Würzburg

Schuchardt: Bei der Gilde Giemaul Präsenz und Distanz gezeigt

Für Würzburgs Oberbürgermeister Schuchardt ist die Whatsapp-Affäre nicht vorbei. Er will Flagge zeigen, aber nicht die Falschen treffen.
Frostig war der Auftritt beim Heidingsfelder Faschingszug für Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt in diesem Jahr aus mehreren Gründen: Er kam trotz der schwelenden Whatsapp-Affäre, aber deswegen auch in privatem Kostüm statt als Gildenrat. Foto: Daniel Peter

Die Affäre um menschenverachtende Bilder in einer Handy-Nachrichten-Gruppe von Funktionären der Gilde Giemaul schlug Wellen bis in die Politik. Der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) und seine beiden Stellvertreter hatten sich an bekannt gewordenen Bildern in einer privaten Whatsapp-Gruppe gestört, die unverhohlen fremdenfeindlich waren. Die Politiker zeigten unmissverständlich Flagge und ließen ihre Mitgliedschaft in dem Fastnachtsverein ruhen.

Gesellschaftspräsident Christian Reusch war Mitglied jener Whatsapp-Gruppe, erklärte aber vor Gericht:"Ich weiß gar nicht, ob ich es gesehen habe". Bei einer Information für die rund 700 Mitglieder der Gilde sprach er zunächst nur von "Gerüchten", nachdem ihn seine Stellvertreterin Heike Bader aufgefordert hatte, dagegen einzuschreiten. 

Gilde Giemaul sah sich als Opfer einer Kampagne

Die Gildenführung distanziere sich später von rechtsextremem Gedankengut, sieht sich aber als Opfer einer Kampagne, die zum Ziel habe, die Vereinsführung zugunsten eines machthungrigen Ex-Funktionärs zu demontieren. Die Kritikerin Bader sah sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, dem Verein geschadet zu haben, weil der Fall öffentlich bekannt wurde. Sie bestreitet, dafür verantwortlich zu sein und sagt: Über sie seien unwahre Behauptungen in die Welt gesetzt worden.

Die drei Würzburger Bürgermeister hatten ihr künftiges Engagement in der Gilde von zwei Bedingungen abhängig gemacht: Die Heidingsfelder Karnevalisten sollten sich zu demokratischen Werten bekennen, was die Gilde getan hat.  Außerdem sollte es eine Aussprache mit Heike Bader geben, bei der unwahre Behauptungen ausgeräumt werden sollten.

Ist für den Würzburger Oberbürgermeister der Fall erledigt?

Ein erstes Treffen soll es laut Reusch zusammen mit Bader und dem Ombudsrat bereits im vergangenen Dezember gegeben haben. Weitere Gespräche sollen folgen, sagt der Gesellschaftspräsident, "wir sind offen dafür". Obwohl die Affäre noch nicht geklärt war, standen der OB und seine Vertreter beim Faschingszug in Heidingsfeld auf dem Wagen und nahmen an der Sitzung teil.

Christian Weiss, Sprecher der Stadt, betont auf Anfrage: OB Christian Schuchardt, die Bürgermeister Adolf Bauer und Marion Schäfer-Blake hätten die Äußerungen in der Whatsapp-Gruppe öffentlich verurteilt, Aufklärung gefordert und ihre Mitgliedschaft ruhen lassen. "Damit haben sie ihre Haltung zu den Vorfällen unmissverständlich kommuniziert."

Dass sie an den Sitzungen und am Umzug teilnahmen, sei ein Zeichen an die Heidingsfelder Bürger und Vereinsmitglieder gewesen: "Man kann nicht einen ganzen Ortsteil und einen ganzen Verein für das Verhalten einzelner Mitglieder stigmatisieren und abstrafen", sagt Schuchardt. "Die allermeisten Vereinsmitglieder haben mit den Vorfällen nichts zu tun und leiden darunter", sagt er.

Präsenz in Heidingsfeld gezeigt, Mitgliedschaft bei der Gilde ruht weiter

Um seine Haltung zu unterstreichen, sei Schuchardt auf den Sitzungen und Umzügen aber nicht in Gildenratskleidung, sondern nur als Gast erschienen. Ob er und seine Bürgermeister ihre Mitgliedschaft wieder aktiv stellen oder endgültig niederlegen werden, hänge von den weiteren Ermittlungen ab. 

Der OB betont: Der Ombudsrat hat sich der Angelegenheit angenommen. "Dessen Ergebnisse sowie das Gerichtsurteil und auch ein sich derzeit in Terminierung befindliches Gespräch sind maßgeblich für das weitere Vorgehen." 

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