Würzburg

Schutz vor Corona: Ersthelfer-Einsätze vielerorts ausgesetzt

In Würzburg, Schweinfurt und anderen Teilen Unterfrankens werden keine ehrenamtlichen Ersthelfer mehr alarmiert. Offenbar ist das Risiko einer Infektion zu groß.
Gerade in den ländlichen Regionen können Ersthelfer – beispielsweise vom Bayerischen Rotes Kreuz – die Zeit überbrücken, bis der Notarzt eintrifft. (Symbolfoto)
Gerade in den ländlichen Regionen können Ersthelfer – beispielsweise vom Bayerischen Rotes Kreuz – die Zeit überbrücken, bis der Notarzt eintrifft. (Symbolfoto) Foto: Daniel Peter

In einige Teilen Unterfrankens werden derzeit keine Ersthelfer mehr eingesetzt. Bei den sogenannten First-Responder-Einheiten handelt es sich um ehrenamtliche Hilfskräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk. Bei medizinischen Notfällen sind sie oft schnell vor Ort und können Erste Hilfe leisten bis der Krankenwagen eintrifft.

Ansteckungsgefahr im Einsatz

Das Problem: Aktuell laufen die Helfer Gefahr, sich bei ihren Einsätzen mit dem Coronavirus zu infizieren. Nun haben die zuständigen Stellen reagiert: Die Ersthelfer würden vorübergehend nicht mehr alarmiert, sagt Stefan Pabst, stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) in Schweinfurt. "Wir haben das Problem, dass die Helfer hochmotiviert sind, wir aber eine Abwägung mit der Gefahrenlage treffen müssen."

Wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) auf Anfrage bestätigt, kann es nun in einigen Regionen länger dauern, bis die ersten Helfer vor Ort eintreffen. Das heißt jedoch nicht, dass im Notfall kein Krankenwagen mehr kommt. "Die Einsatzbereitschaft ist jederzeit gegeben", betont Pabst und verweist auf die gesetzlichen Regelungen: Demnach müssen Rettungswagen oder Sanitäter spätestens nach zwölf Minuten am Einsatzort eintreffen. Das sei genauso wie die Feuerbekämpfung eine staatliche Pflichtaufgabe – auch in Zeiten von Corona.

Auch in Stadt und Landkreis Würzburg sowie in den Landkreisen Main-Spessart und Kitzingen werden vorerst keine First-Responder-Einheiten mehr eingesetzt. Durch diese Entscheidung soll in erster Linie die Einsatzfähigkeit der Hilfkräfte im Freistaat gewährleistet bleiben. Denn laut Pabst arbeiten viele Helfer auch hauptamtlich im Rettungsdienst oder engagieren sich bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im Katastrophenschutz. Es müsse aber verhindert werden, dass sie dort ihre Kollegen anstecken, betont er. "Sonst haben wir plötzlich eine Feuerwehr, die nicht mehr ausrücken kann."

Auch in den Integrierten Leitstellen, wo alle Notrufe zusammenlaufen, ist man sensibilisiert, erklärt Pabst. Die Mitarbeiter würden mittlerweile – zum Schutz der Einsatzkräfte – am Telefon gezielt fragen, ob bei dem Patienten oder in dessen Umfeld ein Ansteckungsrisiko besteht.

Das sagt das Innenministerium

In Stadt und Landkreis Aschaffenburg sowie im Landkreis Miltenberg werden die Ersthelfer vorerst weiter alarmiert. Das könne sich jedoch stündlich ändern, hieß es auf Nachfrage dieser Redaktion am Mittwoch. Das Innenministerium hat bisher keine bayernweite Anweisung gegeben. Das müsse vor Ort entschieden werden, teilte eine Sprecherin mit. Das Ministerium sieht aber derzeit keine Veranlassung, auf die Hilfe der First-Responder-Einheiten zu verzichten. Auch im Krisenfall sollten die generellen Abläufe eingehalten werden, heißt es aus München.

Das Bayerische Rote Kreuz, wo sich viele Helfer engagieren, hält sich ebenfalls mit allgemeinen Empfehlungen für ganz Bayern zurück. Dafür seien die Regionen zu unterschiedlich. Jedoch müsse zwingend gewährleistet sein, dass die Ersthelfer mit Schutzkleidung, Handschuhen und Mundschutz ausgestattet sind. "Momentan kommen wir an das Material aber kaum noch ran", erklärt Pressesprecher Sohrab Taheri-Sohi und ergänzt: "Wenn wir unsere Mitarbeiter nicht mehr schützen können, können diese nicht in den Einsatz gehen."

