WÜRZBURG

Ratgeber mit Erfahrung

Existenzgründer: Die Seniorberater von „Alt hilft Jung“ unterstützen beim Start in die Selbstständigkeit. Sie bewerben sich bei der Ehrenamtsaktion Zeichen setzen.

Sein eigener Chef sein und sich ganz frei selbst verwirklichen – eine verlockende Idee. Sie zu realisieren, ist jedoch alles andere als einfach. Das erleben Dieter Thomas, Walter Maschke und Egon Müller von der Würzburger Gruppe des Vereins „Alt hilft Jung Bayern“ immer wieder. Bei der Gründermesse der IHK sind die Senioren jedes Jahr mit einem Stand vertreten. Um die 15 Menschen kommen dann zu ihnen, weil sie eine Geschäftsidee haben. Thomas: „Von den meisten hören wir danach leider nie wieder.“

Wer bei der Stange bleibt und sich von dem ehrenamtlich tätigen Trio begleiten lassen möchte, wird umfassend beraten. Egal, welche Start-up-Idee den Ratsuchenden vorschwebt. Thomas, Maschke und Müller reden keinem Gründer eine Idee aus. Aber sie verweisen auf mögliche Fehlentscheidungen und Fallstricke.

„Haben Sie auch einen Businessplan?“
Dieter Thomas, Seniorberater

Im Augenblick beraten sie eine Mittfünfzigerin, die ihre Leidenschaft für die Natur zum Grundstein ihrer Selbstständigkeit machen möchte. Die dreifache Mutter kommt ursprünglich aus der sozialen Branche, später absolvierte sie ein naturwissenschaftliches Studium. Wegen ihrer Kinder war sie lange Jahre nicht berufstätig. Trotz ihrer hervorragenden und vielfältigen Qualifikationen arbeitet sie laut Thomas derzeit in einem Job, der keinerlei Reiz für sie hat. Mit der Idee, sich selbstständig zu machen, trägt sie sich seit langem.

Menschen ohne Erfahrung mit Existenzgründungen tun sich beim Schritt in die Selbstständigkeit ganz neue Welten auf. Der Akademikerin zum Beispiel schwebt vor, im Landkreis Würzburg einen Laden zu eröffnen, in dem sie selbst kreierte Leckereien aus Früchten und Kräutern verkaufen möchte. Sie kennt sich mit Rezepten aus und hat eine Menge Ideen, wie man einen solchen Laden schön einrichten könnte. „Aber haben Sie auch einen Businessplan?“, wurde sie von Dieter Thomas beim letzten Treffen gefragt. „Ja“, meinte sie zögernd. Wobei sich rasch herausstellte, dass diesem Plan Hand und Fuß fehlt.

Dieter Thomas erklärte sich bereit, einmal auszurechnen, was sie umsetzen müsste, damit sich der Laden rentiert. „Das wären mindestens 3000 Euro im Monat“, so sein Ergebnis. Dann hätte die Frau unterm Strich aber gerade mal genug Geld, um die Ladenmiete mit allen Nebenkosten sowie das notwendige Material zu zahlen und sich selbst ein bescheidenes Gehalt zu genehmigen.

Gründer brauchen nicht nur viel Knowhow, was ihre konkrete Geschäftsidee anbelangt, bestätigt Walter Maschke. Daneben ist betriebswirtschaftliches Wissen unabdingbar. Und noch etwas sollten Gründer nach Ansicht des 71-Jährigen unbedingt mitbringen: „Gesundheit.“ Denn ein Geschäft aufzubauen, ist enorm anstrengend. Auch wenn die drei Senior-Partner von „Alt hilft Jung“ mit Rat und Tat zur Seite stehen, bleibt noch eine Menge zu tun, das einem niemand abnehmen kann. Von der Vorstellung, weiterhin „nur“ 40 Stunden wöchentlich zu arbeiten, müssen sich Gründer für längere Zeit verabschieden.

„Anderen bei der Gründung zu helfen, das hält uns fit“, erklärt Egon Müller das Engagement der drei. Müller ist 69 Jahre alt, Elektroingenieur von Beruf und Energieberater. Die Leidenschaft für das, was er jahrelang getan hat, um Geld zu verdienen, lässt ihn auch im Ruhestand nicht los: „Ich bin ständig in Haus und Hof mit Reparaturen beschäftigt.“ Bei „Alt hilft Jung“ engagiert er sich seit fünf Jahren. Auch hier bringt er in erster Linie sein technisches Können ein. Die aktuelle Klientin berät er zum Beispiel, wie sie ihr Geschäft möglichst effizient beheizen und mit Strom versorgen kann.

Auch Walter Maschke übte seinen Beruf mit Leidenschaft aus. In der Handwerkskammer hatte es der Beamte mit juristisch kniffeligen Fragen zu tun: „Etwa mit dem Arbeitsrecht.“ Er berät bei „Alt hilft Jung“ deshalb vor allem zu rechtlichen Fragen. Gibt es zum Beispiel Hygienevorschriften, die unbedingt beachtet werden müssen, wenn man Selbstgemachtes in einem Laden verkaufen will? Maschke: „Da möchte ich mich in den nächsten Tagen schlau machen.“

Jeder Beratungsfall erfordert, sich in ganz neue Themen hineinzudenken. Gerade das hält geistig jung, meint Dieter Thomas. Das Spektrum ist weit, so der 77-jährige Experte für Rechnungswesen: „Wir hatten sogar schon eine Bauchtänzerin, die sich selbstständig machen wollte.“ So weit er weiß, konnte die sich ihren Traum von einem eigenen Tanzstudio für Geschlechtsgenossinnen mit Spaß am Bauchtanz erfüllen.

Auch von einem anderen Gründer weiß Thomas, dass der Sprung in die Selbstständigkeit geklappt hat. Dabei handelte es sich um einen Mann, der Hausmeisterdienste anbieten wollte. Längere Zeit nach der Beratung wollte Thomas den Mann bitten, für ihn den Winterdienst zu übernehmen. Er erhielt eine Absage. Er habe so viel zu tun, meinte der Mann, dass es ihm leider nicht möglich sei, den Auftrag zu übernehmen.

Wer sich beraten lassen möchte, kann sich unter Tel. (09 31) 27 14 56 an Dieter Thomas wenden. Am 2. Oktober stellt sich „Alt hilft Jung“ bei der Mainfranken Messe in Würzburg vor. Am 16. November hat der Verein einen Stand auf der Gründermesse der IHK Mainfranken in Würzburg.

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