidentin Heike Bader sie bekommen haben, die den Vereins-Chef Christian Reusch zum Handeln aufforderte. In der Gilde entbrannte eine heftige Diskussion – weniger um den Inhalt der Bilder, mehr um die Kritikerin, die im Zeugenstand jetzt sagt: "Ich wurde aufgefordert, mich rauszuhalten". Als sie nicht nachließ, wurde sie aus dem Verein gedrückt: Sie kündigte schließlich ihre Mitgliedschaft.

Der Versender der Bilder versuchte, ihr per Gerichtsbeschluss verbieten zu lassen, ihm Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Erst durch die folgende Gerichtsverhandlung wurde der Fall nach vier Monaten öffentlich. Das Bündnis für Zivilcourage erstatteten Anzeige. Die Polizei begann mit Ermittlungen und Förderer wie der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt zogen sich zurück.

Der Richter sieht weiteren Aufklärungsbedarf. Deshalb soll der Administrator der Gruppe in den Zeugenstand, und ein Kripo-Ermittler. Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt.

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