WÜRZBURG

Reizklima beim Thema Treibhausgase

Die Fachleute warnen: Hitztage mit Temperaturen über 30 Grad werden in Würzburg immer mehr zunehmen.DPA Foto: Foto:

Ein Paket von über 200 Seiten hatte der Umwelt- und Planungsausschuss des Stadtrats in dieser Woche vor sich liegen und tat sich schwer damit. Das erste integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt, mit dem vor Ort dem Klimawandel begegnet werden soll. Nach Jahre langer Vorarbeit und einem Auftrag an die renommierte B.A.U.M. Consult GmbH, Ziele zu formulieren, wie man die schon 2009 erklärte Vorgabe, die Treibhausgase in der Stadt bis 2020 zu halbieren, realistisch erreichen kann, erzeugte das wissenschaftliche Werk zwei Fronten.

„Jetzt sind wir an der Stelle, wo wir Farbe bekennen müssen“, frohlockte Patrick Friedl von den Grünen und sprach von einem „guten Tag für Würzburg“. Vor allem bei der CSU war deutliche Skepsis zu spüren, weil man eine unüberschaubare Handlungsanweisung befürchtete, die den Stadtrat auf Dauer in seiner Entscheidungsfreiheit beschränken könnte. Einfach „zur Kenntnis nehmen“ wollte man das Werk dann aber doch nicht. Das Gremium stimmte dem Konzept einhellig als „Potenzialanalyse“ zu. Das heißt, der Stadtrat kann und muss jetzt konsequent Zielvorgaben abarbeiten.

Das Ziel, das CO• bis 2020 zu halbieren, ist realistisch, zumal die Ausgangsbasis einige Jahre zurückliegt, und die Stadt mit der Umstellung des Heizkraftwerks an der Friedensbrücke von Kohle und Öl auf Gas für die Energieversorgung schon einen beträchtlichen Teil erfüllt hat.

Jetzt muss es aber weiter gehen auf breiter Basis sowie unter Beteiligung der Wirtschaft und der gesamten Bevölkerung. Und es ist auch völlig klar, dass es ohne neue Denkweisen für den Verkehr in der Stadt nicht gehen wird. Auch in der Energie-Gewinnung müssen neue Wege eingeschlagen werden.

Das Konzept beruht auf zwei Säulen. Einmal: die klimawirksamen Treibhausgase zu reduzieren, und zweitens: sich gleichzeitig den Folgen des fortschreitenden Klimawandels ständig anzupassen.

„Würzburg ist bereits jetzt von der Erwärmung besonders betroffen.“

Studie des Instituts für Geografie und Geologie der Uni Würzburg

Die sind nämlich längst Wirklichkeit. Im Mittelwert sind in Würzburg die Sommer um 1,1 Grad wärmer geworden, die Winter um 1,4 Grad. Die Niederschläge sind bereits deutlich gesunken, sowohl im Winter, als auch im Sommer. Gerade Würzburg und Unterfranken gilt bei den Experten als „Hot Spot“ des Klimawandels. In das vorliegende Konzept ist auch eine Studie des Instituts für Geografie und Geologie der Uni Würzburg eingegangen, die besagt, dass die Stadt bereits jetzt von der zunehmenden Erwärmung betroffen sei.

Die Szenarien, die für die nächsten Jahrzehnte von den Wissenschaftlern beschrieben werden, wirken gespenstisch. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden 50 Hitzetage mit über 30 Grad pro Jahr vorausgesagt, ebenso ein starker Anstieg der Tropennächte nicht unter 20 Grad. Senioren und Kranke werden darunter leiden, aber auch Gesunde werden sich in diesen Zeiten aus der Innenstadt zurückziehen. Im Sommer wird der Energieverbrauch aufgrund des großen Kühlbedarfs steigen. Im Sommer nehmen auch die Niederschläge deutlich ab, gleichzeitig nimmt die Wasserknappheit zu. Durch Starkregenfälle wegen der Hitze im Sommer und mehr Regen im Winter und Frühjahr wird die Hochwassergefahr deutlich steigen.

Skeptiker im Stadtrat wie Wolfgang Roth (CSU) nannten verschiedene Punkte im Konzept unrealistisch: Für mehr Biogas fehle die Masse, für neue Windkraftanlagen gebe es im Stadtgebiet keine geeigneten Standorte. Hans Schrenk (SPD) meinte, der Bürger könne aus den 200 Seiten nichts Brauchbares herauslesen. Keiner wisse, was er richtig macht, wenn er sein Haus aus den 50er Jahren sanieren will. Umweltreferent Wolfgang Kleiner warnte, wenn der Stadtrat dem Papier nicht zustimme, würde er sich von seinem Beschluss vor drei Jahren, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, verabschieden. Für OB Rosenthal war die Diskussion unverständlich. Es sollten Ziele formuliert werden, die lägen nun vor.

Das umfangreiche Werk beinhaltet eine Reihe von Handlungsfeldern, an die Stadtrat und Verwaltung herangehen müssen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Es gibt auch konkrete Maßnahmenkataloge zu den Bereichen Rund ums Haus, Energie, Unternehmen und die Fragen der künftigen Mobilität. Die Redaktion wird in den nächsten Wochen konkret auf die Szenarien eingehen.

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