Sommerhausen

Reformationsspiel: Konfirmanden reisen in der Zeit zurück

Mit der Obrigkeit legt man sich besser nicht an: Beim Reformationsspiel in Sommerhausen fühlten sich die Teilnehmer ins Mittelalter zurückversetzt. Foto: Fabian Gebert

Bereits auf dem Weg zur Bartholomäuskirche steigt den Besuchern der Geruch von Rauch in die Nase. Überall am Wegrand sind Kohlenpfannen aufgestellt. Die Altstadt ist weitestgehend für Autos abgesperrt. So können sich die 100 Laienschauspieler ganz dem mittelalterlichen Treiben hingeben: Die evangelische Jugend inszeniert an diesem schönen Samstagnachmittag zum zweiten Mal ihr Reformationsspiel in Sommerhausen.

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Reformationsspiel

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Um zehn Uhr geht es los. Ob Bauern, Mägde, Adelige oder Mönche: Alle strömen auf den Kirchplatz zu, wo der Dominikanermönch Johann Tetzel erwartet wird. Die 160 Konfirmandinnen und Konfirmanden, die aus etlichen Gemeinden des Dekanats Würzburg angereist sind, warten dort bereits bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein.

Ablassprediger Tetzel wird wütend

Dann zieht der Ablassprediger Tetzel, der wie schon 2017 von Oliver Trahndorff dargestellt wird, mit seinem Gefolge ein. Allen Anwesenden verspricht er, Gott würde ihnen ihre Sünden vergeben. Sie müssten dazu nur einen Ablassbrief kaufen. Dieser Forderung kommen einige Dorfbewohner nach. Jedoch nicht alle: „Wir müssen das ganze Jahr arbeiten, damit wir einen Ablassbrief bezahlen können“, klagt eine Magd. „Martin Luther sagt, Gottes Gnade gibt es nicht für Geld“, sagt ein Bauer. Tetzel wird wütend und lässt den Mann von seinen Bütteln in den Kerker werfen. Jedem, der auf die Thesen von Luther höre, solle es ebenso ergehen, droht der Prediger.

Aufrührerische Thesen an der Kirchentüre. Foto: Fabian Gebert

Damit beginnt das Spektakel für die Konfirmanden. In drei Themenbereichen müssen 15 Gruppen unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Der gesamte Altort wird als Kulisse genutzt. „Zwei unserer Freunde wurden eingesperrt!“, ruft eine Konfirmandin verzweifelt. Um sie zu befreien, benötigt die Truppe einen Schlaftrunk, der die Wachen des Kerkers einschläfern soll. Auf der Suche nach den Kräuterfrauen ist der Hunger dann aber doch zu groß, und so macht die Gruppe Rast an einer Bäckerei, in der selbst „Eisenkuchen“ gebacken werden kann.

Auf der Flucht vor den Bütteln

Eine andere Gruppe hat den Schlaftrunk bereits ergattert und die Gefangenen befreit. Nun können sich die Konfirmanden von Diakonin Claudia Grunwald der nächsten Aufgabe widmen. Doch Vorsicht ist weiterhin geboten: Überall patrouillieren die Büttel, die das Verlies zu füllen versuchen. Mit Gebeten und Gesängen lassen sie sich jedoch meist von einer Ergreifung abbringen.

Lecker: Essen wie anno dazumal. Foto: Fabian Gebert

Die Schwestern Franziska und Annalena Schmücker sind als Betreuer der Veitshöchheimer Gruppe dabei, um Claudia Grunwald unter die Arme zu greifen. „Die Konfis wussten vorher nichts Genaues über die Veranstaltung. Wir haben ihnen nur gesagt, dass ein Konfitag mit anschließendem Gottesdienst bevorsteht. Dass manche der 13- bis 15-Jährigen ihren Samstag lieber anders verbringen würden ist klar, aber der spielerische Ablauf zieht sie dann doch mit“, sagt Annalena Schmücker.

Über eine Wiederholung ist noch nicht entschieden

Dekanatsjungreferent Frank Grohmann erklärt, dass viele Bürger der Stadt dazu bereit waren, beispielsweise ihre Keller zur Verfügung zu stellen oder ihre Rollen von 2017 wieder einzunehmen. „Die Sommerhäuser sind Festivitäten gewohnt“, freut er sich über die Hilfsbereitschaft. Doch auch die Kostüme, die als Leihgabe des Würzburger Stadttheaters und der Florian-Geyer-Festspiele ihren Weg zum Reformationsspiel fanden, sowie die Darsteller selbst mussten organisiert werden.

Wer schreiben kann, ist ein viel gefragter Mann. Foto: Fabian Gebert

Mit dem Verlauf der Veranstaltung ist Grohmann sehr zufrieden. Dennoch denke man über das Veranstalten eines dritten Reformationsspiels für 2021 noch nach. Der Aufwand sei immens und die Mithilfe der Beteiligten nicht selbstverständlich. ­­„Es bleibt die Auswertung des Festes abzuwarten“, so Grohmann.

Ablassbrief gefällig? Nur gegen Geld, versteht sich. Foto: Fabian Gebert
Auch beim Bogenschießen konnten sich die Teilnehmer versuchen. Foto: Fabian Gebert
Waffeln backen mit den Hilfsmitteln von früher. Foto: Fabian Gebert

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