ERLABRUNN

Schwarzkieferbestand soll erhalten bleiben

Solch idyllische Sonnenaufgänge über den Schwarzkiefern am Volkenberg bei Erlabrunn und darüber hinaus bis Leinach könnten bald der Vergangenheit angehören. Der Schwarzkiefernwald, der größte zusammenhängende Deutschlands, soll in spätestens 60 Jahren einem Mehrgenerationen-Mischwald weichen. Foto: Herbert Ehehalt

Der für Erlabrunn und seine Nachbargemeinde Leinach bedeutsame Schwarzkiefernwald auf den umliegenden Anhöhen über dem Maintal soll sich innerhalb der nächsten sechs Jahrzehnte überwiegend in einen Laubwald umwandeln.

Während dies Revierförster Wolfgang Fricker jüngst bei der Bürgerversammlung als zukunftsorientierte und nachhaltige Waldbewirtschaftung rechtfertigte, schlagen im Ort seither die Wellen hoch. In der Versammlung regte sich Widerstand: „Es wird ein einzigartiges Idyll vernichtet“, bezeichnete Achim Muth das massive Ausforsten mit dem Harvester und forderte ein nachhaltiges Naturschutzkonzept.

Auch im benachbarten Leinach war im letzten Winter nach einer gründlich missglückten Aufforstungsaktion durch massive maschinelle Ausdünnung in einem sieben Hektar großen Schwarzkiefernbestand ein Aufschrei der Empörung durch den Ort gegangen.

Der Schwarzkiefernwald rund um den Volkenberg über dem Maintal bei Erlabrunn erstreckt sich weit bis auf Leinacher Gemarkung. Der Bestand umfasst insgesamt 230 Hektar und gilt damit als der größte zusammenhängende Schwarzkiefernwald Deutschlands. Erlabrunns Anteil daran besteht zwar „nur“ aus 60 Hektar. Prägend in seiner einzigartigen Bedeutung für die Region ist der Schwarzkiefernwald allemal. Beispielhaft für viele Spaziergänger urteilte Würzburgs Altbischof Paul-Werner Scheele schon vor Jahren: „Es ist ein Wald für die Seele.“

Die Schwarzkiefern, um die die Bevölkerung nun kämpft, waren vor rund 120 Jahren mühsam gepflanzt worden zum Schutz der wenigen Bodenüberdeckung des Muschelkalks. Dank der Schwarzkiefern sei es nach Überzeugung von Revierförster Wolfgang Fricker zu einer guten Humusbildung gekommen.

Der Bestand aber reduziert sich seit Jahren kontinuierlich. Unter anderem durch Befall des Diplotia-Triebsterben. Im Jahr 1999 bestand der Wald auf dem Volkenberg noch zu 99 Prozent aus Schwarzkiefern. 2011 waren es noch 83 Prozent. Nach den jahrelangen Ausholzungen beläuft sich der Anteil der Schwarzkiefern nur noch auf 79 Prozent. Kurzfristig ist ein weiterer Rückgang zu befürchten.

Nach Beobachtung des Försters ist „am Hüttleinsberg ein eklatantes Baumsterben mit einem Umfang von drei Hektar zu beobachten.“ Nach Frickers Ausführungen in der Bürgerversammlung soll sich der Anteil der Schwarzkiefern auf lediglich 30 Prozent reduzieren innerhalb von sechzig Jahren. Als Grundlage dafür hatte Förster Fricker den von Diplom-Forstwirt Leo Egg aus Langenprozelten erstellten Forstbetriebsplan genannt.

„Langfristig ist durch die Vorgabe des Forstbetriebsplans die Umwandlung der Schwarzkiefer-Monokultur in einen standortgemäßen, naturnahen Mehrgenerationen-Mischwald beabsichtigt. Dabei handelt es sich nur um die Umsetzung des Forstbetriebsplans“, bestätigte Revierförster Fricker auch gegenüber dieser Redaktion seine Aussage aus der Bürgerversammlung. Angestrebt sei ein artenreicher Mischwald aus Eichen, Buchen, Elsbeeren, Mehlbeeren, Kirschen oder auch Feldahorn.

„Freilich scheiden sich die Geister zu den Veränderungen in unserem Wald“, zeigt Bürgermeister Thomas Benkert (UBE) Verständnis für die Kritik aus der Bevölkerung. Gleichzeitig versicherte Benkert: „Niemand will unseren Wald nieder machen, sondern vielmehr erhalten für die nachfolgenden Generationen. Mit dem Gemeinderat müssen wir uns dabei aber auf die Ratschläge und Aussagen der Experten verlassen“, erklärte Benkert.

Fricker räumt ein, dass durch punktuelles Entfernen von Schwarzkiefern das Wachstum von Laubbäumen gefördert werden soll. Die vom Revierförster ausgeführte künftige Waldbewirtschaftung kritisierte Achim Muth in der Bürgerversammlung. „Dieser Wald verströmt eine ganz besondere Atmosphäre und besitzt in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal, das sich für den Tourismus der Region positiv auswirken könnte.“ Zudem komme nach Muths Auffassung dem Gedeihen der eigentlich in Südeuropa beheimateten Schwarzkiefer der Klimawandel eher entgegen. „Dieser Wald ist ein Geschenk, das wir erhalten sollten“, richtete Muth einen Appell an die Gemeinde.

Bürgermeister Thomas Benkert versprach auf der Bürgerversammlung, das Thema nochmals im Gemeinderat unter diesen Aspekten zu behandeln.

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