WÜRZBURG

Regisseurin Cornelia Grünberg: "Ein Filmniveau wie bei der Berlinale"

Beim Empfang: Cornelia Grünberg mit Festivalchef Thomas Schulz (rechts) und Vorstand Christian Molik am Eröffnungsabend.

Das Besondere am Würzburger Filmfestival sind nicht zuletzt die Gäste aus der Filmbranche, die Regisseure und Schauspieler, die nach den Vorführungen mit den Zuschauern über ihre Werke sprechen. Über 20 Filmschaffende sind beim 41. Internationalen Filmwochenende, das noch bis Sonntag im Central-Kino läuft dabei. Eine von ihnen ist die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Cornelia Grünberg.

Sie präsentiert ihren Dokumentarfilm „Achtzehn – Wagnis Leben“. Die 55-jährige Berlinerin zeigt sich vom Festival sehr angetan: „Vom filmischen Niveau her wie die Berlinale.“ Grünberg ist bereits zum vierten Mal in Würzburg: 1996 präsentierte sie ihren ersten Spielfilm „Paul IV“, eine Verfilmung des Romans „Paul Vier und die Schröders von Andreas Steinhöfel“, ein paar Jahre später zeigte sie „Zwei in einem Boot“, vor zwei Jahren war sie mit „Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten zu Gast“. Das war der Auftakt zum Projekt „14-18-28“, mit sich Grünberg seit über zehn Jahren beschäftigt.

Es geht um vier Mädchen unterschiedlicher sozialer und regionaler Herkunft, die ungewollt schwanger wurden – und sich fürs Kind entschieden haben. Grünberg begleitet ihre Filmmädchen, die mittlerweile junge Mütter sind, in einer Langzeitdokumentation. In „Vierzehn“ zeigte sie den Weg von Lisa, Steffi, Laura und Fabienne vom ersten Verliebtsein und ungewollter Schwangerschaft bis kurz nach der Geburt des Kindes. In „Achtzehn“, der im vergangenen Oktober in die Kinos kam, ist der Weg der jungen Mütter bis zu ihrem 18. Geburtstag zu sehen, wie die jungen Frauen mit ihrer Verantwortung und dem Alltag als Mutter fertig werden.

Um das möglichst authentisch darzustellen, steht Grünberg in ständigem Kontakt mit ihren Darstellerinnen, bevor sie auf Dreh-Tournee geht. Lisa, Steffi, Laura und Fabienne kommen aus Thüringen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Aus 200 bis 250 Stunden Drehmaterial entstand der 100-minütige „Achtzehn“-Film.

„Ich will damit nicht die Welt verändern“, sagt Grünberg, „aber etwas Aufklärungsarbeit leisten.“ Denn ihre Erfahrung ist, dass trotz Internet und sozialer Netzwerke die wenigsten jungen Menschen von Sexualität oder Verhütung viel Ahnung haben. Es ist „ein wichtiges Thema“, mit dem sie in erster Linie die Jugendlichen ansprechen und natürlich auch erreichen will, aber auch diejenigen, „die künftige Generationen betreuen oder betreuen werden“: Mitarbeitern von Schwangerenkonfliktberatungen, Sozialarbeitern und Studenten von Sozialberufen will Grünberg mit der Dokumentation („Vierzehn“ gibt's auch als DVD) etwas an die Hand geben, das zeigt „wie es wirklich ist“.

Dafür ist die Regisseurin und Produzentin intensiv auf Werbetour, das Würzburger Filmfestival dafür eine gute Plattform: Am Freitagvormittag lief „Achtzehn“ als Schulvorstellung, am Nachmittag im Normalprogramm, an diesem Samstag ist er nochmals zu sehen.

Es dürfte nicht der letzte Besuch von Grünberg beim Festival sein, denn das Langzeitprojekt geht weiter. Als letzter Teil der Trilogie wird in ein paar Jahren „28“ zu sehen sein, wenn die Kinder von Lisa, Steffi, Laura und Fabienne in der Pubertät sind. Parallel dazu läuft die Arbeit an „Zehn“, eine Dokumentation über die Kinder der ehemaligen Kinder. Und „Arte“ zeigt nächstes Jahr „Vierzehn“ „Achtzehn“ als Zweiteiler.

Warum sich Grünberg jahrelang an das Projekt bindet? „Weil es Spaß macht“ und die Filmemacherin einen Bezug hat. „Ich wollte nie Kinder haben, sondern eine große Künstlerin werden.“ Mit 20 Jahren bekam sie stattdessen den ersten ihrer beiden Söhne – und muss heute feststellen: „Dadurch bin ich einen neuen, aber geraden Weg gegangen.“

Auf diesem begleitet sie seit 30 Jahren ihr Mann Andreas, Co-Autor, Inhaber einer Produktionsfirma und Mediendozent. Seinetwegen ist der Besuch beim Festival auch eine Art Heimspiel: Andreas Grünberg stammt aus Lohr. Nicht wegen dieser lokalen Verbundenheit ist Grünberg vom Festival begeistert, sondern wegen des „sehr gut ausgewählten Programms mit tollen Filmen“ und des ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiter: „Hut ab, wie die das schaffen.“ Welchen Film sie sich anschaut? Einen, der sich auch mit Eltern und Kindern beschäftigt – „Familienfieber“.

Filmtipp: „Achtzehn – Wagnis leben“ ist an diesem Samstag um 13 Uhr beim Filmwochenende zu sehen. Den ersten Teil der Langzeitdokumentation „Vierzehn“ zeigt das Bayerische Fernsehen, am Dienstag, 3. Februar, um 22.45 Uhr.

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