UNTERPLEICHFELD

Selbst auf der Terrasse hinter dem Haus staubig und laut

Demo mit Fähnchen: Der Feinstaub von der B 19 dringe bis in die Wohnungen und mache krank, klagen die Demonstranten.KONR... Foto: Foto:

„Lärm, Dreck und Gestank machen uns krank“ stand auf dem Transparent, das den großen Demonstrationszug anführte. Und die Worte verdeutlichten genau die Motivation der Teilnehmer, die mit der Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung und Ortsumgehung“ am Freitag auf der Bundesstraße in Unterpleichfeld demonstrierten.

Christl Habermann wohnt direkt an der B 19. Sie klagt über den Lärm und „Dreck in der Wohnung durch Feinstaub“. Und sie ist genervt: „Ich lade jeden Politiker und Interessenten ein, im Sommer ein paar Tage bei mir zu verbringen.“ Selbst auf der Terrasse hinter dem Haus sei es staubig und so laut, dass man sich nicht unterhalten könne. Ganz zu schweigen von dem Problem, dass sie mit dem Auto wegen des dichten Verkehrs kaum aus ihrer Einfahrt komme.

Auch Sabine Springer ist entrüstet. Sie sorgt sich um die Sicherheit ihrer Kinder. Zum Kindergarten, der an der B 19 liegt, gehe sie bereits Umwege. Zur Straße hin könne sie kein Fenster aufmachen wegen des Staubs, oft würden die Autos im kurvenreichen Ort über die Gehwege ihre Strecke abkürzen. Die Prognosen zum Verkehrsaufkommen machen ihr Angst.

„Ich habe noch nie erlebt, dass ein Lkw kontrolliert wurde, ob er zurecht durch unseren Ort fährt oder ein Mautpreller auf der A7 ist“, regte sich eine Demonstrantin auf. Polizei-Einsatzleiter Wolfgang Remelka weist das zurück. „Unsere Streifenpolizisten machen ihre Arbeit und kontrollieren punktuell.“ Derzeit gebe es 200 Wohnungseinbrüche im Einsatzbereich aufzuklären – das gehe eben vor.

Fehlende Kontrollen moniert auch Andreas Gstrein, der Inhaber der Skiklinik am Ortsausgang Richtung Bergtheim. Er ist überzeugt, dass die meisten Fahrzeuge dort „mindestens 70 km/h fahren“ – egal ob ins Dorf hinein oder zum Dorf hinaus. Das würde „nie kontrolliert“ oder bestraft.

Schon seit 1972 gibt es eine Trasse für eine Ortsumgehung, weiß Bürgermeister Fredy Arnold. Dass die Bevölkerung nun auf die Straße geht, findet er gut. Ihm liegt vor allem die Sicherheit der Fußgänger auf den Gehwegen am Herzen. Und er ist froh, dass heuer zumindest die Ortsdurchfahrt umgestaltet wird. „Es geht mir nicht nur um höhere Gehsteige oder Warnschilder“, sagt er und hofft auf einen Kreisverkehr oder eine Maut auf der B 19 als „effektive Maßnahme“.

Die Lkw-Maut auf der B 19 zwischen den Anschlussstellen Estenfeld (A 7) und Werneck (A 70) ist eine Hauptforderung der Bürgerinitiative und der Demonstranten. Auch Bergtheims Bürgermeister Konrad Schlier protestiert mit. Die Gemeinde selbst will neutral bleiben und nicht Mitglied in der Bürgerinitiative werden. Das hat der Bergtheimer Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt. Werneck und Unterpleichfeld sind als Markt und Gemeinde indes dabei.

Aufgeben wollen die Verantwortlichen nicht, trotz der jüngsten Hiobsbotschaft aus München, dass Verkehrsminister Joachim Herrmann eine Machbarkeitsstudie für eine großräumige Ortsumgehung und eine Maut auf der B19 ablehnt. „Es reicht“, sagen die Demonstranten und BI-Verantwortlichen und weisen auf die jahrzehntelange Vertröstung hin. Für Michael Wild, einem der Initiatoren der BI, ist der wichtigste Grund für eine Ortsumgehung „die Tatsache, dass der Verkehrsfluss nach Prognosen in den nächsten Jahren noch ansteigen wird“.

Die A7 werde niemals eine Alternative für die tausenden täglichen Pendler zwischen Würzburg und Schweinfurt sein, ist Wild überzeugt. Bereits jetzt sei die A7 als Alternative möglich, doch die Strecke über die Autobahn werde nicht genutzt, weil sie – je nach Start und Ziel – zehn bis 15 Kilometer Umweg bedeutet.

Auf die B26n sind die Demonstranten schlecht zu sprechen. „Die zweite angedeutete Entlastungsstrecke B26n wird frühestens in den 30 Jahren in Betrieb gehen“, fürchten sie. Die mögliche Entlastung in etlichen Jahren stehe in keinem Verhältnis zum aktuell ansteigenden Verkehr.

Weitere Demonstrationen: An den kommenden drei Freitagen wird jeweils von 14 bis 16 Uhr wieder demonstriert – am 21. Februar in Bergtheim, dann in Opferbaum und Eßleben.

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