WÜRZBURG

Schuchardt fordert: „Kein Denkverbot für Faulenberg“

Insgesamt 12,5 Hektar umfasst das Gelände der früheren US-Kaserne. Foto: Thomas Obermeier

Der ägyptische Telekommunikations-Milliardär Naguib Sawiris hat Interesse daran, auf dem Areal der Ex-Faulenbergkaserne an der Nürnberger Straße in ein Projekt „Wohnen und Arbeiten für Flüchtlinge und Einheimische“ zu investieren. Das bestätigte Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung. Am Nachmittag berichtete er auch im Ferienausschuss über ein Gespräch, das er mit dem Mobilfunkunternehmer in Würzburg geführt hat. Das Thema „Sawiris und Flüchtlinge“ ist schon älter. Mehrfach berichteten verschiedene Medien, dass er in Griechenland und Italien nach Inseln suchte, auf denen er Ressorts errichten wollte, in denen Flüchtlinge wohnen und arbeiten sollten. Bisher ohne Erfolg.

Auch OB Schuchardt erfuhr von diesen Plänen und lud den schwerreichen Ägypter, ein koptischer Christ, der fließend Deutsch spricht, nach Würzburg ein. Dort besichtigte man gemeinsam mit Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die ehemalige Faulenbergkaserne.

Insgesamt dreimal habe er darüber den Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung informiert, so der OB gegenüber der Redaktion. Umso verärgerter ist er nun, dass während seiner urlaubsbedingten Abwesenheit die SPD-Stadtratsfraktion unter anderem beantragte, alle Überlegungen einzustellen, auf dem Kasernenareal auch Wohnnutzungen zu installieren.

Mitte August wurde gerüchteweise öffentlich bekannt, dass der Milliardär an einem Investment in Würzburg interessiert sein könnte. Nähere Einzelheiten waren bis jetzt nicht zu erfahren. Bekannt war indessen, dass der Masterplan für die Konversion des 12,5 Hektar großen Geländes aus dem Jahr 2011 eine Wohnnutzung wegen zu hoher Lärmbelastungen ausdrücklich ausschloss. Darauf beruft sich auch der SPD-Antrag.

Dieser Masterplan, so Schuchardt, könne aber für künftige Entwicklungen und Nutzungen nicht mehr herangezogen werden, da wesentliche Planungsbestandteile nicht mehr Grundlage für die gesamte Entwicklung seien. Auch wenn der Masterplan noch nicht formell außer Kraft gesetzt wurde, sei er dennoch „überarbeitungswürdig“, so der OB.

In diesem Zusammenhang spiele auch die Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen eine zentrale Rolle, sagt Schuchardt. Diesen Menschen müsse man Wohnraum und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Dies auf dem Faulenberg-Areal kategorisch auszuschließen, dafür sehe er keinen Grund, so der Oberbürgermeister weiter. Was er sich auf keinen Fall gefallen lasse, sei „ein Denkverbot für das Faulenberg-Areal“.

Bei allen Überlegungen zum Thema Flüchtlingsunterbringung sei für ihn aber völlig klar, dass es nicht zu einer Ghettobildung kommen dürfe. Für ihn sei nur eine gemischte Lösung denkbar. Schuchardt hält die Kombination Arbeiten und Wohnen für Flüchtlinge jedoch für einen spannenden Gedanken. Fest stehe zum jetzigen Zeitpunkt aber noch gar nichts: „Ich will es nur prüfen lassen“, so Schuchardt.

Auch in der Diskussion im Ferienausschuss des Stadtrates am Donnerstagnachmittag hielt der OB mit seinem Ärger über den Antrag nicht hinter dem Berg. „Bislang sind wir mit dem sensiblen Thema Flüchtlinge im Stadtrat immer kollegial umgegangen“, betonte Schuchardt. Nach dreimaliger Behandlung im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzungen könne er diese Entrüstung, man wisse über dieses Thema nicht Bescheid, so nicht stehen lassen.

Nachdem das Thema Wohnen am Faulenberg immer Bestandteil seiner Berichterstattung im Rat gewesen sei, hätte man, wenn man in einer dieser Sitzungen seine Meinung – man halte das Gelände grundsätzlich für diesen Zweck als ungeeignet – kund getan hätte, das Thema ganz geräuschlos erledigen können.

„Das Faulenbergareal ist mit 12,5 Hektar eine der letzten Freiflächen dieser Größe in der Stadt und ist gerade einmal zweieinhalb Kilometer von der Innenstadt entfernt“, sagte der OB. „Wir haben Wohnungsnot und stoßen überall auf Probleme wie den Feldhamster. Darum sei er schwer erstaunt, dass keine derartigen Überlegungen angestellt werden sollen. „Das ist ein Denkverbot für die Verwaltung. Wir wollen prüfen, ob das geht und wenn nicht, dann geht es eben nicht. Aber wir brauchen Wohnraum für auszugsberechtigte Asylsuchende und Studenten.“

Dies bestätigte Sozialreferentin Hülya Düber. Seit 1. Januar stünde die Stadt auf der Liste der Kommunen mit erhöhtem Wohnraumbedarf. Auf der Dringlichkeitsliste für Sozialwohnungen stünden 1000 Anträge. „800 davon erfüllen die Bedingungen, 200 davon sind Asylsuchende“, berichtete Düber im Ausschuss.

SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Kolbow, neben Heinrich Jüstel der zweite Unterzeichner des Antrags, meinte, der Antrag sei durchaus legitim. Nach Ansicht der SPD-Fraktion habe der Masterplan weiter Geltung und es solle weiter geplant werden. „Da steht aber deutlich drin, eine Wohnnutzung des Areals scheidet wegen zu hoher Schallemissionen aus“, so der Fraktionsvorsitzende. Man bevorzuge stattdessen hochwertige Gewerbe- und Handelsflächen, kulturelle Nutzung und Weiteres. „Wir müssen Flüchtlinge unterbringen und Wohnraum schaffen, aber dafür entwickeln wir anderswo Flächen“, sagte Kolbow.

Mit dieser Meinung, der sich seine Fraktionskollegen anschlossen, standen sie allerdings allein auf weiter Flur. Alle anderen Fraktionen im Ausschuss zeigten sich in der Diskussion einer Überprüfung des Faulenberg-Areals auf die Tauglichkeit für Arbeits- und Wohnnutzung durch Einheimsche und Flüchtlinge zugetan.

Der Antrag wurde bei drei Ja-Stimmen aus der SPD abgelehnt.

Blick von der Matthias-Thoma-Straße aus auf eines der Gebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände. Foto: Thomas Obermeier
Ein hoher Zaun und zusätzlich Stacheldraht versperren den Zugang zum Gelände der ehemaligen Faulenbergkaserne. Foto: Thomas Obermeier
Kein Zutritt für die Öffentlichkeit: Das Gelände der ehemaligen Faulenbergkaserne in der Nürnberger Straße steht nach de... Foto: Thomas Obermeier

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