Tückelhausen

Sechs Jahre lang Ansprechpartner für Geflüchtete

Die dezentrale Flüchtlingsunterkunft in Tückelhausen wurde geschlossen. Die ehrenamtlichen Helfer blicken zurück. Und nach vorn, denn zu tun gibt es noch immer genug.
Stephan und Barbara Clobes vom Asylhelferkreis Tückelhausen wurden im Rathaus verabschiedet. Links Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher, rechts Bürgermeister Peter Juks.
Stephan und Barbara Clobes vom Asylhelferkreis Tückelhausen wurden im Rathaus verabschiedet. Links Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher, rechts Bürgermeister Peter Juks. Foto: Claudia Schuhmann

Seit wenigen Wochen ist die dezentrale Asylbewerberunterkunft in der alten Brauereigaststätte in Tückelhausen geschlossen. Damit hat auch der seit rund sechs Jahren bestehende Asylhelferkreis seinen Daseinszweck im Großen und Ganzen verloren. Um den ehrenamtlichen Helfern seinen Dank für die jahrelange Arbeit auszusprechen, hatte Bürgermeister Peter Juks Barbara und Stephan Clobes stellvertretend für alle Helfer aus dem Ort ins Rathaus eingeladen.

Tückelhausen ist so etwas wie die Keimzelle der Asylhelferkreise im Landkreis Würzburg, denn dort wurden schon Ende 2012 Flüchtlinge einquartiert - "lange vor der großen Welle im Jahr 2015", sagt Juks. Im November 2012 wurde in Tückelhausen die erste dezentrale Unterkunft für Flüchtlinge im Landkreis Würzburg in Betrieb genommen. Damals kamen Familien aus Tschetschenien an. Die Einwohner des kleinen Ortes hätten sich damals von dieser Entscheidung überrumpelt gefühlt, insbesondere aufgrund der mangelhaften Informationspolitik der Behörden. "Wir erfuhren aus der Presse, dass 30 Asylbewerber nach Tückelhausen kommen sollten", erinnert sich Barbara Clobes. Die Behörden hätten jedoch daraus gelernt und 2015 die Bürger rechtzeitig und besser auf die Ankunft der vielen Flüchtlinge in Ochsenfurt vorbereitet, ergänzt Verwaltungsleiter Wolfgang Duscher.

Über die Hausaufgabenbetreuung wurden auch die Eltern erreicht

Die Tückelhäuser reagierten damals schnell auf die neue Situation. Engagierte Bürger schlossen sich zu einem Helferkreis zusammen und schafften es in kurzer Zeit, die anfänglichen Vorbehalte gegen die fremden Menschen zu zerstreuen. Für diese war der Alltag nicht einfach. In Tückelhausen den Lebensmitteleinkauf zu bewerkstelligen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln voranzukommen - schwierig für jemanden ohne Deutschkenntnisse, der gerade erst ins Land gekommen ist. Der Helferkreis unterstützte die Neuankömmlinge bei allen praktischen Problemen und insbesondere bei Behördengängen.

"Wir erfuhren aus der Presse, dass 30 Asylbewerber nach Tückelhausen kommen sollten."
Barbara Clobes, ehrenamtliche Helferin

Das Hauptaugenmerk von Barbara Clobes lag jedoch auf der Hausaufgabenbetreuung für die Flüchtlingskinder, die vier mal pro Woche stattfand. Zwei Räume in der Asylbewerberunterkunft richteten die Mitglieder des Helferkreises dafür ein. Insbesondere der Deutschunterricht war der Lehrerin wichtig. Über die Kinder gehe die Integration am besten voran, sagt Barbara Clobes. Denn über die Kinder seien auch die Eltern erreicht worden.

Bürokratie erschwert die Arbeit der Helfer

Für Barbara Clobes waren es die Kinder, die sie bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit am meisten motivierten. In Tückelhausen waren zumeist Familien untergebracht. Auch jetzt leben dort noch vier Flüchtlingsfamilien, allerdings nicht mehr in Form der Unterbringung in einer dezentralen Unterkunft, sondern als ganz gewöhnliche Mieter. Das heißt, dass die ehrenamtlichen Helfer bisweilen doch noch gebraucht werden.

Als hilfreich und angenehm empfand Stephan Clobes die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Ortschaften und Einrichtungen. Ob Kindergärten oder Schulen: Stets habe man sich gegenseitig geholfen und beschenkt. Auch für die Behörden hat das Ehepaar Clobes Lob übrig. Im Laufe der Zeit sei das Entgegenkommen von dort gewachsen, sagen die beiden. Obwohl die bürokratischen Hürden den Helfern noch immer oft den letzten Nerv rauben.

Viele Geflüchtete wollen in der Stadt wohnen bleiben

Das Engagement von ehrenamtlichen Asylhelfern sei oft belächelt worden, sagt Peter Juks. Sobald ein Flüchtling anerkannt sei, kehre er dem ländlichen Raum ohnehin den Rücken und lasse sich in den großen Städten nieder, laute eine häufig geäußerte Annahme. Gerade in Ochsenfurt habe sich aber gezeigt, dass die hier einquartierten Flüchtlinge die Stadt als ihre neue Heimat betrachteten und hier wohnen bleiben wollten. Das sei sicher auch dem Bemühen der ehrenamtlichen Helfer zu verdanken.

In Ochsenfurt wurden 2015 besonders viele Asylbewerber einquartiert. Derzeit leben laut Landratsamt in den drei Gemeinschaftsunterkünften in Aub, Ochsenfurt und Giebelstadt rund 200 Personen. Nach und nach sollen in Bayern die dezentralen Unterkünfte geschlossen werden.

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