WÜRZBURG

Rechtsanwälte: Kampf um Mandate im Gefängnis

Symbolbild Gefängnis Foto: Christoph Weiß

Wenn Bürger Rat bei einem Anwalt suchen, erwarten sie, nicht nur auf einen rechtskundigen, sondern auch auf einen rechtschaffenen Menschen zu treffen. Das ist aber nicht zwangsläufig der Fall. Auch unter Rechtsanwälten gibt es schwarze Schafe. Das mag daran liegen, dass längst nicht alle Anwälte von ihrer Arbeit gut leben können. Während nach Auskunft der Vorsitzenden des Würzburger Anwaltsvereins, Christina Glück, im Bundesdurchschnitt ein Anwalt auf 533 Einwohner kommt, sind es in Würzburg nur 236.

Weil wirtschaftliche Not zuweilen erfinderisch macht, haben von den rund 550 in der Stadt ansässigen Anwälten nicht alle eine weiße Weste. Einige saßen schon selbst auf der Anklagebank und wurden bestraft, weil sie zum Beispiel Geld von Mandanten veruntreut haben. Zwei Würzburger Anwälte haben nach ihrer Verurteilung wegen gravierender Straftaten keine Zulassung mehr.

Böse Gerüchte

Ein 51-Jähriger ist zwar auch vorbestraft, darf aber noch arbeiten. Es scheint jedoch, als sei seine Ein-Mann-Kanzlei in der Vergangenheit nicht allzu gut im Geschäft gewesen. Jedenfalls gab es Gerüchte, dass der Fachanwalt für Strafrecht im Gefängnis auf ungewöhnliche Art Werbung für sich gemacht haben soll. Untersuchungsgefangene erzählten, dass er ihnen Provisionen für die Vermittlung neuer Mandate gezahlt habe.

Inwieweit diese Vorwürfe stimmen, wurde nicht geklärt. Allerdings hat der vorbestrafte Anwalt, nachdem ein Kollege eine einstweilige Verfügung gegen ihn angestrengt hatte, im Herbst 2009 einen Vergleich geschlossen. Darin verpflichtet sich der 51-Jährige, „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne die Vorwürfe einzuräumen“, diese Art der Mandanten-Rekrutierung künftig zu unterlassen.

Nun ist der vorbestrafte Anwalt wieder ins Fadenkreuz seiner Kollegen geraten. Diesmal allerdings nur indirekt. Er vertritt als bezahlter Wahlverteidiger einen Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, der in Würzburg in U-Haft sitzt, weil er an illegalen Geschäften beteiligt gewesen sein soll. Und dieser Kollege soll in der Justizvollzugsanstalt am Friedrich-Bergius-Ring nicht nur eine renommierte Würzburger Kanzlei schlecht machen, sondern auch versuchen, ihre Mandanten abzuwerben und sie zu seinem Anwalt zu schicken.

Ein Vertreter der in Misskredit gebrachten Kanzlei hat jetzt, wie Oberstaatsanwalt Burkhard Pöpperl auf Anfrage bestätigt, Strafanzeige gegen den inhaftierten Juristen gestellt. Darin wird unter Nennung eines Zeugen erklärt, wie der inhaftierte Anwalt vorgegangen sein soll.

„Dreiste Lügen“

So ist die Rede davon, dass er in der JVA verbreite, die Anwälte der Kanzlei „verrieten“ die Interessen ihrer Mandanten, arbeiteten mit der Staatsanwaltschaft zusammen und seien interessiert daran, dass Untersuchungshäftlinge möglichst lange hinter Gittern blieben, um im Gefängnis Werbung für die Kanzlei machen zu könnten. Dem Zeugen soll der inhaftierte Anwalt geraten haben, sich nicht von dieser Kanzlei vertreten zu lassen, sondern zu dem vorbestraften Anwalt zu wechseln.

In der betroffenen Kanzlei ist man empört. „Das sind dreiste Lügen“, erklärt ein Vertreter auf Anfrage. Deshalb habe man den inhaftierten Anwalt „wegen übler Nachrede, Verleumdung und eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb angezeigt“.

Auch der vorbestrafte Anwalt, für den sein inhaftierter Kollege die Werbetrommel rühren soll, hat wieder Ärger mit der Justiz. Pöpperl bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft dem 51-Jährigen „Parteiverrat“ vorwirft. Der Fachanwalt für Strafrecht soll „sukzessive zwei Mandanten vertreten“ und einen davon begünstigt haben. Die Verhandlung ist für Anfang Dezember terminiert.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
6 6
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!