Osthausen

Schweineskandal: Anklage voraussichtlich im Frühsommer

Vor einem Jahr wurde bekannt, dass bei Gelchsheim 2000 Schweine qualvoll verenden mussten. Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob der 29-jährige Jungbauer schuldfähig ist.
Schweineskandal: Anklage voraussichtlich im Frühsommer       -  Genau vor einem Jahr wurde bekannt, dass in einem Schweinemaststall nahe dem Gelchsheimer Ortsteil Osthausen rund 2000 Schweine über Monate hinweg qualvoll verendet waren. Im Mai sollen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft so weit abgeschlossen sein, dass sie Anklage gegen den 29-jährigen Schweinehalter erheben kann.
Genau vor einem Jahr wurde bekannt, dass in einem Schweinemaststall nahe dem Gelchsheimer Ortsteil Osthausen rund 2000 Schweine über Monate hinweg qualvoll verendet waren. Im Mai sollen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft so weit abgeschlossen sein, dass sie Anklage gegen den 29-jährigen Schweinehalter erheben kann. Foto: Thomas Obermeier

Nach wie vor ist es schwer vorstellbar, wie ein Landwirt seine rund 2000 Schweine in einem Stall bei Gelchsheim (Lkr. Würzburg) über Monate hinweg qualvoll verenden lassen konnte. Genau ein Jahr ist es her, dass der Fall öffentlich wurde. Der 28-jährige Landwirt hatte den Fall über seinen Anwalt dem Veterinäramt in Würzburg angezeigt.

Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Würzburg gegen den Jungbauern wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Höchststrafe, die das Gesetz vorsieht, liegt bei drei Jahren Gefängnis. Erst kürzlich hatte ein Gericht in Ulm dieses Strafmaß gegen einen Landwirt verhängt, in dessen Ställen 1600 Schweine qualvoll zu Tode kamen. Im Mai will auch die Staatsanwaltschaft in Würzburg ihre Ermittlungen abgeschlossen haben. Nachdem die Polizei bereits im Herbst das Ergebnis ihrer Ermittlungen vorgelegt hatte, geht es der Staatsanwaltschaft nun unter anderem um die Frage der Schuldfähigkeit des inzwischen 29-Jährigen.

Landwirt wird nicht zur Kasse gebeten

Im März hat das Verwaltungsgericht in Würzburg geurteilt, dass der Landwirt nicht für die Entsorgung der Kadaver aufkommen muss, weil das Landratsamt einen Formfehler begangen hat. Ende April vergangenen Jahres hatte das Amt den Landwirt aufgefordert, die toten Schweine zu entsorgen und die beiden Stallgebäude zu desinfizieren, um der Ausbreitung von Tierseuchen und Schädlingen vorzubeugen. Als der Schweinehalter mitteilen ließ, dass er sich dazu nicht imstande sehe, griff das Landratsamt zum Mittel der Ersatzvornahme und beauftragte selbst ein Entsorgungsunternehmen, um dem Landwirt später die Kosten in Rechnung zu stellen. Gegen diesen Kostenbescheid in Höhe von rund 200.000 Euro hat der Landwirt geklagt.

Das Veterinäramt hatte damals mehrere Tage lang nach einem geeigneten Entsorgungsunternehmen gesucht und den Auftrag schließlich aufgrund der Eilbedürftigkeit ohne Ausschreibung einer Firma aus Norddeutschland erteilt. Das Verwaltungsgericht schloss sich nun der Darstellung des Landwirts an, dass diese Eilbedürftigkeit nicht bestanden habe und genügend Zeit gewesen wäre, mittels einer Ausschreibung einen deutlich günstigeren Anbieter zu finden. Der Kostenbescheid wurde deshalb aufgehoben.

"Das kommt davon, wenn man den Hals nicht voll kriegt."
Ein Landwirt aus dem Ochsenfurter Gau

In der Verhandlung, zu der der Kläger nicht persönlich erschienen war, kamen erstmals auch weitere Details der Ermittlungen von Polizei und Veterinäramt öffentlich zur Sprache. Unter anderem wurde bekannt, dass einzelne tote Schweine schon seit 2015 in dem Stall gelegen waren. Die meisten verendeten wohl im Herbst und Winter 2017 über Monate hinweg, wie der unterschiedlich fortgeschrittene Verwesungszustand schließen lässt. Spuren von Kannibalismus deuten darauf hin, dass die meisten von ihnen verhungert sind.

Wie das Leid der Tiere über Monate hinweg unbemerkt bleiben konnte, scheint unverständlich. Anwohner aus dem wenige hundert Meter entfernten Dorf Osthausen gaben an, dass man wochenlang niemanden mehr an den Ställen gesehen habe. Weil nach außen auch keine Geräusche zu vernehmen waren, sei man davon ausgegangen, dass er leer stehe. Kontakt zum Landwirt habe man nicht gehabt. Er lebt in einem Nachbardorf.

Von Nachbarn und Berufskollegen gemieden

Dort werde die Familie seitdem gemieden, berichten Nachbarn. Kaum einer in dem landwirtschaftlich geprägten Dorf wolle noch mit dem jungen Bauern zu tun haben. Und auch unter seinen Berufskollegen hat der 29-Jährige sein Ansehen verspielt. "Das kommt davon, wenn man den Hals nicht voll kriegt", sagt ein Landwirt aus dem Ochsenfurter Gau, der nicht namentlich genannt werden möchte, gegenüber der Redaktion. Der Betrieb habe schon vor dem Fall keinen guten Ruf gehabt, weil man wiederholt versucht habe, anderen Landwirte durch überzogene Preisangebote Pachtäcker streitig zu machen.

Nach dem derzeitigen Stand wird die Staatsanwaltschaft voraussichtlich im Frühsommer Anklage gegen den Landwirt erheben können. Nachdem inzwischen auch die schriftliche Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts vorliegt, prüft das Landratsamt derzeit in Absprache mit der Landesanwaltschaft und der Regierung von Unterfranken, ob man gegen die Aufhebung des Kostenbescheids in Revision gehen wird.

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