WÜRZBURG

Rechter Redner unerwünscht

Die Stadt Würzburg möchte nicht, dass der rechtskonservative Publizist Michael Paulwitz (Stuttgart) am Freitag an einem Rathaus-Empfang für den Bund der Vertriebenen (BdV) teilnimmt. Paulwitz, der am „Tag der Heimat“ eine Festrede halten soll, sei bei dieser Veranstaltung „unerwünscht“, ließ Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilen. Man erwäge sogar die Ausladung des BdV, so Stadt-Sprecher Christian Weiß.

Geplant ist bislang, dass Bürgermeister Adolf Bauer die Mitglieder des BdV und der Landsmannschaften aus Unterfranken am Freitagmittag im Rathaus empfängt. Anschließend soll dann im Veranstaltungszentrum der Pfarrgemeinde Heiligkreuz weitergefeiert werden. Angekündigt ist neben Gesangs- und Trachtenvorführungen eine Festrede von Michael Paulwitz unter dem bundesweiten Motto „Deutschland geht nicht ohne uns.“

Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass es sich bei Paulwitz (Jahrgang 1965) um ein Vorstandsmitglied der Republikaner in Baden-Württemberg handelt. In der rechtskonservativen Partei hat er seit vielen Jahren unterschiedliche Funktionen inne. Zuletzt kandidierte er für den Bundestag. Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Paulwitz als Autor der „Jungen Freiheit“. Die Zeitung gilt als Sprachrohr der sogenannten „neuen Rechten“. Aktuell kommentiert der Historiker in der Online-Ausgabe die Übergriffe auf Asylbewerber in NRW. Rechtsbrüche müssten verfolgt werden, schreibt Paulwitz. Doch statt Mitgefühl mit den Opfern zu zeigen, nutzt er die Gelegenheit, einmal mehr grundsätzlich gegen die Flüchtlingspolitik zu wettern, die seiner Ansicht nach Anreize schafft, „die den Asylmissbrauch lohnend erscheinen lassen“.

Dagegen hatte OB Schuchardt erst dieser Tage erklärt, die Stadt nehme gerne Asylbewerber auf und heiße sie willkommen. An die Würzburger appellierte er, den Flüchtlingen ein Gefühl von menschlicher Wärme und Sicherheit zu geben. Mit einem Auftritt von Paulwitz passe das nicht zusammen, so Weiß. „Würzburg ist bunt und freiheitsliebend“, die Stadt stehe für Offenheit und Toleranz und trete aktiv gegen Diskriminierung und Vorurteile ein.

Der Stadt-Sprecher betont, der BdV habe im Juli nach einem Empfang zum „Tag der Heimat“ gefragt. Diesem Wunsch habe man wie in den Jahren zuvor entsprochen. Für die Veranstaltung in Heiligkreuz sei hingegen allein der BdV verantwortlich, weder das Programm noch der Name eines Redners habe im Rathaus vorgelegen. Was nun passieren muss, damit es zu einer Absage des Empfangs kommt, darüber wollte Weiß nicht spekulieren. Offenbar hofft die Stadt, dass der BdV den umstrittenen Redner selbst auslädt.

Albert Krohn, der BdV-Bezirksvorsitzende, ist dazu nicht bereit. Er finde die Entscheidung der Stadt „nicht gut“ und halte an Paulwitz fest, sagte er. Der Publizist mit Vorfahren aus Ostpreußen sei ihm als geeigneter Redner zum Tag der Heimat empfohlen worden. Seine Positionen in der Asylpolitik müsse man nicht teilen, sie seien aber durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Dass Paulwitz Republikaner sei, wisse er, so Krohn. Die Partei sei aber nicht verboten.

Alexander Schmidt (Nürnberg) vom Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ ordnet die Artikel von Paulwitz am „rechten Rand dessen, was gerade noch erlaubt ist“, ein. Der Publizist vermeide geschickt plumpe Ausländerfeindlichkeit, äußere sich aber klar gegen eine offene, fremdenfreundliche Gesellschaft. Einen Republikaner sollten die Vertriebenen-Organisationen nicht als Gesprächspartner akzeptieren. Demokraten müssten da Trennlinien ziehen.

Und Paulwitz selbst? Der Publizist zeigte sich auf Nachfrage von den Nachrichten aus Würzburg überrascht. Ihm habe noch niemand gesagt, dass er „unerwünscht“ sei. Deshalb könne er die Situation auch nicht kommentieren. Prinzipiell aber dürfe er seine Meinung sagen, „auch wenn sie nicht jedem passt“.

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