WÜRZBURG

Riesiges Interesse am eigenen Programmkino

Start im Theater: Die Unterdrückung von Kindern vor dem Ersten Weltkrieg, beispielsweise durch einen evangelischen Pfarrer (links), schildert der für einen Oscar nominierte Film „Das weiße Band“. Der Streifen läuft am 9. März um 20 Uhr im Chambinzky im Rahmen einer provisorischen Filmreihe und soll Lust auf ein Programmkino machen.
Start im Theater: Die Unterdrückung von Kindern vor dem Ersten Weltkrieg, beispielsweise durch einen evangelischen Pfarrer (links), schildert der für einen Oscar nominierte Film „Das weiße Band“. Der Streifen läuft am 9. März um 20 Uhr im Chambinzky im Rahmen einer provisorischen Filmreihe und soll Lust auf ein Programmkino machen. Foto: DPA

„Ausverkauftes Haus“ bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Programmkino auf genossenschaftlicher Basis: Knapp 400 Besucher im Luisengarten machten das starke Interesse an seiner solchen Einrichtung deutlich und übertrafen selbst die optimistischen Erwartungen von Muchtar Al Ghusain. Der Kulturreferent hatte mit einer Initiativgruppe „Kinokultur“ das Projekt angeschoben.

Anlass war die Schließung des „Corso“-Kinos und eine große Unterschriftenaktion mit der Forderung nach einem Programmkino. Auf städtischer Basis wird es das nicht geben, betonte Al Ghusain. Kinobetrieb sei keine primäre kommunale Aufgabe. Stattdessen soll es ein Programmkino mit einer gemeinnützigen Genossenschaft als Träger geben. Als einmalige Einlage sind pro Mitglied 100 Euro vorgesehen.

Der bisherige Zuspruch stimmt Al Ghusain zuversichtlich, dass die Genossenschaft bei der für Mai geplanten Gründungsversammlung zustande kommt. Bereits vor der Infoveranstaltung hatten rund 200 Leute Interesse an einer Mitarbeit bekundet. Bei der Versammlung kamen weitere 133 Interessenten hinzu.

 

Rund 150 ehrenamtliche Helfer für den Kinobetrieb ist die Wunschvorstellung des Kulturreferenten. Auf dem Infoflyer der Stadt und im Internet (www.wuerzburg.de) können Interessenten ankreuzen, wo sie mitarbeiten möchten, ob bei Technik, Organisation oder Programmauswahl. Das Kulturamt will diese Interessen in den nächsten Wochen kanalisieren und Arbeitsgruppen bilden.

Vorbild für die Würzburger Initiative ist das „Kino am Kocher“ im württembergischen Aalen. Vorstandsmitglied Friedrich Erbacher berichtete ausführlich über Genossenschaft und Kinobetrieb: Bei 530 Mitgliedern zählt man auf rund 80 aktive Helfer. Bei bis zu sieben Spieltage pro Woche und einem Kinosaal mit 70 Plätzen kommen rund 10 000 Besucher pro Jahr. Der Betrieb finanziert sich hauptsächlich über Eintrittsgelder (6,50 Euro pro Vorstellung) und die ehrenamtliche Mitarbeit. Die Unterstützung der Stadt sei „marginal.“

Auch in Aalen gibt es ein Großkino, das dort Omniplex heißt und vornehmlich jüngeres Publikum hat. Die Zielgruppe des Programmkinos nannte Erbacher „30 plus“. Diese Altersklasse stellte auch weitgehend das Publikum im Luisengarten.

Zielgruppe „30 plus“

Erbacher machte den wirtschaftlichen Druck deutlich: Für unkonventionelle Filme, die wenig Zuschauer ansprächen, habe man ein nur sehr kleines Budget. Anwalt Rüdiger Herzog informierte über die angestrebte gemeinnützige Genossenschaft und unterstrich die wirtschaftlichen Zwänge: „Unterm Strich muss eine schwarze Null stehen.“ Ein Programmkino könne kein „Experimentalkino“ sein. Laut Erbacher wollten die Leute ohnehin eher „was Lustiges“ als Problemfilme sehen. Die Diskussion darüber hielt sich trotz zahlreicher Cineasten im Raum in Grenzen.

Bis das Wunschziel Programmkino in der Frankenhalle erreicht ist, soll eine Übergangsspielstätte mit etwa 130 Plätzen gefunden werden. Ob das US-Kino auf dem früheren Leighton-Areal eine Alternative ist, wie ein Zuhörer anfragte, hat man laut Al Ghusain noch nicht prüfen können.

Erfolgreich geprüft ist indes das Interesse Würzburger Programmkino-Fans, von denen Al Ghusain hofft, dass sie weiter bei der Stange bleiben. Der nächste Test ist, wenn im März im Chambinzky „Die Anwälte“ und „Das weiße Band“ gezeigt werden. Als Appetitanreger für ein zunächst erst einmal mobiles Programmkino.

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