RIMPAR

Rimparer Firma baut Spulen für die ganze Welt

Rimparer Firma baut Spulen für die ganze Welt
Ein Mitarbeiter der Firma Rapid Biomedical arbeitet an einer Spule für ein MRT-Gerät. Foto: Daniel Peter

Handarbeit im Technologiepark. Was paradox klingt, ist in Rimpar Realität: Die Firma Rapid Biomedical stellt Spulen für die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) her – jede einzelne handgefertigt, fast keine wie die andere.

Viele kennen die riesigen weißen Geräte aus dem Fernsehen oder von einer eigenen Behandlung. Vom Knieproblem bis zum Hirntumor, MRT-Diagnostik ist weit verbreitet, der Satz „Dann schieben wir Sie mal in die Röhre“ fast schon ein Klischee. Rapid Biomedical liefert einen ganz wesentlichen Teil der MRT-Technik: Spulen. Dr. Florian Odoj ist Geschäftsführer und früherer Mitgesellschafter des Rimparer Unternehmens. Der Physiker erklärt die Funktion der Produkte an einem Beispiel: „Unsere Spulen kann man mit dem Objektiv einer Kamera vergleichen. Die Beschaffenheit der Spule entscheidet darüber, wie genau das Bild ist und was abgebildet wird. Außerdem müssen wir die verwendete Spule an die Körper-Region anpassen, die wir untersuchen wollen.“ Es gibt also gewissermaßen Kopf-Spulen, Herz-Spulen, oder auch Knie-Spulen. Je nachdem, was der Mediziner untersuchen will, muss er das richtige Teil wählen.

Um das zu verstehen, muss man wissen, wofür die Spule im MR-Tomographen zuständig ist: Sie registriert, wie sich die körpereigenen Wasserstoffatome im Magnetfeld der Röhre bewegen. Aus den aufgezeichneten Signalen entsteht dann ein Bild. Viele der herkömmlichen Untersuchungen können mit Spulen durchgeführt werden, die MRT-Hersteller beim Kauf „mitliefern“.

„Wo deren Angebot aufhört, da setzen wir an“, beschreibt Sabine Herr die Ausrichtung von Rapid Biomedical. Sie ist im Unternehmen zusammen mit zwei Kollegen für Marketing und Verkauf zuständig. „Bei uns fragen Forscher an, die hoch spezialisierte Spulen brauchen. Da geht es zum Beispiel darum, bestimmte Gehirnareale hochauflösend darzustellen, oder die schwingenden Stimmbänder eines Opernsängers sichtbar zu machen.“ Da es sich häufig um Sonderanfertigungen und Einzelstücke handelt, vergehen von der Bestellung bis zur Auslieferung gerne einmal drei bis sechs Monate.

Gefertigt werden die Stücke da, wo sie auch entworfen werden: in Rimpar. Im Erdgeschoss arbeitet die Abteilung Mechanik am Gehäuse der Spule, im ersten Stock entsteht in der „Abteilung für kundenorientierte Lösungen“ unter der Leitung von Dr. Alexander Weisser das Innenleben. Außerdem befinden sich in den drei Pavillons im Technologiepark an der Kettelerstraße das Lager, die Forschungsabteilung und die Verwaltung. Etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt Rapid Biomedical, darunter neun Physiker und mehr als 20 Ingenieure, Techniker und Meister.

Angefangen hat das Unternehmen erheblich kleiner: Im Jahr 1998 entstand es aus Forschungen eines Lehrstuhls der Universität Würzburg. Der damalige Inhaber des Lehrstuhls „Experimentelle Physik“, Professor Axel Haase, hatte schon seit mehreren Jahren Spulen für Forschungsprojekte an der Uni gebaut. Mit der Erfahrung, die er und seine Doktoranden dadurch auf dem Gebiet gesammelt hatten, wagten sie den Sprung in die Wirtschaft. Die ersten Angestellten und späteren Mitgesellschafter des Unternehmens, Florian Odoj, Titus Lanz und Alexander Weisser, haben auch heute noch leitende Positionen inne. Ulrike Haase, Ehefrau des Wissenschaftlers, leitete von der Unternehmensgründung bis 2015 die Geschäfte.