Rückblick

  1. Coronavirus: Zahl der Infektionen im Raum Schweinfurt sinkt
  2. Sommerhausen: Gemeinde setzt Signal für die Gastronomie
  3. Wegen Corona: Landkreis Würzburg überarbeitet Kulturfördergelder
  4. Freibäder vor der Öffnung: Was Badegäste beachten müssen
  5. 4. Corona-Meditation: Graswurzeln auf dem Volksfestplatz
  6. Weltkulturerbe: Residenz Würzburg öffnet wieder ihre Pforten
  7. Im Freibad: Badespaß unter erschwerten Bedingungen
  8. Corona-Grafik zeigt: "Flatten the curve" funktioniert in MSP
  9. Trotz Angst vor Corona: Warum man dennoch zum Arzt sollte
  10. "Corona-Demo" in Marktheidenfeld mit kleinem Störfeuer
  11. Urlaub in Coronazeiten: Wo geht es hin für die Würzburger?
  12. Nur 150 Demonstranten auf den Mainwiesen
  13. Würzburg: Wie sich Hotels auf die Öffnung vorbereitet haben
  14. Kultur in Corona-Not: Spielt die Zukunft in fast leeren Theatern?
  15. Standpunkt: Höchste Zeit, dass das Publikum die Stimme erhebt
  16. Corona: Wissenschaftler starten Antikörperstudie im Ankerzentrum
  17. Im Escape Room bleiben die Schlösser zu
  18. Unterfranken: Weniger Betten für Corona-Patienten reserviert
  19. Bad Kissingen: Das Terrassenschwimmbad startet seine Saison am 26. Juni
  20. Geiselwinder Trucker-Festival: Der wilde Westen muss warten
  21. Das neue CT soll nicht nur bei Corona für Durchblick sorgen
  22. Schweinfurter Fitnessstudios: Bereit für den Re-Start
  23. Schule trotz Corona: So geht es im Landkreis Kitzingen weiter
  24. Corona-Teststrecke für Main-Spessart ist umgezogen
  25. Sofortprogramm: Mehr mobile Endgeräte für Schulen in MSP
  26. Corona im Kreis Haßberge: Zahlen sind wieder rückläufig
  27. Corona-Update: Wiederum keine Neuinfektionen in Rhön-Grabfeld
  28. Gefährliche Aerosole? Gottes Atem will ansteckend sein
  29. Würzburg: Kommt ein Konjunkturprogramm für die Kultur?
  30. Die Kart-Motoren bleiben noch stumm
  31. Bad Kissingen: Gebührenfreies Parken im Stadtgebiet geht zu Ende
  32. Heiligenhof: "Öffnung ist betriebswirtschaftlicher Wahnsinn"
  33. Corona-Widerstand: Doch keine Demo vor der Würzburger Residenz
  34. Corona-Krise: ZF will tausende Stellen abbauen
  35. Wie die Würzburger Vereine durch die Coronakrise kommen
  36. Kreis Haßberge: Fünf Menschen an Corona erkrankt
  37. Kreis Kissingen: Seit sieben Tagen keine neu Infizierten mehr
  38. Noch keine festen Termine für Freibadöffnungen in MSP
  39. Corona in MSP: Nur noch ein akuter Krankheitsfall
  40. Corona-Test im Bad Neustädter Schlachthof
  41. Ein Sommer wie mit Handbremse
  42. Sparkasse Mainfranken schließt fast 30 Filialen
  43. Schule daheim: Wie gut und (un)gerecht ist digitaler Unterricht?
  44. Corona: Wie sind Saisonarbeiter im Landkreis untergebracht?
  45. Bad Kissingen: Volle Kurtaxe für halbes Angebot?
  46. Corona: Es bleibt ruhig im Landkreis Bad Kissingen
  47. Netzwerken in schwierigen Zeiten
  48. Corona: Landratsamt plant die Rückkehr in die Normalität
  49. Corona-Pandemie: Wie gehen Tagespflegen mit der Öffnung um?
  50. Pfingst-Gottesdienst mit Maske und Desinfektionsmitteln

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Herbert Ehehalt
  • Moritz Baumann
  • Coronavirus
  • Erste Hilfe
  • Feuerwehren
  • Infektionskrankheiten
  • Katastrophenschutz
  • Krankenwagen
  • Notfälle
  • Notrufe
  • Rettungsdienste
  • Rettungssanitäter
  • Rotes Kreuz
  • Sanitäter
  • Technisches Hilfswerk
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!