WÜRZBURG

Salz, Schneeschippen und Schlitten werden knapp

Hindernislauf durch Schneematsch und Pfützen: Zwei Fußgängerinnen auf ihrem Marsch über die Kreuzung Ludwig-/Theaterstraße.THOMAS OBERMEIER Foto:

Streusalz wird knapp und Knochenbrüche nehmen zu: Der Winter hat Würzburg im Griff. Seit Ende November schneit es beinahe täglich, die Auswirkungen spüren fast alle. „Ich bin froh, dass ich einen Schubkarren habe“, sagt eine Anwohnerin am Rossberg im Steinbachtal, die ihre Einkäufe über die verschneite Nebenstraße schiebt. Bewohner an der Sebastiani-Steige tragen Lebensmittel seit einer Woche von der Mergentheimer Straße aus im Rucksack die Treppe hinauf, weil sie ihre Häuser mit dem Auto nicht mehr erreichen.

Die rekordverdächtigen zwölf Zentimeter Neuschnee von Montag- bis Dienstagmorgen haben auch die Verkehrsteilnehmer wieder gespürt. Allen voran offensichtlich die Fußgänger, die mit glatten und vermatschten Wegen zu kämpfen hatten. „Deutlich mehr Einsätze als üblich“, bilanziert der Disponent der integrierten Rettungsleitstelle Joachim Müller. Da die Helfer Patienten mit Sturzverletzungen zu versorgen und in die Kliniken zu bringen hatten, hätten sich fest terminierte Krankentransporte um bis zu eineinhalb Stunden verzögert.

Die Busse der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) hatten am Dienstagmorgen bis zu 45 Minuten Verspätung. Laut WVV-Sprecherin Ulrike Stöcker sind an Bergstrecken wie nach Lengfeld oder Oberdürrbach Linien wieder ganz ausgefallen.

„Keine massive Behinderungen,“ hat die Polizei dagegen am Dienstagmorgen auf den Straßen festgestellt. „Es geht einfach ein bisschen langsamer,“ bilanziert Sprecher Andreas Rieger und lobt die Autofahrer für ihre vorsichtige Fahrweise.

Diese konnten heuer auch schon viel üben: So früh und viel Schnee wie dieses Jahr, gibt es laut der Würzburger Wetterwarte selten. „Bis auf die Tage zwischen 12. und 15. Dezember ist der Niederschlag als Schnee oder Schneeregen gefallen“, sagt Daniel Wünsch von der Wetterwarte. Mit 78 Litern sei bislang 40 Prozent mehr Niederschlag gefallen als im Dezember üblich. Auch kälter ist es: Die bisherige Durchschnittstemperatur von -2,7 Grad liegt fast vier Grad unter dem Durchschnitt.

„Heuer schon soviel Salz gestreut, wie in einem normalen Winter“

Christian Strohalm, Chef der Stadtreiniger

Das spürt der städtische Winterdienst: Am Dienstag sind die Mitarbeiter der Stadtreiniger zu ihrem 28. Einsatz ausgerückt. Das heißt sie sind fast täglich oder nächtlich am Räumen und Streuen. „2000 Tonnen Salz wurden bislang verbraucht. Mit dieser Menge kommt man über einen normalen Winter“, erklärt Christian Strohalm, Chef der Stadtreiniger. Die Salzberge in den vier Würzburger Lagerhallen seien entsprechend geschrumpft. Besondere Sparmaßnahmen gäbe es aber nicht. „Wir streuen immer so wenig wie möglich.“ Auch schlaflose Nächte, weil das Streugut nicht langen könnte, hat Strohalm noch keine. „Wir haben früh nachbestellt und bekommen die ersten Lkw mit Nachschub.“ Das sieht bei Privathaushalten anders aus: Streusalz gibt es in der Stadt beispielsweise bei BayWa und Obi zur Zeit nicht. Auch Schneeschaufeln sind dort ausverkauft. Die Firma Matterstock in der Zellerau konnte noch Schippen organisieren. „Am Montag haben wir 50 reinbekommen und am gleichen Tag verkauft“, sagt ein Mitarbeiter. Am Dienstag sei neuer Nachschub geliefert worden.

Schwer ist es auch an Schlitten zu kommen: Sowohl im Baumarkt als auch bei Decathlon sind Holz-Rodel ausverkauft. Dabei könnte man die laut Wettervorhersage noch gut brauchen: Die derzeitigen Plustemperaturen sollen gegen Ende der Woche wieder dauerhaft sinken.

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