WÜRZBURG

Rosenthal: "Würzburg wird nachhaltig bewusst geschädigt"

Der Heimatminister hat in dieser Woche beim Besuch in Kitzingen keinen Zweifel daran gelassen: Das Staatsarchiv wird aus Würzburg geholt und kommt definitiv nach Kitzingen. Auch wenn, so Markus Söder, noch nicht klar ist, wohin dort genau.

Dass rund 24 Regalkilometer mit bedeutenden Archivalien und 17 Mitarbeiter die Residenz und die Festung verlassen müssen – dieser Plan in Söders „Heimatstrategie“ hatte in den vergangenen Monaten nicht nur Archivare und Historiker auf den Plan gerufen. Würzburgs SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal ist ein strikter Gegner der Verlagerung und sagt: „Offensichtlich fehlt es dem Heimatminister an der nötigen Souveränität, sich für die Argumente der Fachleute offen zu zeigen.“

Die Unterbringung des Staatsarchivs in Kitzingen sei nicht nur fachlich falsch, so Rosenthal in einer Pressemitteilung. „Sie schädigt auch den Wissenschafts- und Forschungsstandort Würzburg nachhaltig“, äußert der frühere Würzburger OB seinen Ärger über die Entscheidung. Seit im Frühjahr die Überlegungen des Ministeriums bekannt wurden, setzt sich Rosenthal für den Verbleib des Staatsarchivs in der Universitätsstadt ein.

Ihn hätten in den vergangenen Monaten zahlreiche Beschwerden von Bürgern und kritische Stellungnahmen der bayerischen Archivare, von Heimatvereinen, Wissenschaftlern der Universität und der Diözese Würzburg erreicht. Durch die Verlagerung würde in Würzburg der Forschungsverbund mit dem städtischen und dem diözesanen Archiv sowie der Universität zerschlagen, so Rosenthal. Die wirtschaftlichen Impulse für Kitzingen bei gerade einmal fünf neuen Arbeitsplätzen seien dagegen „sehr begrenzt“.

Auch handele es sich bei einem wissenschaftlichen Archiv, so Rosenthal, nicht um eine „Behörde“ im eigentlichen Sinn. Vielmehr dokumentiere das Archiv mit seinen 24 Kilometern an Urkunden, Amtsbüchern und Akten „das kulturelle Erbe der Stadt“ und zeige ihre europäische Bedeutung. Rosenthal: „Es geht um 1000 Jahre Geschichte der Würzburger Bürgerschaft.“ Für Würzburg stelle das Archiv damit „eine zentrale Quelle für Zukunftsentwürfe“ dar.

Im Staatsarchiv lagern auch die Bestände des Fürstbistums und des Domkapitels, des Erzstifts Mainz und die Geschichte vieler bedeutender fränkischer Adelshäuser wie die der Familien Thüngen, Bibra und Schönborn sowie Gestapo-Akten. Sie seien „die einzigen deutschlandweit, die die Nazibarbarei fast vollständig überlebt haben“, so Rosenthal. „Die Stadt Würzburg wird nachhaltig bewusst geschädigt.“ Verärgert fragt Rosenthal: „Was wäre denn, wenn es einem einfiele, das Archiv der Freien Reichsstadt Nürnberg nach Fürth zu verlegen?“

Kitzingen könne in der „Heimatstrategie“ besser als Weinbau- und Handelsstadt gestärkt werden, beispielsweise durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken oder die Fränkische Qualitätsweinprüfung. Und in Würzburg stünde für das Archiv ausreichend Platz auf dem Universitätsgelände Am Hubland zur Verfügung.

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