WÜRZBURG

Schöne Hochhauswelt - zumindest im Modell

Studienobjekt Dauerbaustelle: Studentinnen der Universität Stuttgart wie Laura Manz, Johanna Brosda und Sabrina Menning (von links) haben sich mit Nutzungen und Umbauten am alten Hochhaus in der Augustinerstraße beschäftigt. Die Entwürfe sind in der Sparkasse zu sehen.
Studienobjekt Dauerbaustelle: Studentinnen der Universität Stuttgart wie Laura Manz, Johanna Brosda und Sabrina Menning (von links) haben sich mit Nutzungen und Umbauten am alten Hochhaus in der Augustinerstraße beschäftigt. Die Entwürfe sind in der Sparkasse zu sehen. Foto: Theresa Müller

Es ist ein Baudenkmal, was kaum noch einer als solches erkennt, weil es seit über zehn Jahren von einem grünen Sicherheitsvorhang verdeckt ist: das leer stehende und sanierungsbedürftige Hochhaus in der Augustinerstraße 9. Dabei könnte mit dem 33 Meter hohen Bau einiges anstellen: Ein Weiterleben als Hotel, Hostel, Theaterwerkstatt oder Weinmuseum stellen sich Architekturstudentinnen der Uni Stuttgart vor. Zu sehen sind diese Entwürfe jetzt in der Sparkasse Mainfranken.

Ungeachtet der schönen Pläne passiert aber weiterhin nichts mit dem 85 Jahre alten Bau, Würzburgs ältestem Hochhaus. Nach wie vor ist der Streit zwischen dem Hochhausbesitzer, der Reichenberger Informica Real Invest AG, und den Nachbarn vom Odeon-Haus wegen der Baugenehmigung nicht beendet. „Wir verhandeln noch“, sagen Friedrich Schwab von der Informica und Rudolf Singer von der Eigentümergemeinschaft des Odeon-Hauses. Worüber und wie lange noch, sagen sie nicht.

Fakt ist, dass die Odeon-Leute, wie mehrfach berichtet, gegen die Baugenehmigung der Stadt klagen, unter anderem wegen angeblich nicht eingehaltener Abstandsflächen. Ebenso Tatsache ist, dass das Verwaltungsgericht bei einem Gütetermin im Sommer die beiden Streithähne dazu angehalten hat, sich nach Möglichkeit außergerichtlich zu einigen. Bei diesen Verhandlungen geht es, auch wenn das keiner der Beteiligten bestätigen mag, um den Verkauf und damit um den Preis der Immobilie.

Informica-Vorstand Schwab hat schon vor längerem angedeutet, dass man die in der Baugenehmigung enthaltene Sanierung mit Gewerbe, Büros und Wohnungen nicht selbst übernehmen und stattdessen verkaufen will – allerdings nur mit rechtskräftiger Baugenehmigung. Seine Kontrahenten Singer und Partner haben, ebenfalls schon länge, Interesse an dem Haus bekundet.

Und die Stadt, wegen der Baugenehmigung Beklagte in dem Dauerstreit, hält sich vornehm zurück. Jedenfalls gibt's auf entsprechende Anfragen – wie jetzt am Freitag wieder – stets die Standantwort: Man befinde sich in Gesprächen und stehe als Vermittler zur Verfügung. Es sind keine Signale aus dem Rathaus zu erkennen, dass man ein sonderliches Interesse hat, die Dauerbaustelle im Stadtbild endlich beenden zu wollen.

Dass zumindest theoretisch das „Denkmal der neuen Sachlichkeit“ des Architekten Franz Kleinsteuber neu aufblühen kann, ist derzeit in der Sparkasse zu besichtigen. Auf Initiative von Professor Sandro von Einsiedel, Lehrbeauftragter an der Uni Stuttgart, entwarfen elf Studentinnen Sanierungspläne, Nutzungsmöglichkeiten und Modelle für das alte Hochhaus im Rahmen einer Semesterarbeit.

Heraus kam eine breite Palette für ein lebendigeres Bild in der Augustinerstraße 9: Ein Haus für Studenten mit Café und Biergarten im begrünten Hof, ein Co-Working-Konzept mit Fahrradwerkstatt, ein Hostel mit Food-Market, ein Hotel der gehobnen Klasse mit Pool auf dem Anbau, ein Stadtteilzentrum mit Veranstaltungsräumen, eine Theaterschule samt Theater unterm Dach, eine Sky-Bar oder ein Weinmuseum.

Architekturhistorikerin Suse Schmuck, CSU-Stadtrat Willi Dürrnagel und Barbara Lenz von der benachbarten Erbengemeinschaft zeigten sich bei der Ausstellungseröffnung am Freitag recht angetan von der schönen neuen Hochhauswelt – wohl wissend und gleichzeitig bedauernd, dass diese möglicherweise niemals Wirklichkeit wird.

Für Stadtrat Dürrnagel, der – im Gegensatz zur Bauverwaltung und den meisten Stadträten – stets für den Erhalt des Baudenkmals gekämpft hat, ist es ein schöner Beweis, was man aus einem Haus, das die Stadt eigentlich abreißen wollte, alles machen könnte. Dürrnagel fordert „seitens der Stadt mehr Druck“ auf die Beteiligten, dass endlich was vorangeht. Das wünscht sich auch Hochhaus-Nachbarin Barbara Lenz.

Für Suse Schmuck beweist das ganze Gezerre um das Haus „den schändlichen Umgang der Stadt mit ihren Denkmälern“. Die gezeigten Entwürfe seien im übrigen teils weitaus kreativer als die aktuelle Nutzungspläne.

Zu dieser Kritik konnten die Verantwortlichen nichts sagen: Informica-Vorstand Friedrich Schwab kam nicht nur zur Ausstellungseröffnung, da er zu kurzfristig und nur auf Nachfrage eingeladen worden war. Und Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Stadtbaurat Christian Baumgart, die von Einsiedel nach eigener Aussage eingeladen hatte, waren auch nicht da.

Die Ausstellung zu den Hochhausentwürfen ist bis 4. Dezember im Foyer der Immobilienabteilung der Sparkasse Mainfranken, Hofstraße 7, zu sehen.

Seit zehn Jahren eingerüstet: Das Baudenkmal Hochhaus Augustinerstraße steht noch immer leer. Studenten hätten hübsche Idee, was für die Zukunft damit passieren könnte.
Seit zehn Jahren eingerüstet: Das Baudenkmal Hochhaus Augustinerstraße steht noch immer leer. Studenten hätten hübsche Idee, was für die Zukunft damit passieren könnte. Foto: Thomas Obermeier

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