WÜRZBURG

Slam-Poetin Pauline Füg: "Sprache ist alles"

Mit der Sprache schweben: Pauline Füg bei einem Poetry Slam an der Universität Würzburg am Mikrofon in Aktion.
Mit der Sprache schweben: Pauline Füg bei einem Poetry Slam an der Universität Würzburg am Mikrofon in Aktion. Foto: THOMAS OBERMEIER

Gleich zwei Preise gehen in diesem Sommer an Pauline Füg. Die Autorin und Slam-Poetin aus Würzburg wird mit dem Sprachbewahrerpreis der Sprachkultur Mainfranken ausgezeichnet. Und erhält den mit 2500 Euro dotierten Kulturförderpreis der Stadt Würzburg. Die Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache würdigt mit dem Sprachbewahrerpreis Fügs Verdienste um die Pflege, Weiterentwicklung und den gehobenen Gebrauch der deutschen Sprache. Die 32-jährige studierte Psychologin, die in Würzburg lebt und schreibt, folgt damit auf Sprachbewahrer wie CSU-Politiker Michael Glos, Main-Post-Redakteur Herbert Scheuring oder Schauspieler Markus Grimm. Öffentlich verliehen wird der Sprachbewahrerpreises am 13. September um 14 Uhr in den Greisinghäusern. Derzeit ist Pauline Füg noch im Urlaub, ihr Büro ist geschlossen. Aber unsere Fragen hat die Autorin trotzdem schon mal beantwortet.

Innerhalb einer Woche erst der Kulturförderpreis der Stadt, dann der Sprachbewahrerpreis – wann, wie und wo haben Sie von den beiden Auszeichnungen erfahren?Und, wie fühlt es sich an?

Füg: Ich hab mich sehr gefreut. Als Künstlerin stecke ich ja viel – auch unentgeltliche – Energie in Projekte, und wenn das dann anerkannt wird, ist das großartig. Quasi ein offizieller Applaus für die eigene künstlerische Arbeit.

Förderpreis oder Sprachbewahrerpreis – welche Auszeichnung bedeutet Ihnen mehr?

Füg: Jede Anerkennung freut mich. Es ist natürlich doppelt schön, wenn ein Preis dann auch noch dotiert ist. Denn diese finanzielle Honorierung bedeutet für mich Zeit, in der ich künstlerisch arbeiten kann. Beide Preise zeigen mir, dass ich auch künstlerisch in Würzburg angekommen bin. Das bedeutet mir viel.

Fühlen Sie sich denn als Sprachbewahrerin? Oder sind Sie nicht eher Sprachentwicklerin?

Füg: Irgendwie bin ich beides, und das schließt sich auch nicht aus. Ich spiele mit der deutschen Sprache, weil das meine Muttersprache ist und ich mit keiner anderen Sprache Dinge so gut ausdrücken könnte. Ich beschäftige mich mit den poetischen Wurzeln, finde es aber auch wichtig, mit der Zeit zu gehen. Gerade beim Umgang in Schreibwerkstätten mit Jugendlichen merke ich das. Bei meinem Projekt „DemenzPoesie“, bei dem ich mit demenziell erkrankten Menschen arbeite, fällt immer wieder auf, wie wichtig aber auch die Gedichte von Schiller und Goethe sind.

Ist Poetry-Slammen Sprachbewahrung?

Füg: Es ist auch beides. Zum einen eine neue Form von Literaturveranstaltung, die den Zeitgeist zeigt, aber durch viele intertextuelle Anspielungen auch eine Auseinandersetzung mit allen literarischen Epochen fordert.

Mögen Sie Anglizismen?

Füg: Ja. Ich mag auch Neologismen. Ich mag Sprache allgemein. Ich habe aber jetzt bewusst nicht einen Anglizismus benutzt, um zu sagen „Sprache ist laser“. Muss ja alles im angemessenen Sprachrahmen bleiben.

Sprache ist „laser“? Das hätten wir hier dann auch übersetzen müssen: Sprache ist super, Und apropos: Was ist denn Großraumdichtung?

Füg: Großraumdichten ist ein Neologismus. Und der Name meines Spoken Word-Projektes. Tobias Heyel, ein Autor aus Stuttgart, und ich schreiben und sprechen zu zweit Texte, arbeiten auch mit verschiedenen DJs und einer Videokünstlerin zusammen. Am 10. Oktober wird in der Villa Jungnikl unsere neue CD erscheinen.

Eine Wortneuschöpfung also. Mal ganz grundsätzlich: Welche Bedeutung hat Sprache für Sie?

Füg: Sprache ist alles.

Sind Sie auch mal sprachlos? Und wann?

