Schlägerfechten ist "real life"

Würzburg Gottfried Halvorsen hat einen ungewöhnlichen Beruf: Der gebürtige Kalifornier betreut als Fechtmeister "Aktive" schlagender Studentenverbindungen - in Bayern und Thüringen, auch Korporationen in Würzburg.
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"Denk an deine Deckung!", ruft Halvorsen mit amerikanischem Akzent einem Schüler zu. Während der stumpfe Übungsschläger mit lautem Krachen auf dem Kopfschutz seines Gegenübers niedersaust: "Du stehst schon wieder völlig offen!"

Halvorsen muss es wissen: Immerhin paukt er seit anderthalb Jahrzehnten Verbindungsstudenten für ihre Bestimmungsmensuren ein. Mit der Fechterei beschäftigt sich der Amerikaner schon länger. Bereits als Schulkind war er Mitglied einer kalifornischen Sport-Fechtmannschaft. Als er dann mit 25 Jahren nach Abschluss des Germanistik und Linguistikstudiums nach Würzburg kam, wurde er als Postgraduate beim Corps Moenania, später auch beim Corps Rhaetia in Innsbruck aktiv. Seitdem hat ihn die Begeisterung für das Schlägerfechten nicht mehr losgelassen.

Halvorsens "Traumberuf", für den er die Germanistik an den Nagel hängte und stattdessen eine Fechtlehrer- und eine Fechtmeisterausbildung absolvierte, hat Vor- und Nachteile: Als selbstständiger Unternehmer hat der Fecht-Trainer Verträge mit Studentenverbindungen in Erlangen, Bayreuth, Jena, München, sowie an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg abgeschlossen. Zwischen diesen Universitätsstädten pendelt er während der Semesterwochen und bekommt in dieser Zeit seine Kinder nur am Wochenende zu sehen. In den Semesterferien, wenn die Studenten nicht "auf dem Haus" sind, kann sich Halvorsen dann aber seiner Familie widmen.

An einen geregelten Tagesablauf ist ebenfalls nicht zu denken, da manche Verbindungen frühmorgens, vor Beginn der Vorlesung pauken, andere dagegen in den späten Nachtstunden. Zu seinen Schülern hat der jugendlich wirkende Mittvierziger ein gutes Verhältnis: Seine langjährige Erfahrung und sein pädagogisches Geschick erleichtern ihm den Umgang mit den jungen Studenten.

Je nach Uni-Stadt muss er sich nach den lokal unterschiedlichen Fechtregeln, aber auch nach den speziellen Fechtstilen der Verbindungen richten. Ein großer Unterschied, erklärt Halvorsen, bestehe zwischen der studentischen Fechtpraxis und dem Fechtsport: "Schlägerfechten ist "real life", Sportfechten dagegen ein reines Reaktions- und Geschicklichkeits-'Spiel' ohne Risiko."

Halvorsen freut sich auf den bevorstehenden Fechtunterricht: Ab Mitte Oktober wird er wieder das Fechtzeug ins Auto packen und für seinen Traumberuf ein weiteres Semester Nomadenleben in Kauf nehmen.

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