WÜRZBURG

„Ruhevariante“ für den oberen Markt

Dürfen bleiben: Die Sitzrondelle, die die Stadt inzwischen „Pflanzrotunden nennt“, werden vorerst nicht entfernt.NORBERT SCHWARZOTT
Dürfen bleiben: Die Sitzrondelle, die die Stadt inzwischen „Pflanzrotunden nennt“, werden vorerst nicht entfernt.NORBERT SCHWARZOTT Foto: Foto:

Mit seinem neuesten Coup landet Stadtbaurat Christian Baumgart bei etlichen Würzburgern sicherlich einen Überraschungserfolg: Am oberen Marktplatz bleibt (fast) alles, wie es ist. Zumindest vorerst. Das bedeutet, dass die beliebten Sitzrondelle, die schon mal auf der Abschussliste des Baureferates standen, bis auf weiteres erhalten bleiben.

Ursprünglich war vorgesehen, eine größere Neugestaltung des oberen Marktes durch entsprechende Stadtratsentscheidungen noch in diesem Jahr anzuschieben. Doch am Dienstag überraschte Baumgart die Stadträte im Planungsausschuss mit der überraschenden Mitteilung, das „wir alles belassen, wie es ist“, er sprach von einer „Ruhevariante“.

Begründet wird der „Baustopp“ unter anderem damit, dass in noch nicht absehbarer Zeit die Decke zur Tiefgarage – wie vor einigen Jahren am unteren Marktplatz – auch am oberen Markt saniert werden muss und es aus diesem Grund sinnvoll sei, „die Möblierung des oberen Marktes vorerst in gewohnter Weise zu belassen“. Zudem, so der Stadtbaurat, wolle man in dem Geviert nach Fußgängerzone Eichhornstraße, Geschäftshausneubau und Verlegung der Marktgaragenzufahrt „nicht noch eine Baustelle“ aufmachen.

Das sah Anfang des Jahres alles noch ganz anders aus. Da wurden die angeblich kranken Bäume in den Sitzrondellen in einer Blitzaktion abrasiert, was für viel Ärger sorgte. Die Stadträte vermuteten gar, dass die Verwaltung damit eine schon länger angedachte, aber nicht beschlossene Neugestaltung des oberen Marktplatzes startete.

Dem war zwar nicht so, doch dass der Platz nicht so bleiben kann, wie er war, dafür sorgte allein eine andere Baustelle. Durch die Verlegung der Marktgaragenzufahrt unter das neue Geschäftshaus am oberen Markt, die eine Fußgängerzone Eichhornstraße ermöglicht, war ein zusätzliches Fluchttreppenhaus für den Brandschutz nötig. Dieses führt vom oberen Markt in die Tiefe.

Diskussion ums Aufzugshäuschen

Dabei beschloss man, zusätzlich und zur Barrierefreiheit einen Aufzug zu errichten – Treppenhaus und Aufzug kosten rund 600 000 Euro. Das gläserne Aufzugshäuschen gegenüber des neuen Geschäftshauses sorgte für Diskussionen. Danach stand fest: Eines der vier Sitzrondelle – die Stadt spricht mittlerweile von „Pflanzrotunden“ muss Treppenanlage und Aufzug weichen, der Häckerbrunnen um einige Meter versetzt werden.

Und dies sei letztlich Anlass, die Umgestaltung des Platzes anzugehen. Im Sommer wurden schier unzählige Planentwürfe vorgestellt: Mit und ohne Sitzrondelle, mit eckigen und runden Bänken – und das alles in unterschiedlichster Anordnung. Und möglichst abbaubar, um mehr Flexibilität für Veranstaltungen zu bekommen, wie Projektleiter Wolfgang Fey vom Baureferat seinerzeit betonte.

Damals auf die jetzt ins Feld geführte Sanierung der Tiefgaragendecke angesprochen, erklärte Fey, dass man mit der Neugestaltung der Platzoberfläche nicht warten wolle, da noch völlig unklar sei, wann die auf rund zwei Millionen Euro kalkulierte Sanierung finanzierbar ist.

Der „neue“ obere Markt ist mit der abrupten Kehrtwendung, dem nun verkündeten „Baustopp“, erst einmal vom Tisch, was die Stadträte im Bauausschuss durchweg begrüßten: Wolfgang Roth (CSU): „Sieht aus wie ein guter Plan.“ Heinrich Jüstel: „Wir sollten jetzt kein Geld für eine Interimslösung ausgeben.“ Patrick Friedl regte an, die Pflanzen in den Rondellen durch Schatten spendende Bäume zu ersetzen.

Der Grünen-Stadtrat fragte in diesem Zusammenhang an, wann endlich die länger geplanten Bäume in Pflanztrögen auf dem unteren Marktplatz kämen. Hier verwies Christian Baumgart darauf, dass in den vergangenen Jahren die Stadträte dafür kein Geld genehmigten. Das lag wohl nicht zuletzt an den hohen Kosten: Auf 100 000 Euro ist das Grün veranschlagt. Der vorläufige Verbleib der Sitzrondelle am oberen Markt dürfte nun auch die Denkmalschützer freuen, die gegen die Umgestaltungspläne mit abbaubaren und eckigen Sitzbänken massiv gewettert hatten. Baumgart machte indes deutlich, dass das Thema nicht gänzlich vom Tisch sei: „Das wird alles spruchreif, wenn wir in ein paar Jahren die Oberfläche sanieren.“

Häckerbrunnen steht wieder

Ein etwas anderes Gesicht bekommt der obere Markt indes schon jetzt. Noch ist er vom Bauzaun ums Tiefgaragen-Treppenhaus weitgehend verdeckt, doch steht der Häckerbrunnen schon wieder – drei Meter entfernt von seinem ursprünglichen Standort. Das weggefallene Sitzrondell wird durch zwei Sitzbänke an der Schönbornstraße ersetzt.

Der Bauzaun wird bis zum 13. November abgeräumt. An diesem Tag ist die Eröffnung der neuen Marktgaragenzufahrt im Geschäftshaus in der Martinstraße geplant, da muss das Fluchttreppenhaus am Marktplatz zugänglich sein.

Bis der gläserne Aufzug, dessen Aufbau derzeit noch verhüllt ist, in Betrieb geht, wird es nach Aussage von Projektleiter Fey noch etwas dauern. Das liege auch an der technischen Abnahme des „Sonderbauwerks.“ Und auch der Häckerbrunnen wird in diesem Jahr nicht mehr sprudeln.

Alles wieder im Blick: Der Häcker vom Häckerbrunnen an seinem neuen Platz, drei Meter entfernt vom bisherigen Standort am oberen Markt.THOMAS OBERMEIER
Alles wieder im Blick: Der Häcker vom Häckerbrunnen an seinem neuen Platz, drei Meter entfernt vom bisherigen Standort am oberen Markt.THOMAS OBERMEIER Foto: Foto:

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