Füg: Mhhh...?! (ich lächele grade)

Ihre Lieblingsworte?

Füg: „Zerebral“ und „Nachtfalter“ mag ich ziemlich gerne. Ansonsten sind es immer Wort- und Klangkombinationen, die plötzlich in meinem Kopf auftauchen.

Welche Rolle spielt Würzburg für Sie?

Ist Würzburg (Sprach-)Heimat?

Füg: Ich habe mir Würzburg bewusst zum Leben ausgesucht. Ich mag das Flair, die Weinberge, den Main, und das, was kulturell möglich ist. Beruflich bin ich viel unterwegs und habe fast die Deutsche Bahn als Zweitwohnsitz. Würzburg ist auch dafür ideal gelegen, und es fühlt sich immer schön an, nach Hause zu kommen. Ich bin in Leipzig geboren, zwei Jahre vor der Wende nach Mittelfranken gezogen, dort dann aufgewachsen, bis es mich zum Studium nach Oberbayern und Berlin verschlagen hat. Und danach bin ich für zwei Jahre nach Hannover gegangen. Ich hab also fast alle Sprachheimaten durch. Aber ja: wenn ich die fränkische Sprachfärbung höre, ist das ein vertrauter Heimatklang.

Dichten Sie uns dann was mit den Wörtern „Main“, „Wein“, „Tausendfüßler“, „August“ und „Beton“?

Füg: von den weinhängen blicken wir und halten/ für einen moment unsere finger zu fest/

du sprichst von tausendfüßlern im august/

dem platzregen auf deinen armen/

der wetterbericht informiert uns/

über risse im beton auf den schnellstraßen/

über schwankungen in tiefdruckgebieten/

nur noch wenige tage der dunst von main in der luft/ aber spätsommer schon in deinen pupillen

Wir sind mal kurz . . . . sprachlos. Schön! Vielen Dank. Schnell die Frage zur Schreibsituation: Wann, wie und wo schreiben Sie? Und wie oft? Am Schreibtisch oder anderswo?

Füg: Das kommt drauf an. Manchmal schreibe ich in Zügen, manchmal tippe ich beim Tanzen in der „MS Zufriedenheit“ Zeilen in mein Handy. Ganz regelmäßig schreibe ich jeden Montag für meinen Literaturblog „In Anbetracht“: www.inanbetracht.tumblr.com.

Ich sitze lieber auf meiner Couch als am Schreibtisch, um zu schreiben.

Ist Ihr Schreiben eher ein Suchen – oder Finden?

Füg: Es ist ein Spielen mit den Worten und ein Verstehen (wollen).

Schon Pläne, was Sie mit dem Preisgeld machen?

Füg: Ich werde mir die ein oder andere Kleinigkeit gönnen und den Rest auf die Seite legen, um mir etwas Zeit zum Schreiben erkaufen zu können, wenn es nötig ist, oder es mal keine gute Auftragslage gibt.

Jetzt werden Sie geehrt. Auf wen würden Sie gerne mal eine Laudatio halten?

Füg: Ich bewundere zum Beispiel Cendra-Doreen Polsner, eine Videokünstlerin und Malerin aus Eichstätt. Ihre Werke sind großartig, ich hab einige davon in meiner Wohnung hängen und durfte letztes Jahr eine Rede auf ihrer Vernissage halten. Und seit einigen Jahren mit ihr ab und zu zusammenarbeiten.

Pauline Füg

Die Sprachkünstlerin wurde 1983 in Leipzig geboren, ist in und um Nürnberg aufgewachsen, hat Psychologie in Eichstätt studiert und lebt in Würzburg. Sie ist – mit Ludwig Berger und Tobias Heyel – seit 2005 mit ihrem Elektropoesie-Projekt „großraumdichten“ deutschlandweit in Clubs, Theatern und Literaturhäusern unterwegs. Pauline Füg gibt Poetry Slam-Schreibworkshops, unter anderem für Schulen. 2006 und 2007 war sie Finalistin der deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Im Jahr 2011 erhielt sie den Kulturpreis der E.ON Bayern AG. Ihr Blog: paulinefueg.blogspot.de/

Pauline Füg: Ich stand am Flughafen in Düsseldorf auf dem Weg in den Urlaub und bekam einen Anruf von Johannes Engels, so habe ich vom Kulturförderpreis erfahren. Ein guter Start in den Urlaub. Vom Sprachbewahrerpreis habe ich schon vor ein paar Wochen per Mail erfahren, ein guter Start in den damaligen Tag. Dass die Pressemeldungen für beide Preise gleichzeitig rausgingen, ist ein schöner Zufall.  

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