Würzburg

Schutz vor Coronavirus: Besucherstopp für Seniorenheime

Ältere Menschen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Deshalb hat die Staatsregierung am Freitag einen weitgehenden Besucherstopp für Seniorenheime erlassen.
Ein Zettel mit einem Stoppschild ist am Eingang eines Seniorenheimes in Würzburg angebracht. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus untersagt der Freistaat Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen.
Ein Zettel mit einem Stoppschild ist am Eingang eines Seniorenheimes in Würzburg angebracht. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus untersagt der Freistaat Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Um besonders gefährdete Menschen wie Senioren oder Kranke zu schützen, werden die Besuche in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen stark eingeschränkt. "Da, wo es nicht dringend notwendig ist, gilt ein Betretungs- und Besuchsverbot", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Freitag bei einer Pressekonferenz. "Wir wollen verhindern, dass Infektionen in die Altenheime getragen werden." Wer in einem Corona-Risikogebiet war oder Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte, solle in jedem Fall ganz auf Besuche verzichten.

Auch in Krankenhäusern drastische Einschränkung von Besuchen

Für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen trat am Samstag die vom Ministerium angekündigte Allgemeinverfügung in Kraft. Darin ist das Besuchsverbot präzisiert: "Um einen möglichst umfassenden Schutz zu gewährleisten, darf jeder Patient oder Betreute nur einen Besucher pro Tag für je eine Stunde empfangen." Huml betonte, dass in bestimmten Situationen Besuche auch aus "humanitären Gründen" notwendig blieben, etwa wenn Kinder in der Klinik behandelt würden oder wenn jemand im Sterben liege.

Darüberhinaus sollen die Krankenhäuser massiv unterstützt werden: "Alle Operationen, die nicht notwendig sind, sollen verschoben werden", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Coronakrise sei "die größte Herausforderung in der Bundesrepublik in den vergangenen 70 Jahren".

Der Haupteingang zu ZIM/ZOM der Uniklinik Würzburg. Besuche werden hier, wie an anderen bayerischen Kliniken, auf ein Minimum reduziert.
Der Haupteingang zu ZIM/ZOM der Uniklinik Würzburg. Besuche werden hier, wie an anderen bayerischen Kliniken, auf ein Minimum reduziert. Foto: Silvia Gralla

An der Uniklinik in Würzburg gilt nach Auskunft des Ärztlichen Direktors Georg Ertl schon seit einiger Zeit die Maßgabe, Besuche auf ein Minimum zu reduzieren, so dass maximal ein Angehöriger pro Tag den Patienten für eine Stunde besuche. Entsprechende Hinweisschilder seien in den Eingangsbereichen angebracht. Ausnahmefälle müssten mit dem Personal auf den Stationen besprochen werden.

Das Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt "rät ab sofort" und bis auf Weiteres von Besuchen bei Patienten ab, wie Sprecher Christian Kirchner mitteilte. "Wir bitten notwendige Besuche am Krankenbett auf einen gesunden Besucher pro Tag zu beschränken." Auf Besuche auf den Intensivstationen solle möglichst komplett verzichtet werden, auf der Infektionsstation sind sie vollständig untersagt. Wer Patienten Kleidung oder Ähnliches bringen wolle, könne das an der Rezeption im Erdgeschoss abgeben; alles werde weitergeleitet.

Auch das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt setzte am Freitag das Besuchsverbot um, Ausnahmen gibt es nur in dringenden Fällen. Gleiches gilt für die Kliniken Kitzinger Land und die Helios Klinik in Volkach. Für Pflegeheime und Senioreneinrichtungen hatte dies das Landratsamt Kitzingen bereits am Donnerstag empfohlen.

Nach zwei Corona-Fällen: Bürgerspital hat Einrichtungen für Besucher gesperrt

Die Würzburger Stiftung Bürgerspital hat bereits Anfang der Woche Vorsorgemaßnahmen ergriffen, nachdem bei zwei Heimbewohnern in Kliniken eine Corona-Infektion festgestellt worden war. Einer der beiden ist in der Nacht auf Donnerstag in der Uniklinik gestorben.

