WÜRZBURG

Seit 15 Jahren im Einsatz für den Wirtschaftsstandort

Claus Schreiner (links) und Klaus Walther sind ehrenamtliche Vorstände der Würzburg AG. Foto: Pat Christ

Mit der Würzburg AG gibt es seit 15 Jahren eine ungewöhnliche Aktiengesellschaft in der Stadt. Ihr Ziel ist es nicht, fette Rendite zu erwirtschaften. Sie will vielmehr das „Unternehmen“ Würzburg zum Florieren zu bringen. „Alle 46 Aktionäre sind Idealisten“, sagt Klaus Walther vom Vorstand der AG. 50 000 Aktien kursieren. Die Gründungsaktionäre besitzen gleich mehrere tausend „Wertpapiere“. Einen Teil geben sie gern zum symbolischen Preis von einem Euro an neue Aktieninhaber weiter.

Mit zehn Visionen ging die „Würzburg AG“ im Frühjahr 2002 an den Start. „Die Region Würzburg ist überregional bekannt als progressiver Standort für innovative Ideen und Technologien bei hoher Lebensqualität. Die Akquisition leitender Mitarbeiter ist problemlos“, lautete eine der Visionen.

Würzburgs Erwicklungspotenzial erschlossen

Das erscheint aus heutiger Sicht reichlich optimistisch. Denn es ist vielerorts alles andere als „easy“, Führungskräfte zu gewinnen. Auch damals war die Vision – eben eine Vision. „Dahinter steckte allerdings die Überzeugung, dass Würzburg ein größeres Entwicklungspotenzial besitzt als bis dahin erkannt war“, sagt Claus Schreiner, der ebenfalls dem Vorstand der AG angehört. Vor 15 Jahren sei Würzburg vor allem für Touristen attraktiv gewesen. Inzwischen, beobachtet Schreiner, wüssten viel mehr Menschen um die Innovationskraft der Region.

Die kühnen Visionen der Anfangszeit begeisterten. Sie gaben zum Beispiel für Unternehmensberater Michael Beckhäuser den Ausschlag, Gründungsaktionär zu werden. „Die Aktionen der Würzburg AG helfen, die Innovationen der regionalen Unternehmen transparent zu machen“, sagt er. Vor allem die Würzburger Wirtschafts-Tage schafften dies. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei es wichtig, dass sich Würzburg gegenüber anderen Regionen positioniert. Beckhäusers größter Wunsch wäre es, dass die Landesgartenschau 2018 gerade auch dazu genutzt wird, Fachkräfte auf die Region aufmerksam zu machen.

Erfolgreiche Wirtschafts-Tage

Zu Aktionären der ersten Stunde gehörte auch das Kommunalunternehmen des Landkreises (KU). „Es ist wichtig, dass Kommunen und Wirtschaft gemeinsam versuchen, die Region voranzubringen“, meint KU-Chef Alexander Schraml. Und das nicht nur mit den üblichen Methoden, sondern kreativer und moderner: „Dafür steht für mich die Würzburg AG.“ Schraml sieht die Wirtschafts-Tage als besonderen Erfolg der vergangenen Jahre an. Wichtig wäre ihm für die Zukunft eine stärkere Einbeziehung von Landkreisgemeinden und Landkreisunternehmen.

„Mir hat vor allem die Kampagne ,Provinz auf Weltniveau? gefallen“, erklärt Rechtsanwältin Angela Leschnig, Aktionärin seit 2004. Damit habe die Würzburg AG zwar polarisiert, es aber auch geschafft, weit über Würzburg hinaus auf sich aufmerksam zu machen: „Gerade so etwas bringt Würzburg weiter.“ Dem stimmt Architekt Klaus Laudenbacher zu. „Ganz sicher hat die Würzburg AG gezeigt, dass ,Würzburg als Provinz? seine Reize hat“, meint er. Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass noch stärker bekannt gemacht wird, welche attraktiven Wirtschaftsunternehmen es in der Region gibt.

„Für mich ist die Würzburg AG eine Möglichkeit, Kontakte zu pflegen und mein Fachwissen als Steuer- und Wirtschaftsberaterin einzubringen“, erklärt Gründungaktionärin Karin Fischer-Böhnlein. In ihren Augen leistete die AG hervorragende Arbeit für die Stadtentwicklung: „Sie hat zum Beispiel Pläne für den Neubau der Fachhochschule unterstützt.“ Interessant waren für sie auch die „Why-Not-Ausstellungen“ mit geplanten, aber nicht verwirklichten Projekte gewesen. Wünschenswert fände sie eine noch engere Kooperation zwischen den Aktionären.

Sehr viel Arbeit im Hintergrund

Dem stimmt Rechtsanwalt Michael Kraus zu. Er wurde 2014 Aktionär – mit Erwartungen, die, wie er zugibt, nicht ganz erfüllt worden sind. Kraus wünscht sich noch mehr Engagement für eine langfristige Würzburg-Strategie: „Warum setzen sich die Aktionäre nicht häufiger zusammen und diskutieren entsprechende Vorschläge?“. Es gäbe zu wenige Treffen, auch sei der Informationsaustausch nicht gerade üppig: „Manchmal höre ich monatelang nichts von der AG.“

Das liegt nicht an Untätigkeit, betont Vorstandsmitglied Klaus Walther. Sehr viel Arbeit geschehe im Hintergrund. Zum Beispiel habe die Würzburg AG eine wichtige Rolle dafür gespielt, dass in Würzburg ein „Zentrum für digitale Innovation“ etabliert wird. Mit Ideen, die nicht zuletzt von den Aktionären stammten, habe sich die Stadt bei der Staatsregierung um ein digitales Gründerzentrum beworben und den Zuschlag erhalten. Überhaupt spielt das Thema „Gründen“ eine große Rolle. Diejenigen, die schon hier sind, etwa weil sie hier studieren, sollen in der Region gehalten werden.

Ohne die AG hätte möglicherweise auch der Bahnhof noch immer sein Schmuddelimage. Als die Aktionäre hörten, dass es die Bahn wohl nicht schaffen wird, den Bahnhof bis zur Landegartenschau umzugestalten, trat sie in Aktion. „Wir haben ganzseitige Anzeigen geschaltet und binnen weniger Tage über 5000 Unterschriften gesammelt.“ Das hatte offenbar Eindruck gemacht. Im Verbund mit vielen weiteren Mitstreitern, allen voran Landtagspräsidentin Barbara Stamm, gelang es so, eine zügige Bahnhofsumgestaltung durchzusetzen.

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