RIEDEN

Simone Strobel: Ex-Freund kann Buch nicht stoppen

Das Buch über den Tod von Simone Strobel erschien 2014.
Das Buch über den Tod von Simone Strobel erschien 2014. Foto: Polizei

Tobias M. muss auch künftig mit dem Verdacht leben, vor zwölf Jahren seine Freundin Simone Strobel in Australien getötet zu haben. Mit der Klage gegen ein Buch, das diesen Verdacht nährt, scheiterte er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof von Westaustralien. M. wurde von Richter Kenneth Martin verurteilt, der Autorin Virginia Peters 120 000 australische Dollar an Gerichtskosten zu zahlen.

M. war zu der von ihm selbst in Gang gesetzten Verhandlung ohne seinen bisherigen Anwalt erschienen, berichten australische Zeitungen. Dort erklärte er: Er könne den Fall nicht weiter führen, er habe kein Geld mehr. In dem jahrelangen Verleumdungsverfahren hat der aus dem Landkreis Main-Spessart stammende Tobias wohl das Vertrauen seiner australischen Familie in seine Unschuld verloren. Denn „Familie und Freunde“ hatten dem Surflehrer bisher die Eine-Million-Dollar-Klage finanziert, wie er berichtete.

Leiden an der Ungewissheit

In Australien und Unterfranken sorgt der Fall seit Jahren für großes Mitgefühl – vor allem deshalb, weil es viel Verständnis für Simones Eltern Gabi und Gustl Strobel in Rieden (Lkr. Würzburg) gibt. Die leiden unter der Ungewissheit, wie ihre Tochter ums Leben kam – und fragen sich, warum Simones langjähriger Freund Tobias sich weigert, an der Aufklärung mitzuwirken.

2005 war die Kindergärtnerin bei einer einjährigen Rundreise durch Australien mit ihrem Freund, dessen Schwester und einem Bekannten bis nach Lismore gekommen. Sie verschwand in der Nacht des 12. Februar unter ungeklärten Umständen vom Campingplatz. Fünf Tage später wurde sie tot nur 80 Meter entfernt gefunden, versteckt unter Palmzweigen. Sie war erstickt worden.

Ihr Freund verstrickte sich in Widersprüche, wurde von der Polizei mit Unwahrheiten erwischt. Er verweigerte von da an jede Zusammenarbeit. Er zog sich nach Südafrika zurück und weigerte sich später, nach Australien zurückzukommen, als in einer Anhörung die Ermittlungsergebnisse erörtert wurden.

Immer stärker wurde der Verdacht, Tobias könne mit dem Tod seiner Freundin zu tun haben. Er selbst beteuert seine Unschuld. In Ermittlungen der Würzburger Staatsanwaltschaft und Kripo wird er bis heute als Hauptverdächtiger geführt, wie dieser Redaktion am Freitag bestätigt wurde. Inzwischen ist Tobias in Australien mit der Tochter eines wohlhabenden Zahnarztes in Perth verheiratet und hat den Nachnamen dieser Familie angenommen.

Die Autorin Virginia Peters griff den Verdacht auf, er könnte Simone umgebracht haben. Peters war (neben seiner heutigen Familie) die einzige, mit der M. über den Fall während ihrer jahrelangen Recherchen sprach. Aber als 2014 ihr Buch „Haben Sie Simone gesehen?“ den Verdacht thematisierte, klagte er vor dem Obersten Gerichtshof von Westaustralien gegen Autorin und Verlag um eine Million australischer Dollar wegen Verleumdung.

Hoffen auf interne Dokumente

Kriminalbeamte wie Hans-Jürgen Kämmer in Würzburg hatten gespannt auf M.'s Auftritt vor Gericht gewartet: Wenn – wie der Verdächtige behauptete – in dem Buch (wie in den Ermittlungen) alles falsch geschildert wurde, hätte er in einem von ihm selbst angestoßenen Prozess endlich schildern dürfen und müssen, was sich aus seiner Sicht vor zwölf Jahren in Lismore ereignet hatte.

Daraus wird nun nichts. Doch die Polizei hofft nun, Zugang zu 100 Seiten interner Dokumente M.'s zu bekommen, die im Prozess zur Sprache kamen. Als sich der Kläger weigerte, sie auszuhändigen, waren sie beschlagnahmt, aber versiegelt worden.

Auf 100 Seiten hatten er und seine Frau offenbar bereits vor Jahren Verteidigungsstrategien und sein Aussageverhalten zum Tod Simones diskutiert. Diese 100 Seiten würden Ermittler gerne lesen, weil M. über den Fall bis heute schweigt.

Autorin Peters zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Verfahrens. Es sei „ein Mammut-Kampf“ gewesen, gegen M., aber auch gegen die veralteten australischen Gesetze wegen Verleumdung.

M. äußerte sich auf wiederholte Anfrage über seinen Würzburger Anwalt Peter Auffermann nicht, auch nicht auf dreimalige direkte Frage dieser Redaktion bei seinen Aufenthalten in Deutschland.

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