Wie Stiftungsdirektorin Annette Noffz auf Anfrage bestätigt, hat das Bürgerspital seit Mitte der Woche alle seine Senioreneinrichtungen für Besucher gesperrt. Nur dringend notwendige Besuche lasse man zu. Dies werde vor Ort mit dem Personal geklärt. Alle Besucher werden namentlich mit Telefonnummer und Besuchszeit erfasst. Diese Situation sei unangenehm, so Noffz, "aber die Leute zeigen viel Verständnis dafür. Sie wissen ja, dass es um den Schutz ihrer Angehörigen geht".

Auch hier vorerst nur noch Besuch in dringenden Fällen: Das AWO-Seniorenheim in der Winterhäuser Straße in Würzburg.
Auch hier vorerst nur noch Besuch in dringenden Fällen: Das AWO-Seniorenheim in der Winterhäuser Straße in Würzburg. Foto: Angie Wolf

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Unterfranken hat das von der Gesundheitsministerin verhängte Besucherverbot am Freitag sofort umgesetzt. Alle 17 vollstationären Alten- und Pflegeeinrichtungen im Bezirk mit über 1600 Bewohnern sind laut AWO zu. Wer in dringenden Fällen einen Besuch abstatten will, muss an der Tür klingeln. Vor Ort werde dann der Einzelfall geklärt, so Bettina Albert von der AWO auf Anfrage.

Sie ist Referentin für die ambulante und teilstationäre Altenhilfe und sieht ein anderes gravierendes Problem auf die Heime zukommen: "Die Pflege ist weiblich." Bei geschlossenen Kindergärten und Schüler bleiben ab kommender Woche auch Pflegerinnen zuhause, um ihre Kinder zu betreuen. Zwar zählt die Pflege zu den "systemkritischen" Berufen – aber nur wenn beide Elternteile so beschäftigt sind, dürfen sie ihre Kinder in die Notbetreuung an Schule oder Kita schicken. Albert erhofft sich hier noch eine Klärung aus dem Ministerium: "Bei zwei berufstätigen Elternteilen muss die Pflege Vorrang haben."

Zwiespalt für die Caritas: Zuwendung und Gesundheitsvorsorge

Der Schutz gefährdeter Menschen auf der einen Seite, auf der anderen der gerade für viele Senioren oder Kranke so wichtige Kontakt zu ihren Angehörigen: Um diesen Zwiespalt bewältigen zu können, mahnt Clemens Bieber, Domkapitular und Vorsitzender des Caritasverbandes für die Diözese Würzburg, zur Besonnenheit. "Man muss bewusst mit dem Instrument Besuche umgehen, bewusst überlegen, wie man den Kontakt zu alten Menschen weiter pflegen kann." Beispielsweise durch Telefonate oder indem eben nicht mehr die ganze Familie die Oma zum Kaffee besuche, sondern ein Angehöriger pro Tag. Das Wort Besuchsverbot hält er für deplatziert: "Alte Menschen brauchen auch ein Stück Zuspruch – natürlich ohne sie zu gefährden", so Bieber.

Gleichzeitig warnt der Caritas-Vorsitzende auch für soziale Einrichtungen vor wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Pandemie. So könnten finanzielle Probleme entstehen, wenn beispielsweise in der Tagesbetreuung von Senioren Plätze leer und damit Gelder ausbleiben. "Es ist wichtig, auch die Sozialwirtschaft im Blick zu behalten." 

Vorsichtsmaßnahmen bereits in den vergangenen Tagen

Unterdessen hatten einzelne Landkreise bereits in den vergangenen Tagen Schutzmaßnahmen für ihre Seniorenheime ergriffen, mancherorts galten schon Besucherverbote. Im Landkreis Main-Spessart wurden an den Eingängen von Seniorenheimen und Krankenhäusern bereits Screenings durchgeführt: Besucher werden vor Zutritt gefragt, ob sie sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Grippe-Symptome zeigen.

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