WÜRZBURG

Schreibwettbewerb „Unterwegs sein“ bringt berührende Werke hervor

Bei der Preisverleihung des Schreibwettbewerbs zu „Würzburg liest ein Buch“: die Zweitplatzierte Brigitte Bark. Foto: Johannes Kiefer

Im Max Stern Keller der juristischen Fakultät wurden am Sonntag die besten Werke des Schreibwettbewerbs „Unterwegs sein“ geehrt. Die meisten waren traurig, einige waren erheiternd. Alle jedoch waren zutiefst berührend.

Ein Wettbewerb am passenden Ort

Manche Veranstaltungen leben vom Ort ihres Geschehens. Eine solche Veranstaltung war der Schreibwettbewerb „Unterwegs sein“, der im Rahmen der Aktion „Würzburg liest ein Buch“ stattfand und vom Autorenkreis Würzburg mitorganisiert wurde. Unterwegs war nicht nur Jehuda Amichai, Mittelpunkt der Würzburger Leseaktion, der aus Deutschland fliehen musste, um sein Leben zu retten.

Unterwegs waren auch unzählige weitere deutsche Juden. Einer davon war Max Stern, ehemaliger Würzburger Weinhändler, der alles aufgeben musste, um zu überleben. In seinem ehemaligen Weinkeller fand die Ehrung der besten Texte zu dem Thema „Unterwegs sein“ statt.

Ein Text voller Witz und Lebensfreude

„Die Diskussion über die Gewinner wurde kontrovers geführt“, stellte Jurymitglied Christine Ott, die den dritten Platz mit dem Titel „Unterwegs sein im Alltag“ präsentierte, klar. Sie präsentierte einen erheiternden Text, der nah dran an den Tücken des Alltags und detailliert beschrieben war. Autorin Elisabeth Schilling-Küng, eine kleine, lebendige Frau gehobenen Alters trug ihren Text dann auch selber vor, nachdenklich, doch voller Witz und Lebensfreude.

Bei der Preisverleihung des Schreibwettbewerbs zu „Würzburg liest ein Buch“ trägt die Drittplatzierte Elisabeth Schilli... Foto: Johannes Kiefer

Einen krassen Kontrast bildete der zweite Platz mit dem Titel „Im Dunkel ein Leuchten“. Es war eine Geschichte von Krieg und Flucht, eine Geschichte eines achtjährigen Mädchens, das im zweiten Weltkrieg von der Ostfront ins Landesinnere floh. Ein Mädchen, dass sich, nachdem es Mutter und Bruder verloren hatte, unterwegs mit einem verwundeten Wehrmachtssoldaten anfreundet, der ihr für eine Nacht Trost und Halt gibt, bevor er am nächsten Morgen seinen Verletzungen erliegt und das Mädchen wieder alleine zurücklässt.

Es war ein Text, der die Verantwortung für all das Leid nicht in Frage stellt und mit seiner Umgangssprachlichkeit eine intime Authentizität herzustellen vermag. Es war ein autobiografischer Text, der umso berührender ist, sobald man ihm seine Autorin zuordnen kann: Brigitte Bark, 1929 geboren und Zeitzeugin.

„Der Himmel über dir“ gewinnt

Kein bisschen weniger berührend war der Siegertext mit dem Titel „Der Himmel über dir“ von Horst-Dieter-Radke. Ein tiefes Werk, das von zwei liebenden Menschen handelt, die sich fremd geworden sind und sich nach Jahrzehnten wiedersehen: „Ich habe gewartet, sagte sie leise, bemüht keinen Vorwurf durchklingen zu lassen.“

Bei der Preisverleihung des Schreibwettbewerbs zu „Würzburg liest ein Buch“ trägt der Gewinner Horst Dieter Radke sein W... Foto: Johannes Kiefer

„Nur dich habe ich geliebt“, antwortet er. „Und warum bist du weggelaufen?“, fragt sie. Eine Frage, die erst das Ende des Textes zu beantworten vermag. Ein Ende, das ein tiefes Verständnis mit sich bringt und doch so viel Enttäuschung und Trauer transportiert.

Der Wettbewerb

Die besten Texte des Wettbewerbs wurden zu einer Anthologie zusammengestellt und können online unter folgendem Link eingesehen werden: http://wuerzburg-liest.de/wp-content/uploads/2018/04/anthologie-schreibwettbewerb-2018.pdf
Würzburg liest ein Buch. Preisverleihung des Schreibwettbewerbs im Max-Stern-Weinkeller. Die Jury mit den Gewinnern des ... Foto: Johannes Kiefer

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