WÜRZBURG

Rennen am Rennweg nur noch Fußgänger?

Das Weltkulturerbe der Residenz schützen. Dessen Umfeld aufwerten. Eine neue Straßenbahn daran vorbeiführen. Und: Am benachbarten Mozartareal eine Stadtgalerie entwickeln. Eine Herkulesaufgabe, diese Interessen unter einen Hut zu bringen. Am Dienstag beschäftigte sie den Planungsausschuss des Stadtrates über mehrere Stunden.
Mit der bestehenden Mauer verbunden werden soll die Straba-Haltestelle gegenüber der Residenz – inklusive Treppenaufgang in die Hatzfeld'schen Gärten. Foto: Animation WVV – Repro MP

Als neuralgischer Punkt trat mehrfach die angedachte Schließung des Rennwegs zwischen Oegg-Tor und Balthasar-Neumann-Promenade für den Autoverkehr zutage. Sie wird seitens der Residenz gewünscht, weil die Abgase dem Weltkulturerbe zusetzen. Vorgespräche mit der Unesco bzw. deren beauftragter Fachstelle Icomos haben die Richtung gewiesen:

Danach ist die Rennweg-Sperrung und Rückpflasterung in den Management-Plan zum Schutz des Weltkulturerbes eingeflossen. Dieser wurde am Dienstag andiskutiert. Bis zur Sitzung am 3. Dezember können die Stadträte das über 100 Seiten dicke Werk noch genauer studieren.

Der Rennweg-Rückbau ist auch eine Grundlage für den städtebaulichen Wettbewerb zur Residenz-Erschließung, der am Dienstag auf den Weg gebracht wurde. Hier winken der Stadt 1,6 Millionen Euro Förderung durch den Bund für die Verbesserung rund um die Residenz.



Und genau diese soll im Verbund mit der neuen Straßenbahntrasse für die Linie 6 ans Hubland angepackt werden. Wie berichtet, führt sie aus der Theaterstraße kommend an der Residenz vorbei und durch die Schwarze Promenade Richtung Neubaukirche. Auch für die neuesten Straba-Planungen gilt die Rennweg-Schließung als gesetzt – was einige Stadträte verwunderte.

Die CSU will – bei Sympathie für das Gesamtkonzept rund um die Residenz – darüber nochmal beraten und laut Wolfgang Roth möglicherweise einen Antrag dazu formulieren. Überrascht, „ja fast schockiert“ zeigte sich Charlotte Schloßareck vom Bürgerforum: „Wie sollen denn Auswärtige noch in die Stadt kommen?“

Es müsse ein Ausgleich zwischen den Verkehren gefunden werden, mahnte Oberbürgermeister Georg Rosenthal.

Gleichwohl hielt er ein leidenschaftliches Plädoyer für die Straßenbahn. Sie werde nachgewiesenermaßen viel besser akzeptiert als Busse. Einziger Fundamentalgegner der neuen Straßenbahn blieb Klaus Zeitler (Würzburger Liste), der lieber auf neue Technologien wie Elektromobilität setzen möchte.

Es sei wichtig, bei dem 125 Millionen Euro teuren Strabaprojekt – zwei Drittel sollen an Fördermittel fließen – eine breite Mehrheit zu behalten, so die Hoffnung von Grünen-Fraktionschef Matthias Pilz. Das mit der Vorplanung beauftragte Büro präsentierte drei Trassenvarianten entlang der Residenz – wobei nach ersten Reaktionen durchaus ein Favorit zu erkennen ist: ein Gleisverlauf entlang der Häuserseite mit Haltestelle zwischen Volksbank und Alter Staatsbank.

Die Hofstraße könnte zur gepflasterten Fußgängerzone werden; mit einer Einbahnstraße an der Schwarzen Promenade wären alle vier Reihen der Baumallee zu erhalten. Mit dieser Lösung, so Straßenbahnchef Thomas Schäfer, würden die Ampeln vor der Residenz und weitere Masten wegfallen. Er hofft, dass demnächst die Verkehrsanalysen dazu vorliegen. Erste Erkenntnisse seien aber positiv.

Im Blickpunkt

Heute „Stadtgespräch“ zur Linie 6

Ebenfalls um die neue Straßenbahn von der Innenstadt ans Hubland geht es am heutigen Mittwochabend beim nächsten „Stadtgespräch“ von Main-Post und Rudolf-Alexander-Schröder–Haus. Es findet im Saalbau Luisengarten (Martin-Luther-Straße 1) statt und beginnt um 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr).

Am Podium diskutieren Thomas Schäfer (WVV), Straßenbahn-Experte Thomas Naumann, Heiko Brückner (Regierung von Unterfranken) und Stefan Kummer (Verschönerungsverein). Es moderiert Andreas Jungbauer (Main-Post). Im zweiten Teil kommt auch das Publikum zu Wort.

 

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