SCHWEINFURT

Schweinfurt sturmreif geschossen

schweinfurt Vor 60 Jahren sind die Amerikaner in Schweinfurt einmarschiert, nachdem sie die Stadt zunächst in Richtung Haßberge umgangen waren. Für die Bevölkerung der Kugellagerstadt war damit der Weltkrieg nach 2052 Tagen zu Ende.
Schlechte Versorgungslage, schlechte Straßen. In       -  Schlechte Versorgungslage, schlechte Straßen. In Schweinfurt waren die
Kriegsfolgen auch drei Jahre nach Kriegsende noch überall zu sehen - wie
hier in der Bauerngasse.
Schlechte Versorgungslage, schlechte Straßen. In Schweinfurt waren die Kriegsfolgen auch drei Jahre nach Kriegsende noch überall zu sehen - wie hier in der Bauerngasse. Foto: FOTO STB-ARCHIV
11. April 1945. Nachdem die Stadt zwei Tage lang von Artillerie beschossen worden war, nach teils noch heftigen Gefechten, hatten die Soldaten der 42. US-Infanterie-Division "Rainbow" auch den letzten deutschen Widerstand niedergekämpft. Sichtbares Zeichen war am Nachmittag dieses sonnigen, frühlingshaften Mittwochs das US-Sternenbanner an der Westwand des Rathaus-Vorbaus sowie das aufgemalte Emblem der Rainbow-Division. Der Regenbogen - für die meisten der Einwohner, die auch diese letzten Angriffe überlebt hatten, mag er ein Symbol des erhofften

 

Voraus gegangen war ab 7. April Bombardement und Beschuss, die in der Stadt verbliebenen Bewohner blieben nun dauernd in Bunkern und intakten Kellern. Draußen wurde derweil das letzte Aufgebot zusammengezogen: Alle Männer zwischen 16 und 60 wurden zum Volkssturm aufgerufen.

Am 9. April erschien die letzte Ausgabe des NS-Organs "Schweinfurter Zeitung" mit der Schlagzeile "Kapitulation? Nein! Wir ersticken im Haß!" Am 10. April bombten bei zwei Angriffen amerikanische "Marauders"-Flugzeuge die bereits in Ruinen liegende Stadt endgültig sturmreif. Bei zwei Angriffen - um 12 Uhr und 17 Uhr - warfen die Flieger ihre Bombenlast ab und töteten dabei 137 Menschen: 72 Männer, 40 Frauen, 17 Kinder, zwei belgische Kriegsgefangene und sechs Unbekannte.

"Jetzt geht es um unsere Heimat", "Für Feiglinge und Schwächlinge ist in unseren Reihen kein Platz!": Mit letzten verzweifelten Durchhalteparolen wie diesen versuchten die Nazi-Führer 15-jährige Buben und betagte Männer gegen den übermächtigen "Feind" in Stellung zu bringen. Am Ortseingang von Oberndorf wurde eine bunt gewürfelte "Volkskampfgruppe" in Stellung gebracht. Eine "Feldbefestigung", die für die anrückenden Sherman-Panzer der Amerikaner kein ernsthaftes Hindernis darstellte.

Am Morgen des 11. April sprengten Wehrmachtstruppen noch schnell die Maxbrücke, als die Amerikaner schon am Obertor standen. US-Infanteristen drangen schließlich Straße um Straße vor, aus Fenstern hingen bereits weiße Bettlaken oder Handtücher als Zeichen der Kapitulation.

Ohne Gegenwehr wurde der Gefechtsstand der örtlichen Kampfkommandantur unter Oberstleutnant Lechner eingenommen. Dieser hatte sich zu Artillerieeinheiten auf den Deutschhöfer Berg zurück gezogen. Im Befehlsbunker an der Goetheschule befand sich unter anderem NS-Oberbürgermeister Ludwig Pösl. NS-Kreisleiter Weidling hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst in Richtung Untermerzbach abgesetzt, wo Gauleiter Dr. Otto Hellmuth - wie berichtet - sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte.

Der Zweite Weltkrieg endete mit       -  Der Zweite Weltkrieg endete mit unendlichem Leid und großen
Verwüstungen - auch in Schweinfurt. Im Bild das Gelände von FAG
Kugelfischer, völlig zerbombt.
Der Zweite Weltkrieg endete mit unendlichem Leid und großen Verwüstungen - auch in Schweinfurt. Im Bild das Gelände von FAG Kugelfischer, völlig zerbombt. Foto: FOTO STB-ARCHIV
Wegen ihrer kriegswichtigen Industrie ist       -  Wegen ihrer kriegswichtigen Industrie ist die Stadt Schweinfurt mehrmals
bombardiert worden. Hier: Löschen in der Luitpoldstraße unmittelbar
nach dem Bombenangriff vom 14. Oktober 1943.
Wegen ihrer kriegswichtigen Industrie ist die Stadt Schweinfurt mehrmals bombardiert worden. Hier: Löschen in der Luitpoldstraße unmittelbar nach dem Bombenangriff vom 14. Oktober 1943. Foto: FOTO STACHARCHIV

Weidling fiel den Amerikanern am 12. April in die Hände und wurde auf den Kühler eines Jeeps gefesselt mit dem Schild "Herzlich willkommen" um den Hals nach Schweinfurt transportiert. Auf dem Rathausbalkon musste er sich Schmährufe einer aufgebrachten Menge anhören, die ihn an seinen letzten Aufruf erinnerte: "Unser Aushalten bis zum letzten ist der deutsche Sieg!"

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