HEIDINGSFELD

„So ein Unrecht darf nie wieder passieren“

Es waren bewegende Momente der Erinnerung an ermordete Würzburger Mitbürger: 35 neue Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus hat Künstler Gunter Demnig am Freitag in Würzburg verlegt.
Ein Stolperstein bei der gestrigen Verlegung in der Klosterstraße.       -  Ein Stolperstein bei der gestrigen Verlegung in der Klosterstraße.
Ein Stolperstein bei der gestrigen Verlegung in der Klosterstraße. Foto: FOTO Norbert Schwarzott

Schwerpunkt war diesmal Heidingsfeld. Bereits am Donnerstag wurde der Ermordeten gedacht. Rund 100 Interessierte nahmen an der Führung durch den israelitischen Friedhof in Heidingsfeld teil. Anschließend informierte der Arbeitskreis Stolpersteine in der Kulturtenne über die zwölf Opfer der Naziherrschaft aus dem Städtle, für die am Freitag Gedenksteine gesetzt wurden. Zeitzeugen erinnerten an die Getöteten.

Hiltrud Santo wohnte als Kind gegenüber der Heidingsfelder Synagoge. Die Reichspogromnacht sei für sie nach wie vor unvergesslich, erzählte sie sichtlich bewegt den Zuhörern. „Es war ein Bruch in meinem Leben.“ Funken stoben, Menschen schrien, „das begleitet mich mein Leben lang“. Völlig unbegreiflich war für sie, wie das gute Verhältnis zwischen Christen und Juden zerstört werden konnte.

Zuerst sei alles friedlich gewesen „und dann war die Angst da“, sagte Hiltrud Santo. Es sei eine furchtbare Zeit gewesen. „So ein Unrecht darf nie wieder passieren und wir dürfen das nie vergessen“, betonte sie.

Der 82-jährige Rudi Schmitt widmete sich mit seinem Vortrag Herta Mannheimer. Wenn der Mühlbach Hochwasser hatte, fragten die Kinder immer bei ihr, ob sie in ihrem Keller Boot fahren dürften. „Im Keller lagen schwere Holzplanken und so konnte immer einer aufspringen und sich mittels eines Steckens fortbewegen.“ Herta Mannheimer hatte einen kleinen Laden für Futtermittel und Mehl an der Ecke der Kirchgasse. Sie habe eine besonders helle Gesichtsfarbe gehabt, was Rudi Schmitts Großmutter so kommentierte: „Das ist so schön weiß wie ihr Mehl, das sie verkauft.“ Sie habe sich für Heidingsfeld sehr nützlich gemacht, hob Schmitt hervor. In der Turngemeinde Heidingsfeld leitete Herta Mannheimer eine Damenriege. Für die Sozialdemokraten gehörte sie von 1926 bis 1929 sogar als einzige Frau dem Heidingsfelder Stadtrat an.

Während der Führung durch den israelitischen Friedhof erklärte Michael Schneeberger den Teilnehmern Symbole wie die „segnenden Hände“ oder die „levitische Kanne“ auf den Grabsteinen. Zwischen 1810 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs fanden hier rund 1000 Juden ihre letzte Ruhestätte. Er machte auch darauf aufmerksam, wie wichtig den Juden das Gedenken an ihre Verstorbenen sei.

Die Patenschaft für den Stolperstein von Jette Eppstein in der Zindelgasse übernahm die Walther-Hauptschule. Eigentlich habe man die Patenschaft für Friderike Laubinger-Winterstein ins Auge gefasst, weil einige Sinti und Roma die Schule besuchen, so Rektor Volker Kauczok. Trotz intensiver Recherchen konnte jedoch nicht der letzte Wohnort der Getöteten ermittelt werden.

Dass der Kölner Künstler Gunter Demnig gleich 35 Stolpersteine an einem Tag verlegen konnte, war nur in Zusammenarbeit mit der städtischen Tiefbauabteilung möglich. Bauarbeiter hatten die Löcher für die würfelförmigen Steine vorgebohrt. Die Verlegung an den 15 Stellen wurde wieder jeweils mit einer kleinen Gedenkfeier verbunden. Mit nachdenklichen und ergreifenden Worten, teils mit andächtigen Musikstücken holten die Paten „ihre“ Opfer zurück aus der Anonymität des Massenmordes an den Ort ihrer Herkunft. Demnig wird nicht das letzte Mal in Würzburg gewesen sein. Sein Projekt findet bundesweit immer mehr Zuspruch. Mittlerweile hat er schon Termine für 2009 im Kalender stehen.

Helga und Egon Kitz sowie Helmut Försch (von links) mit dem Gedenkstein für David Menko in der Klosterstraße 1.NORBERT SCHWARZOTT       -  Helga und Egon Kitz sowie Helmut Försch (von links) mit dem Gedenkstein für David Menko in der Klosterstraße 1.NORBERT SCHWARZOTT
Helga und Egon Kitz sowie Helmut Försch (von links) mit dem Gedenkstein für David Menko in der Klosterstraße 1.NORBERT SCHWARZOTT Foto: FOTO

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