RIMPAR

Regisseur und Schauspieler verkracht

Der Schein trügt: So lustig wie es auf unserer Fotomontage aussieht ging es auch im vergangenen Jahr beim Rimparer Theatersommer nicht mehr zu. Foto: Fotomontage: Mintzel

Der Rimparer Theatersommer fällt in diesem Sommer aus. Der Grund: Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Laienspielgruppe Rimpar ist bei der Mitgliederversammlung im März zurückgetreten. Dahinter steckt ein handfester Krach zwischen Adolf Albert, der nicht nur Vorsitzender, sondern auch Regisseur ist, und einigen Mitgliedern. An diesem Freitag, 12. April soll nun ein neuer Vorstand gewählt werden.

Was genau vor und während der Mitgliederversammlung im März passiert ist, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Die meisten Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Allerdings scheint es bereits im vergangenen Sommer zu Differenzen zwischen Albert und den Mitgliedern gekommen zu sein. Albert soll bei der Premiere 2012 einige Darsteller massiv kritisiert haben, was zum Unmut unter den rund 70 Mitgliedern geführt haben soll.

Ein Darsteller habe jedenfalls zurückgeschossen und Albert vorgeworfen, dass seine Regiearbeit nicht gut sei. Albert habe deshalb sein Amt als Regisseur niedergelegt, dann aber wieder aufgenommen. „Ich habe mir erlaubt nach 18 Jahren einige Schauspieler zu kritisieren. Da ist die Situation etwas eskaliert“, sagt Albert.

So kriselte es im Verein seit dem Sommer. Bei der Mitgliederversammlung im März kam es dann zum Bruch. Heinz Kess, seit Jahren Mitglied und >Schauspieler, berichtet der Main-Post, dass Albert ihn und zwei weitere Mitglieder zum Vorstand zitiert habe: „Er hat klar gesagt, dass er mit uns nicht mehr arbeiten möchte.“ Jetzt hängte Adolf Albert selbst die Arbeit als Vorsitzender und Regisseur an den Nagel. „Ich werde mich in der Theatergruppe nicht mehr beteiligen“, sagt Albert im Hinblick auf die Wahlen am Freitag.

„Es gab Knatsch, das streite ich nicht ab“, sagt Frank Hochstetter, zweiter Vorsitzender des Vereins. Doch vor den Neuwahlen am Freitag möchte er sich nicht weiter äußern. Es habe Differenzen über die Regietätigkeit und die Arbeit als Vorstand gegeben. „Einige Mitglieder sind der Meinung, dass Vorstand und Regisseur nicht unbedingt eine Person sein müssen. Herr Albert sieht das anders“, sagt Hochstetter. Er ist aber überzeugt, dass die Arbeit des Vereins weitergeht und der Theatersommer dann im Herbst stattfinden wird – dann eben in geschlossenen Räumen statt im Hof des Rimparer Schlosses.

Albert selbst sagt, er sei einverstanden gewesen, die Regie abzugeben – allerdings nur an jemanden von Außen. Er bezweifelt, dass ein Vereinsmitglied als Regisseur eine Verbesserung bringen würde. „Ich habe die Selbstdarstellung einiger Leute kritisiert und manche haben sich in ihrer Eitelkeit gekränkt gefühlt. Ich wurde auch immer wieder kritisiert, aber so ist das eben“, sagt Albert.

„Wenn einige zum ursprünglichen Theater zurück wollen, dann soll es so sein. Meins ist das nicht.“
Adolf Albert Regisseur und Vorsitzender

Nicht nur über die Regiearbeit, auch über die Richtung und Ideen der Veranstaltung gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Heinz Kess zum Beispiel glaubt, dass es das Publikum vergrault, wenn man Künstler von außerhalb holt oder ein erotisch angehauchtes Stück auf die Bühne bringt.

„Wenn einige sagen, sie möchten zum ursprünglichen Theater zurück, dann soll es so sein. Meins ist das nicht“, sagt Albert entschieden. Über den Vorfall in der Mitgliederversammlung sei Albert niemandem böse: „Ich nehme mir jetzt ein Jahr Auszeit und nächstes Jahr schauen wir dann.“

Heinz Kess ist seit 1992 dabei und möchte, dass der Verein seinem gemeinnützigen Ziel, Volksgut unter die Bevölkerung zu verbreiten, treu bleibt. Er kann sich vorstellen neben anderen Veranstaltungen auch Bauerntheater wieder ins Programm zu holen. „Ich werde abwarten, was der neue Vorstand vorhat. Wenn es im ursprünglichen gemeinnützigen Sinne des Vereins ist, bleibe ich dabei. Sollte es aber anders ausfallen, werde ich selbst etwas auf die Beine stellen. Ich habe genug Unterstützung“, sagt Kess.

Der Laienschauspieler klagt: „Wir haben die Zuschauer verloren, die uns unterstützt haben. Der Verein muss sich das Ansehen wieder zurückverdienen.“ Kess sucht die Schuld aber nicht nur bei anderen: „Wir hätten besser aufpassen müssen nicht abzuheben, und früher reagieren sollen.“ Als Vorsitzender habe Adolf Albert aber 18 Jahre lang sehr gute Arbeit gemacht, sagt Kess.

Siegbert Mahler, der ebenfalls seit der Vereinsgründung 1992 als Schauspieler dabei ist, glaubt „so etwas kann in jedem Verein passieren. Der neue Vorstand soll seine Pläne vortragen und dann schauen wir weiter. Ich warte erst mal ab.“

Josef Fischer, ebenfalls aktives Mitglied, erklärt: „Es gab eine Meuterei auf dem Schiff und das war so nicht in Ordnung. Wenn man mit etwas nicht einverstanden ist, sollte man das den Verantwortlichen sagen und nicht heimlich etwas stricken. Da muss die Crew zusammenhalten.“ Dass Adolf Albert nun nicht mehr weitermachen will, ist für Fischer „menschlich absolut nachvollziehbar“.

Die Mitglieder, die Alberts Regiearbeit kritisieren, wehren sich gegen den Vorwurf der Heimlichkeit. Die Kritik sei offen geäußert worden, erklärt Heinz Kess.

Am Freitag wird sich in der Mitgliederversammlung zeigen, ob sich die Wogen noch glätten lassen und welchen Weg der Theaterverein gehen wird.

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