Mit ihrem Ruhestand wurde die Firma an Felix Faskerty verkauft. Der private Unternehmer ist Inhaber der Fastron-Gruppe, die Spulen und ähnliche Bauteile für andere Anwendungsbereiche herstellt.

So sehr die Firma an ihrem Standort in Rimpar verwurzelt ist, so international sind die Geschäftsbeziehungen: „Wir machen zwar den größten Teil des Umsatzes in Deutschland, aber unsere Spulen sind in fast jedem Land Europas im Einsatz“, sagt Sabine Herr. An der Weltkarte im Konferenzraum sind mit Stecknadeln noch viele weitere Länder und Orte markiert: Japan, Singapur, Brasilien, Kanada. Viele Nadeln stecken auch in Städten der Vereinigten Staaten, sogar auf Hawaii gibt es eine Spule aus Rimpar.

Das Geschäft in Nord- und Südamerika wird aus den USA koordiniert. Die 2006 gegründete Firma „Rapid MR International“ beschäftigt zwei Mitarbeiter, die Kundenbetreuung und Vertrieb auf den beiden amerikanischen Kontinenten übernehmen. „Vor allem mit Blick auf den großen Zeitunterschied ist das eine echte Erleichterung für uns und die Kunden“, so Herr.

Wie international Rapid Biomedical operiert, zeigt sich auch in der Abteilung, die das Innenleben der Spulen in die Gehäuse einbaut. Spulen, die nach Nottingham in Großbritannien geliefert werden sollen, liegen neben solchen für Kliniken oder Forschungseinrichtungen in Virginia (USA), Edmonton und Montreal (beide Kanada). Besonders stolz ist die Firma auf ihre erste Spule im Iran: „Verglichen mit manchen europäischen Staaten war die Ausfuhr in den Iran fast ein Kinderspiel“, so Herr.

Nebenan, in der Abteilung für Forschung und Entwicklung, koordiniert Titus Lanz die Forschungsprojekte des Unternehmens. Neben den Sonderanfertigungen, die nur ein einziges Mal produziert werden, entwickelt das Unternehmen hier Spulen, für die es einen größeren Bedarf gibt. „Wir arbeiten mit Forschungseinrichtungen zusammen, und entwickeln Spulen, die man in der Diagnostik flächendeckend einsetzen kann“, sagt der Physiker. Solche Einrichtungen sind zum Beispiel das Nationale Institut für Gesundheit (NIH) der USA, die Stanford Universität, aber auch die TU München und die Uni Würzburg. „Diese Partner geben uns für die spezielle Anwendung die Möglichkeit, ein sehr tiefes Know-How aufzubauen.

“ Ist die Spule dann nach einigen Jahren marktreif, nehmen MRT-Hersteller wie Siemens, Philips oder General Electric sie unter Umständen in ihre Produktpaletten auf. Nur dann produziert das Rimparer Unternehmen echte Serien von einigen Dutzend Spulen.

Im Erdgeschoss des dritten Pavillons (oben sitzt die Produktionsabteilung) hat Rapid Biomedical einen Freizeitbereich für die Mitarbeiter eingerichtet: Ein großer Kühlschrank steht dort und ein Tischkicker, außerdem gibt es eine Küche und einen Pausenraum. „Früher sah es hier nicht immer ordentlich aus, darum haben wir seit einiger Zeit einen Küchendienst. Jeder ist irgendwann mal eine Woche lang dran: Vom Geschäftsführer bis zum Auszubildenden“, erklärt Sabine Herr. Der Abteilungsleiter wischt dann die Krümel seines Azubis vom Tisch – es klingt fast so ungewöhnlich, wie Handarbeit im Technologiepark.

Rapid Biomedical

Standort: Technologiepark Rimpar

Gründungsjahr: 1998

Mitarbeiter: ca. 50

Eigentümer: Felix Faskerty, Fastron-Gruppe

Umsatz: k.A.

Niederlassungen: Rimpar (Hauptsitz), Columbus (Ohio, USA)

Hauptprodukt: Spulen für die Magnetresonanz-Tomografie

Homepage: www.rapidbiomed.com

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