WÜRZBURG

Rosenthal: Es fehlen Islam-Lehrer für Häftlinge

Informationsbesuch in der JVA Würzburg: (von links) Stadträtin Jutta Henzler, Georg Rosenthal, Alexandra Hiersemann und Anstaltsleiter Robert Hutter in der JVA-Werkstatt.
Informationsbesuch in der JVA Würzburg: (von links) Stadträtin Jutta Henzler, Georg Rosenthal, Alexandra Hiersemann und Anstaltsleiter Robert Hutter in der JVA-Werkstatt. Foto: FOTO Büro Rosenthal

Die Zeiten der Überbelegung scheinen zumindest in der Justizvollzugsanstalt Würzburg vorbei: Mit derzeit 540 Inhaftierten bei einer Kapazität von etwa 600 Häftlingen sind die Bedingungen ausgewogen. „Die Mitarbeiter sind derzeit dabei, ihre Überstunden abzubauen“, berichtete Gefängnisleiter Robert Hutter bei einem Besuch der beiden SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal und Alexandra Hiersemann (Erlangen-Höchstadt) in der Haftanstalt am Friedrich-Bergius-Ring. Im Süden Bayerns sieht das Bild dagegen oft anders aus: Dort seien in den Gefängnissen viele Schleuser, die die Notlage von Flüchtlingen ausnutzten, so Hutter.

70 Muslime derzeit inhaftiert

Hiersemann, stellvertretende Vorsitzende des Petitionsausschusses im Bayerischen Landtag, hat in ihrer Funktion auch mit Petitionen von Würzburger Gefangenen zu tun. Vor Ort wollte sie sich ein Bild der Situation machen. Schwierigkeiten bereitet auch in Würzburg weiterhin die Betreuung von Häftlingen muslimischen Glaubens: Etwa 70 sind derzeit hier inhaftiert. Die meisten sind aus der Türkei. Es gibt jedoch auch viele aus anderen Ländern und mit unterschiedlichen, oft feindlich einander gegenüberstehenden Glaubensrichtungen.

„Die Anstalten sind bei der Betreuung ganz auf sich alleine gestellt“, stellt Rosenthal, Mitglied im Anstaltsbeirat, hierzu fest. Rosenthal hatte im vergangenen Jahr mit mehreren Anfragen zu diesem Thema erfolgreich eine Diskussion angestoßen. Geändert hat sich seither wenig: „Die hohe Bedeutung guter Islam-Lehrer für die Eingliederung muslimischer Gefangener wird noch immer unterschätzt“, berichtet Rosenthal in einer Pressemitteilung.

So gibt es in Würzburg neben den christlichen Gefängnisseelsorgern lediglich einen Geistlichen der umstrittenen türkischen Ditib-Gemeinschaft und seit gut einem Jahr einen engagierten Islam-Lehrer aus Karlstadt, der besonderen Wert auf eine tolerante Auslegung des Islams legt. Doch auch er kann kaum den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden, klagt Rosenthal.

Wie wichtig der Religionsunterricht ist, zeigen zwei inhaftierte Syrer, die einer salafistischen Richtung angehören. Gegen einen von ihnen besteht der Verdacht, dass er einer Terrorvereinigung angehörte. Hiersemann: „Es ist in unserem und im Interesse ihrer Heimatländer, dass sie an eine zivile und demokratische Ordnung herangeführt werden. Haftanstalten sind nicht selten Brutstätten religiöser Indoktrination, der durch Aufklärung und religiöse Bildung entgegengewirkt werden muss, damit die Gefängnisinsassen am Ende ihrer Haft wieder friedlich an unserer Gesellschaft teilnehmen können.“

JVA in gutem Zustand

Die erst 1997 eröffnete Anstalt befindet sich baulich in einem guten Zustand: Anders als die alten Gefängnisse aus wilhelminischen Zeiten sind die Gänge und Aufenthaltsräume hell und die Zellen ausreichend bemessen. Ein Blick auf die Pinnwand zeigt zudem, dass es ein breites Angebot an Bildungsmöglichkeiten oder Angeboten Ehrenamtlicher gibt. Von Deutschkursen über Ausbildungsangebote für Köche oder Gebäudereiniger bis zu Gesprächsgruppen reicht das Angebot. Für Gefängnisleiter Hutter war der Tag des Besuchs zudem ein besonderes Ereignis: Etwa ein Dutzend der Schüler feierte den Abschluss ihrer Ausbildung. Zwei junge Frauen wurden mit einem Preis als beste Absolventen besonders geehrt.

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